Die Gegenreformation

Aus der Missionstätigkeit im Heiligen Land, die Ignatius Loyola beabsichtigte, wurde nichts. Den Jesuiten wurde ein ganz anderes Missionswerk übertragen. Das missionarische Wirken im durch die Reformation gespaltenen Europa wurde in der Hauptsache ihnen anvertraut.

1. Die politischen Verhältnisse bis zum 30jährigen Krieg

Und diese Spaltung war im Verlauf der Jahrzehnte weit größer geworden, als man am Anfang wahrhaben wollte. Weite Gebiete Mittel- und Nordeuropas wurden durch die unsäglichen Wirren der Konfessionsstreitigkeiten zerrissen.

Natürlich ging es dabei nicht nur um religiöse Fragen. Es waren sogar in der Hauptsache politische Gründe, die die Konfessionalisierung vorantrieben. Oftmals spielten lukrative kirchliche Besitzungen und Machtfragen eine ausschlaggebende Rolle.

Da allein der Landesherr über den Glauben der Untertanen entschied, war einer weiteren Politisierung der Glaubensfragen Tür und Tor geöffnet. Je nach politischer Opportunität hielten es die Fürstenhäuser mit dem Papsttum oder mit den Reformatoren. So mussten allein die Bewohner der Kurpfalz beispielsweise sechsmal den Glauben wechseln.

Dieses Gemenge aus religiöser Überzeugung und politischen Interessen führte letztlich zum unsäglichen Religionskrieg, der Europa zwischen 1618 und 1648 dreißig Jahre lang erschüttern sollte. Sein Verlauf und seine Wertung gehören nun aber in den Bereich der allgemeinen Geschichte.

2. Die Gegenreformation

Wir wollen uns hier nun vielmehr mit den Ereignissen im Inneren der Kirche beschäftigen, und dabei vor allem mit den Aktivitäten, die man normalerweise unter dem Schlagwort "Gegenreformation" zusammenfasst.

In den Jahrzehnten seit Ausbruch der Reformation, vor allem vor, aber auch noch während des 30jährigen Krieges, richtete sich das Augenmerk der Katholischen Kirche nämlich zunächst darauf, wie es gelingen könne, die wenigen katholisch gebliebenen deutschen Fürstenhäuser - nämlich vorab Habsburg, Wittelsbach und seit 1613 wieder Pfalz-Neuburg - mit dem Geist der innerkatholischen Erneuerung zu erfüllen und in den Dienst der Erhaltung bzw. der Ausbreitung der Kirche zu stellen.

Wertvolle Arbeit leisteten hierbei die Jesuiten und die Kapuziner. Patres aus beiden Orden dienten etwa als Prinzenerzieher, Beichtväter und Berater nicht nur an den deutschen Fürstenhöfen. Auch bei der Heiratspolitik spielten kirchenpolitische Überlegungen eine Rolle.

Ganz wichtig waren strategische Überlegungen aber im Blick auf die Verleihung von Bistümern. Obwohl es das Tridentinum eigentlich verboten hatte, wurden viele Bistümer etwa einem einzigen Bischof in Personalunion verliehen. Dies tat man, um einem Abdriften der jeweiligen Diözesen in den protestantischen Raum zu wehren. So haben fast zweihundert Jahre lang bayerische Prinzen den ganzen nordwestdeutschen Raum als Erzbischöfe von Köln in Personalunion mit den übrigen Bistümern regiert und sie so der katholischen Kirche erhalten. Über die moralischen Schwächen dieser Bischöfe sah man in Rom dabei - um der Kirchenraison willen - großzügig hinweg.

3. Inquisition und Hexenwahn

All diese Strategien zur Wahrung der römisch-katholischen Substanz erzeugten allerdings ein immer stärker werdendes Klima von Misstrauen und Argwohn. Dies führte zu einem neuen Aufblühen der Inquisition.

Vor allem unter dem fanatischen Papst Paul IV. (1555-1559) entfaltete sie eine unheimliche Wirksamkeit. Selbst Kardinäle kamen ins Inquisitionsgefängnis und sogar Ignatius von Loyola zitterte vor Paul IV. und seinen Inquisitoren. Am furchtbarsten wüteten sie überall da, wo die Spanier herrschten.

In Deutschland richteten sich die Verfolgungen vor allem gegen die Wiedertäufer. Gerade hier ist - wie häufig bei solchen Verfolgungen - der politische Hintergrund ersichtlich. Man fürchtete die sogenannten Ketzer vor allem als sozialrevolutionäre Störenfriede.

Hass und Neid waren oftmals auch Ursachen des vor allem zur Zeit des 30jährigen Krieges aufkeimenden Hexenwahns. Doch muss man hier darüber hinausgehend eine regelrechte Massenneurose unterstellen. Katholiken und Protestanten unterschieden sich dabei in keinster Weise. Im Gegenteil, sie feuerten sich sogar gegenseitig an.

Die letzte Hexenverbrennung fand dabei - Gott sei's geklagt - erst im Jahre 1793 in Posen statt.

Maßgeblich an der Überwindung des Wahnes beteiligt war der Jesuitenpater Friedrich Spee von Langenfeld, der 1630/31 in Paderborn die Schrift "Cautio Criminalis", was soviel bedeutet wie "Vorsicht in den Kriminalprozessen", verfasste.

Der ganze Wahn, der sicher einer falsch verstandenen Religiosität entsprang, daneben aber vielfache Wurzeln hatte, ist im letzten nur als traurige Verirrung der Menschheit zu charakterisieren.

Dr. Jörg Sieger, Mannheimer Straße 54, D-76131 Karlsruhe,
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Letzte Änderung: 20. Juli 2000