Die Kreuzigung

"Einer der Verbrecher, die neben ihm hingen, verhöhnte ihn: Bist du denn nicht der Messias? Dann hilf dir selbst und auch uns! Der andere aber wies ihn zurecht und sagte: Nicht einmal du fürchtest Gott? Dich hat doch das gleiche Urteil getroffen. uns geschieht recht, wir erhalten den Lohn für unsere Taten; dieser aber hat nicht Unrechtes getan. Dann sagte er: Jesus denk an mich, wenn du in dein Reich kommst. Jesus antwortete ihm: Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein." (Lk 23,39-43)

In diesem Zusammenhang steht noch ein Text:

Wir gingen zu dritt die Straße entlang,
als wir am Wegrand eine Gestalt entdeckten.
Als wir näher getreten waren, fragte ich sie:
"Wie kommst du hierher:"
Sie sah mich an und sagte: "Und Du?"
Ich fing an zu überlegen.
In diesem Moment fragte der Jüngste meiner
Begleiter den buckligen Zwerg intensiver: "Wie
kommst Du hierher?" Zu meinem Erstaunen fing er
an zu erzählen: "Als Kind war ich immer traurig über
mein Aussehen, aber es legte sich mit der Zeit
und heute passiert es mir nur manchmal, und zwar, wenn
ich besonders schöne Menschen sehe! Ich war im
Urlaub, als diese schönen Menschen sich beim
Veranstalter über mein Aussehen beschwerten und
forderten, daß ich entweder verschwinden müßte,
oder sie aber ihr Geld zurück haben wollten! Ich
wurde von ihnen angeschuldigt, kam vor ihr Gericht
und wurde von ihnen verurteilt!
Jetzt bin ich hier!!
Aber was ist mit Dir, wie kommst Du hierher?"
Mein jüngster Begleiter antwortete: "Ich, ich bin Jude
und wollte Mahnwache halten, als der Brandsatz
durch die Scheibe flog!
Stille!!
Jetzt sprach auch mein anderer Begleiter. "Ich bin
Berber, wie man unschwer an meinen Sachen
erkennen kann. Ich lag auf der Parkbank, als sie
kamen, mich runterrissen und mich tottraten!"

Er brach ab, weil er sichtlich nicht mehr drüber
reden konnte.
Nun fiel auch mir wieder ein, wie ich hierher kam.
Gerade als ich anfangen wollte zu erzählen,
vernahmen wir eine ruhige wohlklingende Stimme,
die da sagte: "Tretet ein in mein Paradies, denn die
Letzten werden die Ersten sein."

(W. K.)

Der Text ist entnommen dem Band "Ist es weit bis morgen? Eine Anthologie des Schreibtreffs der JVA Wuppertal", S. 12-13.

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