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Kreuzweg in der Fastenzeit 1997, gehalten in St. Paul

Eingangsimpuls

GL 183, 1. Strophe

Wir beginnen: "Im Namen des Vaters...
In der Begegnung mit Jesus,
in der Auseinandersetzung mit ihm,
der für uns den ersten und eigentlichen Kreuzweg gegangen ist,
finden wir uns selbst wieder.
Wir entdecken die Deutung unseres Lebens.
Im Kreuzweg finden wir das Auf und Ab,
das Kreuz und Quer unseres Lebens.
Durch Jesus Christus werden diese Stränge verbunden
und zur Mitte und zum Ziel gebracht.
Wir wollen unser Leben unter dem Blickwinkel des Kreuzes und der Passion betrachten.

GL 183,2. Strophe

Um unser eigenes Leben unter dem Blickwinkel des Kreuzes zu betrachten, greifen wir einen Punkt des Kreuzweges heraus.
Als Jesus am Kreuz hängt,
gequält und gemartert
kurz vor seinem Tod,
ruft er, so wie wir es heute morgen in der Passion nach Markus
gehört haben:
Eli, eli, lema sabachtani?
Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?
Auch wir wollen diesen Psalm nun beten und den Kehrvers miteinander singen:

GL 715

Gottverlassenheit und Heilsgewißheit
[Für den Chormeister. Nach der Weise "Hinde der Morgenröte". Ein Psalm Davids.]

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen, bist fern meinem Schreien, den Worten meiner Klage?
Mein Gott, ich rufe bei Tag, doch du gibst keine Antwort; ich rufe bei Nacht und finde doch keine Ruhe.
Aber du bist heilig, du thronst über dem Lobpreis Israels.
Dir haben unsre Väter vertraut, sie haben vertraut, und du hast sie gerettet.
Zu dir riefen sie und wurden befreit, dir vertrauten sie und wurden nicht zuschanden.
Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch, der Leute Spott, vom Volk verachtet.
Alle, die mich sehen, verlachen mich, verziehen die Lippen, schütteln den Kopf:
"Er wälze die Last auf den Herrn, der soll ihn befreien! Der reiße ihn heraus, wenn er an ihm Gefallen hat."
Du bist es, der mich aus dem Schoß meiner Mutter zog, mich barg an der Brust der Mutter.
Von Geburt an bin ich geworfen auf dich, vom Mutterleib an bist du mein Gott.
Sei mir nicht fern, denn die Not ist nahe, und niemand ist da, der hilft.
Viele Stiere umgeben mich, Büffel von Baschan umringen mich.
14 Sie sperren gegen mich ihren Rachen auf, reißende, brüllende Löwen.
Ich bin hingeschüttet wie Wasser, / gelöst haben sich all meine Glieder. Mein Herz ist in meinem Leib wie Wachs zerflossen.
Meine Kehle ist trocken wie eine Scherbe, / die Zunge klebt mir am Gaumen, du legst mich in den Staub des Todes.
Viele Hunde umlagern mich, / eine Rotte von Bösen umkreist mich. Sie durchbohren mir Hände und Füße.
Man kann all meine Knochen zählen; sie gaffen und weiden sich an mir.
Sie verteilen unter sich meine Kleider und werfen das Los um mein Gewand.
Du aber, Herr, halte dich nicht fern! Du, meine Stärke, eil mir zu Hilfe!
Entreiße mein Leben dem Schwert, mein einziges Gut aus der Gewalt der Hunde!
Rette mich vor dem Rachen des Löwen, vor den Hörnern der Büffel rette mich Armen!
Ich will deinen Namen meinen Brüdern verkünden, inmitten der Gemeinde dich preisen.
Die ihr den Herrn fürchtet, preist ihn, / ihr alle vom Stamm Jakobs, rühmt ihn; erschauert alle vor ihm, ihr Nachkommen Israels!
Denn er hat nicht verachtet, nicht verabscheut das Elend des Armen. Er verbirgt sein Gesicht nicht vor ihm; er hat auf sein Schreien gehört.
Deine Treue preise ich in großer Gemeinde; ich erfülle meine Gelübde vor denen, die Gott fürchten.
Die Armen sollen essen und sich sättigen; / den Herrn sollen preisen, die ihn suchen. Aufleben soll euer Herz für immer.
Alle Enden der Erde sollen daran denken / und werden umkehren zum Herrn: Vor ihm werfen sich alle Stämme der Völker nieder.
Denn der Herr regiert als König; er herrscht über die Völker.
Vor ihm allein sollen niederfallen die Mächtigen der Erde, vor ihm sich alle niederwerfen, die in der Erde ruhen. [Meine Seele, sie lebt für ihn; mein Stamm wird ihm dienen.] Vom Herrn wird man dem künftigen Geschlecht erzählen, / seine Heilstat verkündet man dem kommenden Volk; denn er hat das Werk getan.

Psalmdeutung

Wie oft können wir und mit dem Beter dieses Psalms identifizieren?
Auch wir haben oft das Gefühl,
von Gott verlassen zu sein.
Wie gut können wir Jesus am Kreuz verstehen.
Wie nahe ist er uns in seiner Anklage:
Mein Gott, mein Gott,
warum hast Du mich verlassen?
Jeder hat sein persönliches Kreuz:
den Tod eines nahen Menschen,
Krankheit, Schmerzen,
tiefe Ängste, Einsamkeit,
Hunger, Armut, Sorgen,
das sind unsere persönlichen Kreuze.
In diesen Momenten erfahren wir:
Mein Gott, ich rufe bei Tag,
doch Du gibst keine Antwort,
ich rufe bei Nacht und finde doch keine Ruhe.
Wir hoffen auf Gott, doch er ist scheinbar fern
und unerreichbar.
Unsere Gebete werden nicht erhört,
alles um uns herum ist schwarz.
Jesus mußte das gleiche erleben wie der Psalmist:
Meine Kehle ist trocken
du legst mich in den Staub des Todes.
Sie durchbohrten mir Hände und Füße.
Sie verteilten unter sich meine Kleider
und warfen das Los um mein Gewand
Jesus selbst fühlt sich in der Todesstunde verzweifelt und von Gott, seinem Vater, verlassen. So wie die Väter betet er: "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?"

GL183 3. Str. 

Wir spüren immer wieder:
Unser Leben verläuft nicht geradlinig.
Es gibt immer wieder Zeiten der Trauer und Einsamkeit,
der Angst und des Schmerzes.
In diesen Zeiten fühlen wir uns dem leidenden Jesus am Kreuz ganz
nah.

GL183, 4. Str.

Doch Fallen und Aufstehen,
Leid und Freude
Trauer und Hoffnung,
Kreuz und Auferstehung,
liegen ganz nah beieinander.
Jesus sah wieder Licht
und so kann ein und derselbe Psalm
auch Gott anklagen:
Mein Gott, mein Gott,
warum hast Du mich verlassen?
Und Gott gleichzeitig preisen,
da er uns von Mutterleib an geborgen hat.
Diese Momente sind seltener und kostbar,
das Leid liegt uns oft näher,
aber wir wissen uns dennoch geborgen in Gott.

Daher wollen wir nun mit Jesus beten: Vater unser

Laßet uns beten:

Herr Jesus Christus, oft sind wir selbst am Boden, wie Du es warst, richte uns wieder auf. Oft haben wir Angst, wie Du sie hattest, laß uns spüren, daß wir nicht allein sind. Oft scheint uns unser Kreuz zu schwer, hilf uns, daß wir von unseren Sorgen nicht erdrückt werden. Amen

GL183, 5. Str.

Der Herr segne uns und behüte uns, er lasse sein Angesicht über uns leuchten und sei uns gnädig. Er wende uns sein Antlitz zu und schenke uns Frieden.
Amen
Im Namen des Vaters...

(Marieluise Gallinat-Schneider)

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