"Kommt, wir ziehen hinauf zum Berg des Herrn..." (Jes 2,3) - von heiligen Orten

Wallfahrten, Kreuzweg und Flurprozessionen. Was ist von Erscheinungen zu halten? Wenn Volksfrömmigkeit im Gegensatz zur Theologie steht. Vom "Wandern" im Gottesdienst?

Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass es in Filmen meist recht einfach ist, einen Pfarrer zu finden?

Wer Don Camillo suchte, der fand ihn vorzugsweise in der Kirche - und wenn es auch nur beim Abstauben der Heiligenfiguren war.

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Vom Verlust Heiliger Orte

Mir fällt bei solchen Szenen meist recht schmerzlich auf, dass ich die wenigste Zeit in der Kirche verbringe. Der Pfarrerberuf verkommt immer mehr zum Management und die Kirchen selbst bleiben immer häufiger geschlossen.

Letzteres hat durchaus seine Gründe. Kirchen, die "weit ab vom Schuss" stehen, wie unsere Pauluskirche, oder von Kostbarkeiten überfließen wie die Bruchsaler Peterskirche, kann man heutzutage kaum noch guten Gewissens geöffnet lassen - zum Leidwesen nicht nur der Touristen, die sich erst einmal einen Schlüssel besorgen müssen.

Was weit schwerer wiegt, ist, dass der besondere Ort, den ein Kirchenraum darstellt, nicht mehr zugänglich ist. Und das ist, auch wenn es viele noch gar nicht wahrnehmen, ein großer Verlust.

Wir Menschen brauchen nämlich nicht nur besondere Zeiten im Leben, wir brauchen auch besondere Orte.

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Gottes Anwesenheit am heiligen Ort

Die ganze Menschheitsgeschichte ist voll von Berichten und Erzählungen von solchen besonderen und heiligen Orten, und nicht zuletzt unsere biblische Überlieferung.

Bedeutendstes Beispiel einer solchen biblischen Erinnerung ist Exodus 3. Es heißt dort:

"Mose weidete die Schafe und Ziegen seines Schwiegervaters Jitro, des Priesters von Midian. Eines Tages trieb er das Vieh über die Steppe hinaus und kam zum Gottesberg Horeb. Dort erschien ihm der Engel des Herrn in einer Flamme, die aus einem Dornbusch emporschlug. Er schaute hin: Da brannte der Dornbusch und verbrannte doch nicht. Mose sagte: Ich will dorthin gehen und mir die außergewöhnliche Erscheinung ansehen. Warum verbrennt denn der Dornbusch nicht? Als der Herr sah, dass Mose näher kam, um sich das anzusehen, rief Gott ihm aus dem Dornbusch zu: Mose, Mose! Er antwortete: Hier bin ich. Der Herr sagte: Komm nicht näher heran! Leg deine Schuhe ab; denn der Ort, wo du stehst, ist heiliger Boden." (Ex 3,1-5)

Diese Stelle macht schon deutlich, was nach Auskunft der Bibel, die Besonderheit eines solchen Ortes ausmacht.

Die Erde an dieser Stelle ist kein bisschen anders als anderswo auch. Und nach außen hin erscheint dieser Ort wie alle anderen Orte auf der Welt. Er wird erst zu einem besonderen, einem heiligen Ort, weil der Heilige, weil Gott dort dem Menschen begegnet.

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Wie findet man heilige Orte?

Aber wo begegnet Gott dem Menschen?

In der Frühzeit der Menschheit brachte man häufig Naturereignisse mit solchen Gottesbegegnungen zusammen. Vulkane, Berge ganz allgemein, aber auch besondere Bäume wurden mit der Anwesenheit Gottes gleichgesetzt.

Von solchen naturalistischen Ansätzen löst sich die Bibel. Sie schildert vielmehr das konkrete Erleben einzelner Menschen. An bestimmten Orten haben Menschen die Gegenwart Gottes auf eigentümliche Weise erfahren. Hier, wo sie die Anwesenheit des ganz Anderen, des Heiligen, in ihrem Leben gespürt haben, errichteten sie ein Denkmal oder einen Altar und kamen immer wieder an diesen Ort zurück, um sich Gottes Gegenwart in ihrem Leben aufs Neue zu versichern.

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Gott begegnet überall

Aber die Bibel weiß auch um die Tatsache und betont ausdrücklich, dass Gott solche Orte nicht braucht. Er begegnet uns nämlich überall, er begegnet uns unmittelbar und findet seinen Weg zu uns, wo immer er es möchte.

Deshalb kann im Grunde genommen auch jeder Ort ein Ort der Gottesbegegnung sein.

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Jeder Ort potentiell heiliger Ort

Und deshalb kann auch jeder Ort heiliger Ort sein: Ort, der uns Menschen dem Heiligen, Gott, näher bringt.

Nur deshalb können Menschen Orte einfach zu heiligen Orten erklären: Wir nehmen einen bestimmten Flecken und sagen, dass dieser Ort jetzt dem profanen Gebrauch entzogen sein soll. An diesem Ort wollen wir eine Kirche, eine Kapelle bauen, dieser Ort soll uns helfen die Nähe Gottes in unserem Leben spürbar und erfahrbar zu machen.

Anders als Gott nämlich brauchen wir meist solche Orte - Orte, die uns helfen, dem alltäglichen Trott zu entfliehen und die Gedanken zu sammeln.

Und die meisten heiligen Orte dieser Welt sind genau auf diese Weise entstanden. Sie wurden gleichsam aus dem Ackerland unseres Alltages herausgeschnitten und der Erinnerung an Gott, der Begegnung mit dem Heiligen geweiht.

Die wenigsten schönen und erbaulichen Legenden, die man über die Gründung von heiligen Orten erzählt, beinhalten mehr historische Wahrheit, als dass Menschen einfach einmal angefangen haben - aus welchem Grund auch immer -, an diesem Ort zu beten und Gott zu verehren.

Und das reicht auch völlig aus.

Wichtig für heilige Orte ist nicht, dass etwas besonderes dort geschehen ist. Wichtig ist, dass sie hilfreich für uns sind, mit Gott in Beziehung zu treten.

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Vom Sinn der Wallfahrt

Neben den Orten, die es da in meiner unmittelbaren Umgebung braucht - der Gebetsecke in meiner Wohnung, dem Kirchenraum um die Ecke, der mich zum Gebet einlädt, ein wenig Ruhe in meinen Alltag einkehren lässt und mich auf Gott verweist, oder dem Kirchturm und seinen Glocken, die mich im Vorrübergehen optisch und akustisch daran erinnern, dass Gott in meinem Leben am Werk ist - neben all diesen Orten in meinem Alltag, braucht es ab und an auch den besonderen Ort, den entfernten, den zu dem ich aufbreche und für den ich meinen Alltag auch mal eine Weile hinter mir lassen muss.

Deshalb sind Menschen schon zu allen Zeiten zu heiligen Orten gepilgert, haben Wallfahrten unternommen, weil ab und an der Alltag so erdrückend ist, dass die Räume und Zeichen in meiner unmittelbaren Umgebung nicht ausreichen, um mich wirklich auf Gott einzulassen.

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Eine Episode aus der Firmvorbereitung

Dies ist mir erstmals wirklich deutlich geworden, als ich vor dem Pfarrhaus den Jungs begegnete, die darauf warteten, dass die Mädels, die von der Gemeindereferentin in den Pfarrräumen auf die Firmung vorbereitet wurden, endlich herauskommen würden.

Wie kann man auch angesichts solch verlockender Erwartung drinnen den Kopf für Gott frei bekommen.

Da wurde mir ganz anschaulich klar, wie sehr manchmal nicht nur die konkrete Alltagsarbeit, sondern einfach auch die gewohnte Umgebung, die allzu vertrauten Zusammenhänge und Beziehungen und nicht zuletzt auch das erdrückende Freizeitangebot den Menschen so gefangen nehmen können, dass Gott im Leben kaum noch Raum findet.

Bei der Firmung haben wir daraus die Konsequenz gezogen, mit der ganzen "Bagage" einfach eine Woche wegzufahren, dorthin, wo uns nichts ablenkt und nichts stört. Und wir folgen dabei vermutlich genau den Erfahrungen, die Menschen immer schon dazu gebracht haben, zu Einkehrtagen, Exerzitien oder eben auch Wallfahrten aufzubrechen und den normalen Trott ganz einfach hinter sich zu lassen.

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Vom Weg, der das Ziel ist

Dabei ist der Weg meist schon das Ziel.

Es geht gar nicht um das Erreichen eines besonderen Ortes, an dem dann irgendetwas Besonderes geschehen würde. Wichtig ist, dass Gott wieder Raum in meinem Leben bekommt, ich den Kopf für ihn freibekomme und Gottesbegegnung aufs Neue möglich wird.

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Problematische Ansätze

Wenn ich mir von einer Wallfahrt jedoch ganz anderes erwarte, dann beginnt ganz rasch der Bereich, in dem es problematisch zu werden anfängt.

Ab und an scheinen bei Pilgerfahrten zu einem Wallfahrtsort ja noch ganz andere Beweggründe mitzuschwingen: Da geht es dann um die konkrete Hoffnung auf Heilung oder ganz besondere Erwartungen, die an Gnadenbilder oder Quellen geknüpft sind.

Hier geraten wir auf ein Territorium, auf dem die Grenzen zwischen Glaube und Aberglaube fließend werden.

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Volksfrömmigkeit contra Theologie

Es ist keine Frage, dass ich mir vom Gebet auch ganz konkrete Hilfen für mein Leben erwarten darf. Gott wirkt in meinem Leben und er heilt mich auch. Ich darf zu ihm rufen, wenn ich seine Hilfe benötige und ich darf auch auf seine Hilfe vertrauen.

Und es kann durchaus hilfreich sein, an einem besonderen Ort mich ganz intensiv im Gebet auf ihn einzulassen um seine Hilfe spürbar zu erfahren.

Aber ich darf mir nicht Hilfe von einem Ort erwarten!

Die bloße Formulierung allein muss eigentlich schon die Unmöglichkeit dieses Unterfangens deutlich machen. Gott ist es, der hilft, nicht irgendein Ort. Und nirgendwo auf der ganzen Welt hat je einmal Wasser einen Menschen auf wunderbare Weise gesund gemacht.

Geheilt hat - wenn so etwas geschehen ist - immer und überall Gott der Herr. Und wer dies vergisst oder anderes behauptet, kann sich auf alles und jeden berufen, nicht jedoch auf den Gott der Bibel. Nicht einmal auf die Lehre der Kirche.

Und die Gottesmutter wird mir verzeihen, wenn ich auch das hier in aller Deutlichkeit sage: Auch sie, auch Maria hat noch nie einen Menschen auf wundersame Weise geheilt. Sie ist nämlich keine Zauberin und auch keine Wunderheilerin.

Wenn wir Heilige verehren und sie um Fürsprache bitten, dann bitten wir sie um nichts anderes, als um ihre Solidarität mit uns Menschen im Gebet. Und wenn dieses Gebet Erhörung findet, dann ist Gott es, der erhört und niemand anders.

Wenn an Wallfahrtsorten Dankestäfelchen mit der Aufschrift "Maria hat geholfen" angebracht werden, dann will ich einmal positiv davon ausgehen, das diejenigen, die sie angebracht haben, damit meinen, dass Maria durch ihr Gebet, dem Hilfesuchenden beigestanden ist. Geholfen - im Sinne von geheilt oder etwas getan - hat nämlich Gott allein.

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Wallfahrtsorte und Erscheinungen

Hier gilt es wirklich in seinem Denken und seinen Vorstellungen sehr sauber zu bleiben, damit unsere Glaubenspraxis nicht in die Nähe von Zauber und Magie gerät und damit den Boden des christlichen Glaubens verlässt.

Von daher gilt es auch mit der gebotenen Vorsicht an manche volkstümliche Praxis bezüglich Wallfahrtsorten und Erscheinungen heranzugehen.

Es gibt ein großes Verlangen nach spektakulären Ereignissen. Schon immer haben sich Menschen danach gesehnt, dass Gott mit Pauken und Trompeten auf die Erde niederfahren würde, um alle Ungewissheit von uns zu nehmen.

Aber genauso durchzieht die Bibel wie auch die Menschheitsgeschichte die wichtige Erfahrung, dass Gott vor Allem im Stillen und im Verborgenen wirkt. Es ist nicht seine Art, Dampfwalzen gleich über die Erde zu brausen.

Von daher sollte man massenwirksamen Events, wie sie manche vermeintlich religiöse Ereignisse darstellen, durchaus reserviert und mit gebotener Zurückhaltung gegenüberstehen.

Nicht selten waren ganz andere als religiöse Beweggründe für Erscheinungen oder das Blühen einer Wallfahrt ausschlaggebend. Und ich halte von den Orten am meisten, an denen Devotionalienhandel und Andenkenverkauf, touristische Erwägungen und der Wirtschaftsfaktor, den eine Wallfahrt durch alle Zeiten hindurch darstellen konnte, am wenigsten Stellenwert einnehmen.

Ein großes Fragezeichen stellt für mich persönlich in diesem Zusammenhang immer wieder die angewiderte Reaktion von Bernadette Soubiros dar, als sie nach Jahren im Kloster erstmals zu sehen bekam, was sich in Lourdes entwickelt hatte.

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Die Haltung der Kirche

Wie es auch sei - bezeichnend ist für mich, dass sich Kirche in diesem Zusammenhang immer sehr zurückhaltend und sehr reserviert gezeigt hat. Selbst dort, wo Erscheinungen und Wunder anerkannt wurden, wurde nie Wert darauf gelegt, dass solche Ereignisse von Allen in gleicher Weise zur Kenntnis genommen wurden.

Auffallenderweise kommt das ganze Thema "Erscheinungen" im "Weltkatechismus" der katholischen Kirche an keiner Stelle vor. Auch dies macht deutlich, dass hier manchmal weit mehr Vorsicht angebracht ist, als es die Volksfrömmigkeit an den Tag legt.

Wichtig ist, dass wir keine neuen Offenbarungen mehr brauchen. Gott hat alles, was wir über ihn wissen müssen, bereits mitgeteilt: letztgültig und unüberbietbar in Jesus Christus. Die Auskunft der Bibel reicht da allemal.

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Vom bleibenden Sinn der Wallfahrten

Nichtsdestoweniger haben Wallfahrten einen bleibenden Sinn und bleibende Bedeutung. Der eben schon erwähnte Weltkatechismus sagt dazu:

"Wallfahrten erinnern daran, dass wir auf Erden auf dem Weg zum Himmel sind. Sie sind von alters her zur Erneuerung des Gebetes besonders geeignet. Heiligtümer sind für Pilger auf der Suche nach ihren lebendigen Quellen besonders geeignete Orte, um die Formen christlichen Betens "als Kirche" zu leben." (2696)

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Vom Wandern des Gottesvolkes

Hier kommt etwas in den Blick, was wir bisher noch gar nicht bedacht haben:

Solch ein Aufbrechen und sich auf den Weg machen hat über alle ganz konkrete Bedeutung auch den Charakter eines Bildes. Es erinnert daran, wie der Katechismus sagt, dass wir auf Erden auf dem Weg sind, steht also für den Weg, den wir im Leben generell zurücklegen.

Das Unterwegs sein selbst wird zum Bild dafür, dass wir als Menschen - als Gemeinschaft, als Kirche - das wandernde Volk Gottes sind, das unterwegs ist durch diese Zeit auf seinem Weg Gott entgegen.

Deshalb wandern wir auch immer wieder, in jedem Gottesdienst: Der liturgische Einzug steht für diese Wanderschaft, in Gabenprozessionen kommt etwas Ähnliches zum Ausdruck, wie auch bei den richtig großen Prozessionen am Fronleichnamstag oder bei der Flurprozession an Christi Himmelfahrt.

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Vom Gehen des Kreuzweges

Aber auch das Beten des Kreuzweges kann diesen Charakter des Gehens - "Mit Jesus diesen Weg gehen" - erhalten und damit deutlich machen, dass ich diese Texte nicht nur wie ein längst vergangene Geschichte aus längst vergangenen Tagen rezitiere, sondern dass ich selbst hineingenommen bin in dieses Geschehen: Ich gehe mit. Ich selbst bin auf dem Weg, auf den Tod zu und durch ihn hindurch zum Leben.

Dazu ist es durchaus hilfreich, einen Kreuzweg beim Beten, ganz real zu gehen. Dies wurde bei der Neugestaltung unserer Kirchen auch in der Hängung der Kreuzwegstationen berücksichtigt.

Zum Anschauen war es vielleicht nicht unpraktisch, dass früher die einzelnen Tafeln einfach nebeneinander hingen. Man konnte sie sogar wenn man in manchen Kirchenbänken saß, alle im Blick behalten. Aber sie sind schließlich nicht zuerst zum Anschauen gemacht. Und heute muss ich, so ich sie anschauend verfolgen möchte, den Weg, den Jesus gegangen ist zumindest symbolisch selbst abschreiten.

Und dem empörten Schreiber eines Leserbriefes damals, der sich über die neue Hängung offenbar unendlich aufgeregt hat, und diesen Unmut in der entsetzten Anfrage "Ja, ging denn Jesus den Kreuzweg zerteilt!" zum Ausdruck brachte, möchte ich ganz einfach zur Antwort geben: Nein, aber er hat ihn auch nicht in der Kirchenbank abgesessen. Er ist ihn gegangen und er lädt uns ein, ihn mit ihm zu gehen.

Gehen wir nun jedoch einen Gedankenschritt weiter und zwar zu den Thesen, in die unsere Überlegungen wie gewohnt hineinmünden sollen. Sie lauten dieses Mal:

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These 1

Es braucht auch heute Orte der Stille und des Gebetes. Unsere Kirchen sind aber meist verschlossen und es scheint kaum noch möglich zu sein, sie einfach wie früher offen stehen zu lassen.

Wir benötigen aber dringend Räume, die Menschen dazu einladen, ohne große Klimmzüge und Anstrengungen Ruhe und Besinnung finden zu können.

Hier gilt es erfinderisch zu sein.

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These 2

Es gibt vielfältige Angebote für Exerzitien, Besinnungstage und Wallfahrten. Meist werden sie von Regionalstellen oder diözesanen Werken getragen.

Kaum einmal aber gibt es die Chance, dass Menschen die normalerweise den Alltag in den Gemeinden gestalten und vor Ort Christsein zu verwirklichen suchen, miteinander auf intensive Art und Weise innerlich auftanken und neue Impulse erhalten.

Auch hier scheint es mir Handlungsbedarf zu geben.

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These 3

Häufig machen Erscheinungen und Wunder durch alle Medien hindurch Furore und viel von sich reden. Nicht selten entstehen gleich Gruppen, die sich der neuen Ereignisse annehmen. Vieles ebbt - gleich einem Strohfeuer - sehr schnell wieder ab, Manches hält sich über Jahre hinweg.

Insgesamt scheint es mir für eine Pfarrgemeinde wichtig zu sein, dass sie hier vorsichtige Zurückhaltung übt und zu entsprechenden Gruppen durchaus auch gesunde Distanz hält.

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These 4

Prozessionen sind heute - wo sie überhaupt noch in Übung sind - wenig verstandene Formen.

Hier gilt es nicht nur eine neue Sensibilität zu entwickeln, sondern sie auch daraufhin abzuklopfen, was im Blick auf den modernen Menschen überhaupt noch vermittelbar ist und wie Formen aussehen müssen, die unseren Gemeinde in der Gegenwart entsprechen. Zwischen Stationen einfach Gesätze des Rosenkranzes zu beten, scheint nur noch für Wenige adäquat zu sein.

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These 5

Bei allem Blick auf die verschiedensten Orte und der daraus möglichen Gefahr, in einen gleichsam "Heilige-Orte-Tourismus" zu verfallen, ist es vielleicht abschließend sinnvoll, noch einmal den Weltkatechismus in den Blick zu nehmen und darauf hinzuweisen, was er zusammenfassend über all die verschiedenen Orte zu sagen weiß. Es heißt dort:

"Vorzügliche Orte des Gebetes sind die Gebetsstätten des einzelnen oder der Familie,"

und dann:

"Kloster und Wallfahrtsheiligtümer, vor allem aber die Kirche"

und damit meint der Katechismus die Pfarrkirche,

" vor allem aber die Kirche ist für die Pfarrgemeinde der eigentliche Ort des liturgischen Betens..." (2697)

Hier müssen wir weiterdenken, wie die gottesdienstlichen Räume vor Ort beschaffen sein müssen, dass Menschen auch in der heimischen Umgebung wirkliche Oasen finden, in denen Gott zu entdecken ist.

(Dr. Jörg Sieger)

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letzte Änderung: 9. Juli 2002