Die rechte Feier des Herrenmahls:

"Denn ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch dann überliefert habe: Jesus, der Herr, nahm in der Nacht, in der er ausgeliefert wurde, Brot, sprach das Dankgebet, brach das Brot und sagte: Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis! Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sprach: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut. Tut dies, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis!
Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt. Wer also unwürdig von dem Brot isst und aus dem Kelch des Herrn trinkt, macht sich schuldig am Leib und am Blut des Herrn." (1 Kor 11,23-27)

Als Hilfe soll uns ein Text zur Ergänzung dienen:

Brot - Verbrotung - Verbrüderung

In diesem Brot steckt Jesus drinnen,
darum hegen und pflegen,
tätscheln wir
jedes Krümelchen,
gehen davor in die Knie
und verspeisen es.
Katholisch.

Wenn ich dieses Brot empfange,
kommt Jesus zu mir.
Nach der Feier ist es eben
übriggebliebenes Brot.
Lutherisch.

Wenn ich dieses Brot empfange,
soll ich an Jesus erinnert werden,
symbolisch.
Calvinistisch.
Von welcher Coleur
ihr auch sein möget,
von welcher Schattierung,
ihr Christenmenschen,
ihr komischen Heiligen,
manchmal Nachtschattengewächse:
Dies Brot ist kein Appetithappen,
sondern Brot für einen echten Hunger!

Könnte es nicht sein,
daß man auf dieses Brot zurückkommt,
wie jener französische Adelige,
der alle Gaumenfreuden durchprobiert hatte
und dem dann nichts mehr schmeckte,
bis er bei einem Ausritt
an ganz gewöhnlichem Bauernbrot
wieder Geschmack gewann?

Haben nicht auch wir
die Landschaft schon abgegrast
mit Zunge und Gaumen?
Müssen nicht auch wir ausreiten,
ausbrechen aus den Delikatessen,
um bei diesem schlichten Stücklein Brot
wieder anzukommen?

(Michael Zielonka)

Der Text ist entnommen aus dem Werk "Unkonventionelle Mediationen" von Michael Zielonka, Verlag Styria Graz, Wien, Köln 1982, S. 92-93 Ó beim Autor, der uns dankenswerterweise erlaubte, diesen Text hier einzustellen. Wir weisen gerne darauf hin, dass die Werke von Michael Zielonka neu zugänglich sind in der Sammlung "Deutlicher Leben" - Anregende und aufregende Deutungen zu den Festtagen und Alltagen im Kirchenjahr, Steyler Verlag, 41311 Nettetal.

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