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Unser Glaube

Ein Versuch zeitgemäßer Antworten

Weiter-Button Zurück-Button Gott wohnt, wo man ihn einlässt

Ein Tag unseres Lebens liegt fast wieder hinter uns. Alltäglich, mit Herausforderungen, banal, hektisch getrieben, erfreulich, enttäuschend - belanglos. Vielleicht war er aber auch gar nicht so belanglos, wenn wir auf das Wort des heutigen Abends schauen:

"... denn ich bin Gott, nicht ein Mensch, der Heilige in deiner Mitte."

Gott in meiner Mitte - der Heilige. Gott der Nahe und Ferne - ja manchmal der ganz Ferne. Gott, den ich nicht begreifen - greifen kann. Gott - die Frage!

Zwei Geschichten von Martin Bubers Legendensammlung sind wie ein Gespräch aufzufassen, denn sie erklären sich gegenseitig:

Als Rabbi Jizchak von Meir ein kleiner Junge war, brachte ihn seine Mutter einmal zum Maggid von Kosnitz. Da fragte ihn jemand: "Jizchak Meir, ich gebe dir einen Gulden, wenn du mir sagst, wo Gott wohnt." Er antwortete: "Und ich gebe dir 2 Gulden, wenn du mir sagst, wo er nicht wohnt."

Und nun die zweite Erzählung:

Rabbi Meir war zu Gast bei gelehrten Männern. Er überraschte sie mit der Frage: "Wo wohnt Gott?" Sie lachten über ihn: "Was redet ihr! Ist doch die Welt seiner Herrlichkeit voll!" Er aber beantwortete seine eigene Frage: "Gott wohnt, wo man ihn einlässt."

Gott wohnt, wo man ihn einlässt.

Hier ist ein Mensch, der Gott einlässt. Der Beter des Psalms 23 kennt Armut, Angst und Todesgefahr. Er sitzt im Finstern, wie in Trümmern oder dunkler Schlucht. Dennoch preist er Gott als "Guten Hirten" und wunderbaren Gastgeber.

Der Maler fasst beide Metaphern für das Reden von Gott zusammen. "Er lässt mich rasten auf grünen Auen. Er führt mich zum Wasser der Ruhe." Das möchte Gott: die unruhige menschliche Seele zur Ruhe kommen lassen. "Ich werde euch Ruhe verschaffen" (Mt 11) sagt auch Jesus.

Und große Ruhe strahlen auch Farbe und Komposition dieses Bildes aus. "Er leitet mich auf rechten Pfaden, treu seinem Namen, dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht."

Wie selbstverständlich geht im Psalm die erzählende Aussage in ein vertrautes, vertrauendes "Du" über. "Du deckst mir den Tisch. Du füllst mir reichlich den Becher. Und wohnen darf ich im Haus des Herrn für die Länge der Tage." Das Gastrecht Gottes bedeutet absolutes Schutzrecht auch für den schweren Sünder. In unbegreiflicher Weise bietet Gott uns Tisch- und Lebensgemeinschaft an - über den Tod hinaus.

Das Kernstück des Psalms aber lautet: "Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht, ich fürchte kein Unheil, denn du bist bei mir." Erinnerung an die Wüstenwanderung, an Angst und Schrecken, Schuld und Finsternis der Seele sprechen daraus. Wir sehen durch die Schlucht einen Garten von Rosen. Sie bedeuten: Du erfreust mich; du liebst mich; du bist bei mir.

Es ist faszinierend, wie der Maler das Bild von Gottes Hand als Gastgeber und Wegweiser übergehen lässt in das Bild des "Guten Hirten" und Gastgebers Christus, der als Leidender erscheint in der Hand oben, die uns führt, die uns Brot und Wein, Fisch und Rosen anbietet.

Seien wir achtsam im Leben, offen gegenüber dem Leben, dem alltäglichen, mühevollen, überraschenden, erfreulichen Leben an einem Tag wie dem heutigen. Geht unser Blick nicht nur nach unten - sondern auch nach oben, erwarten wir die Nähe Gottes im jeweiligen Augenblick unseres Lebens?

(Annemarie Lebert)

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