Die Missionsbewegung in der zweiten Hälfte des 1. Jahrtausends

Vom benediktinischen Mönchtum gingen ganz neue Impulse für das Christentum aus.

1. Gregor der Große und die Mission der Angelsachsen durch Augustinus

Bereits unter Papst Gregor dem Großen, der von 540 bis 604 n. Chr. lebte und ab 590 die Geschicke der Kirche lenkte, können wir diese neu erwachende Bedeutung der benediktinischen Bewegung erstmals fassen.

Gregor, der zu den bedeutendsten Päpsten der damaligen Zeit gehört, überliefert uns in seinen Dialogen die Vita, die Lebensgeschichte, des Benedikt von Nursia. Schon aus diesen Zeilen lässt sich die Faszination, die das benediktinische Mönchtum auf den Papst ausübte, ablesen. Und welche Chancen er in diesen Gemeinschaften sah, kann man der Tatsache entnehmen, dass er im Jahre 596 die Mission Englands einer Gruppe von Benediktinern unter dem Mönch Augustinus anvertraute.

Augustinus wurde auf die englische Insel gesandt, um dort Klöster, christliche Gemeinschaften, zu gründen, die den Glauben vorleben und damit die einheimische Bevölkerung für die christliche Überzeugung gewinnen sollten - eine Missionsstrategie, die schon bald durchschlagenden Erfolg hatte und auch für die heutige Zeit wohl wieder ganz neuen Vorbildcharakter gewinnen dürfte.

In kleinen Zellen, die ihren Glauben überzeugend leben, liegt schließlich - wie es schon das biblische Gleichnis vom Senfkorn zum Ausdruck bringt - die eigentliche überzeugende Kraft des Christentums.

2. Die iroschottischen Wandermönche und Pirmin

Aber nicht nur vom Festland auf die englische Insel wurden damals Mönche als Missionare gesandt. Wenige Jahrzehnte nachdem Augustinus mit seiner Englandmission begonnen hatte, kamen von Irland her Mönche auf den Kontinent, um dort als Christen zu leben und den Glauben zu verkünden.

Irland war schon zu Beginn des 5. Jahrhunderts durch den römischen Bürger Patricius mit dem Christentum in Kontakt gekommen. Und nun, im 6. und 7. Jahrhundert, war der christliche Glaube dort so gefestigt, dass Mönche von der grünen Insel, die sogenannten iroschottischen Wandermönche, in nicht geringer Zahl nach Mitteleuropa zogen. Als Beispiel für diese Männer seien hier nur etwa Kolumban, Furseus und Kilian genannt.

Im 8. Jahrhundert kam dann aus Aquitanien Pirmin nach Mitteleuropa und überzog weite Teile des nachmaligen Süddeutschlands mit einer Fülle von Klostergründungen.

3. Winfrid Bonifatius

Und etwa zeitgleich mit ihm wirkte Winfrid Bonifatius, der - als Frucht der augustinischen Mission - aus Südengland stammte. Er missionierte zunächst vergeblich bei den Friesen, ging dann aber bald, nach kurzer Wirksamkeit in Thüringen, als Mitarbeiter Willibrords nach Friesland. Seit 721 wirkte er selbständig und erfolgreich unter den Hessen, wurde 722 Bischof, gründete Klöster unter anderem in Fritzlar, unter der Äbtissin Lioba in Tauberbischofsheim, ferner in Kitzingen, Ochsenfurt und Fulda und ordnete die Strukturen und Grenzen der späteren süddeutschen Bistümer. Am 5. Juni 754 erlitt der Apostel der Deutschen in Friesland den Martyrertod.

Bonifatius hinterließ eine geordnete und gestärkte Kirche im späteren Deutschland. Dies aber war eine Leistung, die nicht nur kirchenpolitische Bedeutung hatte. Bonifatius wurde auch politisch bedeutsam. Um dies nachvollziehen zu können, müssen wir noch einmal zurückblicken.

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Letzte Änderung: 19. Juli 2000