Psalm einer Depression

Aus der Tiefe meiner Niedergeschlagenheit rufe ich zu Dir,
und ich hoffe, Du hörst mich.,
denn ich fühle mich verlassen, deprimiert und hoffnungslos.
Alle Freude ist aus mir geflohen,
und die Schwärze meiner Verzweiflung hat mich verschluckt.
Ich weine über die Menschen,
die herumhetzen und unglücklich sind und es nicht merken.
Ich weine über unsere zerstörte Welt und über
die Lieblosigkeit, mit der Menschen sich gegenseitig quälen,
und über das Böse, das Gutes unsichtbar macht
- vorübergehend.
Zu Dir rufe ich, und ich hoffe, Du weißt,
wie weit mich meine Traurigkeit von Dir entfernt hat.
Aber Du läßt mich wieder aufwachen und neue Kraft spüren,
weil Du mich nicht verläßt.
Du schickst mir Kinder, die mir vertrauen und mir zulachen,
und gute Freunde, die mich ertragen, wenn ich mürrisch bin
und mich verstecke in meinen vier Wänden.
Du bist es, der mir lauter Freuden schickt,
die das Eis in mir zum Tauen bringen,
und meine Schritte werden sicherer.
Fallenlassen kann ich mich wie ein Kind in Deine Hände,
und Hoffnung kehrt zurück und Mut,
und ich kann wieder lieben.
Deshalb bin ich wieder glücklich.

(Annemarie Knorpp)

Der Text ist entnommen aus dem Band: "Mit Gott im Gespräch, Gebete und Anregungen zum Beten", hrsg. von der Abteilung Gemeindepastoral des Erzbistums Köln (Köln 1986)

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Hinführung zum Themenkreis: Warum hast Du mich verlassen? -
Die Frage nach Leid und Tod