"... einen Sohn wirst du gebären:
dem sollst du den Namen Jesus geben." (Lk 1,31) -
die Frau aus Nazaret und der Sohn Gottes

Maria, Jungfrau und Mutter Gottes - wer war sie? Was heißt: "ohne Erbsünde empfangen"? Was ist mit den Brüdern und Schwestern Jesu? Welche Rolle spielen die Kindheitsgeschichten in den Evangelien und was sagt uns das Weihnachtsevangelium?

"Wunderschön prächtige", "sternenbekränzete", "Jungfrau" "voll der Gnaden" - Maria, die Mutter Jesu, kommt mir manchmal vor, wie eine dieser vielen Figuren in unseren Wallfahrtskirchen, die so mit Rosenkränzen, Ketten und Schmuckstücken behängt sind, dass man von der eigentlichen Figur schon fast gar nichts mehr sieht.

Maria und Marienfrömmigkeit

Die eigentliche Maria ist mittlerweile so von Titeln, frommen Erzählungen und erbaulichen Deutungen bedeckt, dass sie zu einem regelrechten Andachtsbild verkommen ist. Menschliche Züge - die Frau aus Nazaret, die liebevolle Mutter und Ehefrau - sind hinter all diesem Zierrat kaum noch zu entdecken.

Es ist kein Wunder, dass die meisten jüngeren Menschen und vor allem junge Frauen immer weniger mit dieser Maria anzufangen wissen und von der traditionellen Marienfrömmigkeit mehr abgestoßen als angezogen werden. Zu blutleer ist das verklärte Bild, das von der Gottesmutter weithin gezeichnet worden ist und immer noch gezeichnet wird. Zu oft wurde Maria missbraucht - als Inbegriff der Demut, der stillen, alles erduldenden Frau, die zu allem "Ja" und "Amen" sagt -, als dass sie für junge, selbstbewusste Frauen noch eine Vorbildfunktion haben könnte.

Das ist schade, wenn nicht sogar tragisch! Denn die Ablehnung, die Maria hier entgegenschlägt, gilt eigentlich gar nicht ihr. Manchmal habe ich hier das Gefühl, dass ein wunderschönes und wertvolles Bild auf den Speicher gelegt wird, nur weil der dicke, breite Rahmen, den man um das Bild herum angebracht hat, unansehnlich und geschmacklos geworden ist. Es wäre aber jammerschade, wenn man ein wertvolles Bild nur wegen eines unpassenden Rahmens unbeachtet verkommen ließe.

Ich glaube, dass das Bild selbst es wert ist, Beachtung zu finden: Maria verdient diese Beachtung. Warum dies so ist, wird deutlich, wenn wir den schwülstigen Rahmen einmal beiseite lassen.

Wir wissen wenig

Wer war diese junge Frau aus Nazaret, die da "mir nichts dir nichts" eine Rolle zugewiesen bekam, die sie in der ganzen Welt bekannt machte? Eigentlich wissen wir kaum etwas über Maria. War sie viel älter als 12 oder 14 Jahre, als sie im Begriff war zu heiraten? Das war das übliche Alter im damaligen Israel, um eine Ehe zu beginnen. Wenig später schon hätte sie als "alte Jungfer" gegolten.

Wer war Josef?

Auch Josef dürfte damals noch ein junger Mann gewesen sein: 14, höchstens 16 Jahre alt.

Die Vorstellung, dass er bei der Hochzeit schon sehr alt gewesen sei, beruht auf einem Irrtum, der auf alte Weihnachtsdarstellungen zurückgeht. In den ersten Jahrhunderten hat man gerne die Mutter mit dem Kind und den Weisen, die ihre Geschenke bringen, abgebildet. Und an den Rand der Szene stellte man meist einen alten Mann mit einem Stock. Diesen hat man später als Josef identifiziert und daraus geschlossen, dass er bei der Geburt dann schon sehr alt gewesen sei.

Josef war mit dieser Abbildung aber gar nicht gemeint! Die greise Gestalt auf diesen alten Weihnachtsdarstellungen war der Seher Bileam aus dem Alten Testament. Seine Weissagung ging hier in Erfüllung, und man hat ihn deshalb als deutende Person mit abgebildet.

Josef selbst dürfte ein junger Mann gewesen sein und als Zimmermann - als Inhaber eines kleinen "Bauunternehmens" - auch eine gute Partie.

Hochzeit und Geburt des Kindes

Maria war vermutlich - wie die meisten anderen Mädchen - neugierig auf die Ehe, vielleicht verliebt. Vielleicht steckte auch eine gehörige Portion Vernunft in diesem Verlöbnis. Wir können nur spekulieren.

Auf jeden Fall war sie kurz darauf mit Josef verheiratet. Sie hatten einen Erstgeborenen, dem sie den Namen Jesus, Jeschua - das bedeutet: Jahwe ist Heil, ist Rettung - gaben: ein gebräuchlicher jüdischer Name.

Viel mehr kann man über die Geschehnisse damals nicht sagen.

Von der Bedeutung der biblischen Berichte

Man wird jetzt einwerfen: "Aber im Neuen Testament stehen doch noch eine ganze Menge weiterer Details, angefangen von der Verkündigung über die Volkszählung und den Weg nach Betlehem ..."

Wir dürfen hier aber nicht vergessen, dass das Neue Testament nicht in erster Linie Geschichtsbericht sein will. Das heißt nicht, dass etwa nicht stimmen müsste, was dort berichtet wird. Es heißt nur, dass wir es hier nur bedingt mit historisch verlässlichen Quellen zu tun haben.

Bei der Verkündigung war sonst niemand dabei. Hat Maria es selbst so erzählt, gar ein "Gedächtnisprotokoll" darüber angelegt?

Wenn man den Text genau anschaut, dann fällt auf, dass der Bericht kunstvoll gestaltet ist. Man kann auch den alttestamentlichen Bericht von der Verheißung eines Sohnes für Sara, die Stammmutter Israels, daneben legen. Dann stellt man fest, dass es sich bei der Verkündigung an Maria um eine "Neuauflage" dieses alten Berichtes handelt. Es scheint die Absicht des Verfassers gewesen zu sein, Maria als neue Sara, als geistliche Stammmutter eines neuen Israels einzuführen.

Dies ist das erste und eigentliche Anliegen, dieses Textes - eine gewichtige und für uns ungeheuer bedeutsame Aussage, aber eben kein historischer Bericht, kein Zeitungsartikel über ein Geschehen zur Zeitenwende in Palästina.

Und auch das Weihnachtsevangelium ist stark unter dem Aspekt gestaltet, dass sich die Weissagung der großen Propheten hier erfüllt.

Das heißt - wohlgemerkt - immer noch nicht, dass diese Überlieferungen falsch ein müssten. Es heißt nur, dass wir - historisch gesehen - eben kaum Exaktes aus ihnen entnehmen können.

Die uneheliche Schwangerschaft als historisches Faktum?

Auffallend ist die Tatsache, dass davon berichtet wird, Maria sei schon vor ihrer Eheschließung schwanger gewesen. Vielleicht hat sich hier ein Hinweis auf eine historische Erinnerung niedergeschlagen hat, denn solch einen Umstand erfindet man nicht über die Mutter dessen, den man als Sohn Gottes verehrt. Wenn Maria und Josef bei Jesu Geburt beispielsweise schon einige Jahre verheiratet gewesen wären, dann hätte man nicht im Nachhinein von einer Schwangerschaft vor der Eheschließung gesprochen.

Der Umstand, dass Maria noch unverheiratet war, als sie schwanger wurde, der hat demnach eine gewisse historische Glaubwürdigkeit für sich.

Jesus ist wirklich Mensch geworden

Was aber wollen die biblischen Berichte sagen, wenn sie uns nicht zuerst über historische Details informieren möchten? Was ist die eigentliche Absicht des Weihnachtsevangeliums und des Verkündigungsberichtes?

Die erste und wichtigste Botschaft - und in diesem Sinne haben auch die Kirchenväter diese Stellen immer zitiert -, die wichtigste Aussage ist: Jesus ist geboren worden! Und das heißt nicht nur, er ist Mensch geworden, nein, er wurde geboren, wurde ein kleines Kind, das alleine hilflos gewesen wäre. Er war angewiesen auf seine Eltern, musste lernen, hatte Kinderkrankheiten, wie jedes andere Kind auch und machte seinen Eltern manchen Kummer.

Das ist die erste Absicht der Texte: zu sagen, dass Gottes Sohn als richtiger Mensch geboren worden ist. Denn das war alles andere als selbstverständlich.

Die Aussage "Gott ist geboren worden!" als Ärgernis

Für viele Denker der damaligen Zeit war das ein Ärgernis. Dass Gott Mensch wird, das hätte man sich ja noch vorstellen können, so nach dem Motto: Gott verkleidet sich eben mit einer Hülle aus Fleisch, er schlüpft gleichsam in den Körper eines Menschen und tut so, als wäre er Mensch. So konnte man sich in der Antike die Menschwerdung von Gottheiten schon vorstellen.

Dass dieser Gott aber wirklich Mensch wird und dass er sich sogar von einer Frau gebären lässt, um dann als kleiner hilfloser Wurm ganz den Menschen ausgeliefert zu sein, das war für viele eine Ungeheuerlichkeit.

Genau das aber betonen die biblischen Berichte: Gott wird Mensch mit allem drum und dran. Und das wollen diese Berichte demnach auch verkünden.

Das Sprechen von der Jungfräulichkeit

Sie sagen uns nicht, wie die Dinge in allen Einzelheiten vonstatten gegangen sind, nicht einmal ob Maria jetzt im biologischen Sinn als Jungfrau geboren hat oder nicht.

So hat selbst Joseph Ratzinger in seiner "Einführung in das Christentum" - lange bevor er Erzbischof von München und danach Präfekt der Glaubenskongregation wurde - geschrieben:

"Die Gottessohnschaft Jesu beruht nach dem kirchlichen Glauben nicht darauf, dass Jesus keinen menschlichen Vater hatte; die Lehre vom Gottsein Jesu würde nicht angetastet, wenn Jesus aus einer normalen menschlichen Ehe hervorgegangen wäre." (Josef Ratzinger, Einführung in das Christentum, München 1968, 225)

Gott ist immer der Urheber des Lebens. Jeder von uns lebt nicht nur aufgrund biologischer Zusammenhänge und Automatismen, sondern weil Gott ihn zum Leben berufen hat. Und wie genau Gott es angestellt hat, dass sein Sohn empfangen wurde, bleibt dem Zugriff unseres Denkens entzogen.

Unsere Kirche hält selbstverständlich auch weiterhin daran fest, dass die Empfängnis Jesu ohne Zutun eines Mannes vor sich ging - lassen wir das ganz einfach hier so stehen.

Wichtig scheint mir zu sein, dass das Sprechen von der Jungfräulichkeit Mariens zuerst einmal theologische Bedeutung hat: Jungfräulichkeit ist hier zuallererst eine theologische Kategorie. Sie meint Selbsthingabe an Gott. Und die hat mit Biologie zunächst einmal nur am Rande zu tun.

Gott macht sich abhängig vom Ja-Wort eines Menschen

Der Bericht von der Verkündigung möchte uns darüber hinaus deutlich machen, wie Gott hier nicht ohne den Menschen ans Werk geht. Gott überrumpelt nicht einfach. Er möchte das Einverständnis seines Gegenübers. Er tut nichts, ohne dass der Mensch auch "Ja" dazu gesagt hat. Gott macht sich - und das ist eine ungeheure Aussage - abhängig vom "Ja" des Menschen. Er macht sich hier abhängig von einer einfachen jungen Frau.

Noch heute ist das bemerkenswert: Damals - auf dem Hintergrund der gesellschaftlichen Stellung von Frauen - war das beinahe undenkbar: Gott macht sich, macht die Geburt seines Sohnes abhängig vom Ja-Wort einer Frau.

Eine neue Sicht der Frau

Wenn in jüngster Zeit immer mehr davon geredet wird, dass Maria - von diesem Ereignis her - der Titel Miterlöserin zugesprochen werden müsste, dann kann ich das in gewisser Weise nachvollziehen. (Es ist ja sogar davon die Rede, dass der Papst eine entsprechende lehramtliche Stellungnahme plane.) Auch bei der Geburt seines Sohnes wirkt Gott mit dem Menschen - hier eben mit Maria - zusammen.

Mich wundert nur, dass im Christentum - ausgehend vom biblischen Bericht der Verkündigung, in dem sich Gott vom Jawort einer Frau abhängig macht - die Rolle der Frau nicht eine ganz gewaltige Aufwertung erfahren hat. Für mich macht dieses Ereignis deutlich, dass Gott nicht nur Männer beruft. Von Maria ausgehend hätte uns Christen eigentlich von Anfang an klar sein müssen, dass Gott Mann und Frau in gleicher Weise ruft und beruft.

Von der Bedeutung Mariens

Ich kann gerade den Frauen, die Maria heute hintansetzen, nur raten, sie neu zu entdecken. Wer sich wirklich auf die Mutter Jesu einlässt, wird bald entdecken, dass er keine Schwierigkeiten mit ihr hat. Probleme bereitet höchstens, was man aus ihr gemacht hat. Maria selbst bietet keinerlei Anlass, sie als "Heimchen am Herd" abzulehnen. Sie hat in einem ungeheuer mutigen Ja-Wort Gott zugesagt, dass er auf sie zählen kann.

Sicher hat sie die gesamte Bedeutung dessen, was vor ihr lag, nicht durchschaut. Wer von uns könnte das! Aber sie hat "Ja" gesagt, und sie hat dieses Ja-Wort durch alle Schwierigkeiten durchgehalten.

Sie war Mutter Gottes und damit Gott auf eine Weise nahe, wie kein anderer Mensch. Sie war Frau - selbstbewusst wie etwa auf der Hochzeit zu Kana, auf der sie ihren Sohn gleichsam antrieb, endlich etwas zu tun. Und sie stand mitten im Leben, mit beiden Beinen auf dem Boden - und das sowohl in den glücklichen Stunden ihres Lebens, wie auch im abgrundtiefen Leid.

Maria und die Gnade

Gerade im Leid macht Maria deutlich, wie viel Kraft ihr geschenkt worden sein muss. Denn solche Schicksalsschläge - bei der Hinrichtung des eigenen Sohnes dabei zu sein, der unschuldig verurteilt wurde - steht man nicht von selbst durch.

Genauso wenig wie Menschen heute in unseren Gemeinden, das "Paket", das ihnen oftmals auferlegt wird, unmöglich alleine tragen können. Wir wissen, dass es gerade in diesen Situationen einer Kraft bedarf, die wir nicht aus uns selbst heraus nehmen können. Gott muss uns in vielen Stunden des Lebens diese Kraft schenken.

Maria hat diese Kraft geschenkt bekommen; auch sie war nur ein Mensch. Wenn sie all dies, wovon die Schrift berichtet, durchgestanden hat, dann deswegen, weil Gott ihr dabei ganz kräftig "unter die Arme gegriffen" hat. Nichts anderes soll gesagt sein, wenn wir davon sprechen, dass Maria voll der Gnade war.

Unbefleckt empfangen

Und nichts anderes sagt auch der Satz von der "Unbefleckten Empfängnis".

Er meint nicht, dass Maria Jesus etwa unbefleckt empfangen hätte. Das wäre ein großes Missverständnis: Und das könnte man im Sinne der Jungfrauengeburt völlig falsch verstehen - etwa in dem Sinne, dass eine andere - eine natürliche - Empfängnis eine Befleckung, ein Makel, sei. Diese Interpretation im Sinne der leibfeindlichen Haltung, dass alles was geschlechtlich ist auch schlecht sei, sollten wir schnell wieder vergessen!

Bei der unbefleckten Empfängnis geht es nicht um die Empfängnis Jesu. Es geht um Marias Empfängnis, um den Beginn ihres Lebens. Und es wird damit gesagt, dass Gott Maria schon vom ersten Augenblick ihres Lebens an mit all dem begleitet hat, was für sie notwendig war; dass er alles von ihr ferngehalten hat, was sie daran hätte hindern können, ihren Lebensweg zu gehen.

Deshalb heißt dieser Glaubenssatz auch weit richtiger, dass Gott Maria von aller Erbschuld bewahrt hat: Er selbst hat ihr die Kraft gegeben, sich in allen Situationen ihres Lebens für Gott zu entscheiden.

Wenn dies von Maria gesagt wird, dann ist das nichts, was Maria in irgend einer Weise gegenüber anderen Menschen hervorheben würde. Es betont vielmehr, dass auch Maria ganz normaler Mensch gewesen ist. Wenn Gott von uns etwas verlangt, was über das Menschenmögliche hinausgeht, dann muss er uns er uns die dazu Kraft eben schenken, von alleine können wir sie nicht erbringen.

Damit betonen diese Aussagen über Maria, dass es auch ihr nicht anders ging, als jedem von uns. Sie war kein Übermensch. Sie war ganz einfach Mensch, eine von uns!

Brüder und Schwestern Jesu

Und wenn die Schrift davon spricht, dass Maria mit Jesu Brüdern und Schwestern diesen suchen ging, wenn in der Bibel selbst also Brüder und Schwestern Jesu erwähnt werden und immer mehr Theologen deshalb davon ausgehen, dass Maria nach Jesus noch eine Reihe weiterer Kinder hatte, Mutter eine großen Familie war, dann macht dies alles für mich diese Frau Maria nur noch menschlicher und liebenswerter - selbst wenn unsere Kirche immer noch meint, die Brüder und Schwestern Jesu im Evangelium als Vettern und Cousinen deuten zu müssen - auch das können wir ganz einfach - denke ich - so stehen lassen.

Aufgenommen in den Himmel

Wichtig ist für mich auch, wenn wir davon sprechen, dass Maria in den Himmel aufgenommen wurde: mit Leib und Seele, wie es heißt, also als voller Mensch, nicht nur als vergeistigtes Wesen, sondern mit allem drum und dran, als Frau mit all ihren Sinnen und all dem, was ihre Persönlichkeit ausmacht. Denn wenn wir davon sprechen, dass Maria von den Toten auferweckt wurde, dann ist eine von uns auferstanden.

Dass Jesus aufersteht, das ist noch leicht nachvollziehbar, denn er ist schließlich Gott. Wenn unser Glaube aber davon spricht, dass auch Maria, ein ganz einfacher Mensch, in diese Auferstehung mit hineingenommen wird, dann ist das exemplarisch für uns alle gesagt.

Das ist der Weg, der uns allen verheißen ist: der Weg durch den Tod hindurch, in die neue Wirklichkeit des Lebens bei Gott. Wenn im Glaubenssatz von der Aufnahme in den Himmel davon gesprochen wird, dass Gott Maria in dieses neue Leben hineingenommen hat, dann wird das stellvertretend für uns alle gesagt.

Der Sohn Mariens – Gott und Mensch?

Der Mensch Maria ist daher für mich nicht nur wichtig, er ist für mich auch hilfreich. Vieles in unserem Glauben lässt sich von ihr her besser verstehen. Jesus Christus lässt sich tiefer begreifen.

Generationen von Theologen haben sich die Köpfe darüber zerbrochen, wie es zu verstehen sei, dass Jesus Christus göttliche und menschliche Person zugleich war. Und all ihr Nachdenken hat lediglich zur Formel geführt, dass in Jesus Gottheit und Menschheit einerseits "unvermischt" und "unverwandelt", andererseits aber "ungetrennt" und "ungesondert" vorhanden sind. Diese Formulierung ist, wenn man sie länger durchdenkt, so genial, weil sie im letzten wieder nichtssagend ist.

Die Begriffe schließen sich - logisch betrachtet - gegenseitig aus und sagen im Grunde nicht wie es ist - allerhöchstens, wie es nicht ist. Und sie machen im Grunde damit nur wieder deutlich, dass man eigentlich gar nichts sagen kann. In unserem menschlichen Denken lässt es sich nicht durchdringen, wie das mit der Gottheit und der Menschheit in Jesus Christus vorstellbar sein soll.

Gerade da aber ist mir die Mutter Jesu hilfreich. Durch Maria wird Gott in seiner Menschlichkeit - als Kind in den Armen seiner Mutter, und als trotziger Zwölfjähriger im Jerusalemer Tempel, und in seiner Liebe als Sohn, der am Kreuz für seine Mutter Sorge trägt - um ein vielfaches greifbarer als in allen theologischen Nachschlagewerken.

Wenn man früher so gern sagte, dass man durch Maria zu Christus komme, dann wird dies an diesem Punkt für mich ganz real. Die Frau aus Nazaret hat mir, nicht nur dadurch, dass sie ihn geboren hat, den Sohn Gottes näher gebracht.

(Dr. Jörg Sieger)

Bitte sagen Sie mir Ihre Meinung oder schreiben Sie mir ganz einfach. Meine Adresse lautet: Dr. Jörg Sieger, Mannheimer-Str. 54, 76131 Karlsruhe, Tel.: +49 (0721) 82105171, E-Mail: kontakt@joerg-sieger.de.

Unser Glaube - Ein Versuch zeitgemäßer Antworten