Begrüßung am 3. Abend des Projekts "... auf der Spur Jesu"
am 20. Februar 2013 in der Antoniuskirche

Guten Abend liebe Mitchristinnen und Mitchristen!

Ein herzliches Willkommen zu unserem 4. Baustein auf der Spuren Suche Jesu!

"Was ihr einem der Geringsten getan habt. Für wen Jesus eintrat" – so ist diese 3. Abendveranstaltung überschrieben.

Der letzte Satz unseres heutigen Lesungstextes aus Lukas 19,1-10 lautet: "Denn der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist." Dieser Sendungsauftrag Jesu stellt für uns als evangelische und katholische Christinnen und Christen kein Problem mehr dar. Diesen Such- und Rettungsauftrag Jesu haben unsere Kirchen über Diakonie und Caritas erstklassig umgesetzt; die Nächstenliebe wurde perfekt institutionalisiert. Wir haben - ich nutze einen Ausdruck der mir aus einer Fernsehdokumentation hängenblieb- wir haben "Konzerne der Menschlichkeit" geschaffen. Den Umgang mit den Armen und Bedrängten unserer Zeit, mit Denen die anders sind haben wir längst in professionelle Hände gelegt und insgeheim denken wir dabei "um so besser für alle Beteiligten"!

Jesus war da näher am Thema dran – ER hatte keine Berührungsängste! Er nahm Partei für die Ausgegrenzten, für die Armen, für die Anstößigen seiner Zeit; ER stellte sich unbedingt auf deren Seite und dies nicht abstrakt und in theoretischen Reden und Gleichnissen. Nein – ER umgab sich mit ihnen; ER pflegte Umgang mit ihnen; ER setzte sich an ihre Tische und aß mit ihnen zusammen. Hans Küng schreibt: "er war in schlechter Gesellschaft". Wenn wir uns Heute Abend treffen, wenn wir zur Feier unserer Gottesdienste zusammen kommen, dann können wir das ganz beruhigt tun: wir sind nicht in schlechter Gesellschaft. Wir sind in guter Gesellschaft, nämlich ausschließlich in unserer eigenen Gesellschaft!

Die Menschen die heute am Rande oder jenseits davon leben, an denen heute Anstoß genommen wird, die heute nicht regelkonform ihren eigenen Weg suchen und gehen, die kommen nicht mehr in unsere Gemeinden. Ich behaupte: die erwarten von den Kirchen, von den Gemeinden und von uns schon lange nichts mehr. Wir als Christinnen und Christen haben uns in eine geordnete Bürgerlichkeit zurückgezogen. "Schlechte Gesellschaft" – die findet woanders statt.

Im Lesungstext sagt Jesus zum obersten Zöllner Zachäus und der war garantiert schlechteste Gesellschaft: "Zachäus, komm schnell herunter! Denn ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein". Zu wem sagen wir als Gemeinden, als suchende Kirchen noch: "komm schnell herunter – ich will dein Gast sein oder sei Du meiner". Und weiter gedacht: zu wem können wir das überhaupt glaubhaft sagen, nachdem wir nicht einmal als Christinen und Christen unterschiedlicher Kirchen an einem Tisch zum Mahl zusammen kommen dürfen, auch wenn wir das wollen?

Gottesdienst und Menschendienst!

Ist Jesu Sendungsauftrag für uns noch immer Aufforderung und Stachel? Ist die Sache mit dem Geringsten für uns lästige Pflicht, christliches - aber outgesourctes - Selbstverständnis, Sentimentalität oder echtes Bedürfnis in SEINER Nachfolge?

Auf der Theaterbühne wäre ich jetzt nahe an der Publikumsbeschimpfung. Aber -liebe Mitchristinnen und Mitchristen - als Kirchen, als Gemeinden und als einzelne sollten wir uns immer wieder selbstkritisch hinterfragen, denn - so schreibt Hans Küng in dem heutigen Abend zugrundeliegenden 4. Kapitel seines Buchs "Jesus": Die Sache Gottes ist nicht der Kult, sondern der Mensch"

Wir freuen uns auf den Abend mit Ihnen!


Manfred Köstel