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Ansprache bei der Erstkommunion am 10. April 2016 in St. Paul 

Bibelstelle:

kindgerechte Fassung von Joh 13, 1-15 aus dem Vorbereitungsheft vom Bonifatiuswerk

Es war kurz vor Jesu Tod. Jesus wusste, dass er bald sterben und zu Gott, seinem Vater, gehen würde. Daher wollte er seinen Jünger noch einmal zeigen, wie sehr er sie und alle Menschen auf der Welt liebte. Er traf sich mit seinen Freunden zu einem feierlichen Abendessen. Es war das letzte Mal, dass Jesus mit den Jüngern Brot aß und Wein trank, bevor er starb. Nach dem Essen stand Jesus vom Tisch auf. Er zog das obere von seinen beiden Gewändern aus. Dann band er sich ein Tuch aus Leinen wie eine Schürze um. Anschließend goss er Wasser in eine Schale und ging damit zu einem der Jünger. Er kniete sich vor ihn auf den Boden und begann, ihm die Füße zu waschen und sie mit dem Tuch abzutrocknen. So ging er weiter von Jünger zu Jünger und wusch jedem schweigend die Füße, eine Aufgabe, die sonst Sklaven übernahmen. Schließlich war Petrus an der Reihe. Der konnte es nicht ertragen und rief: "Jesus, was soll das? Du willst mir doch nicht allen Ernstes die Füße waschen!" Jesus gab zur Antwort: "Im Moment verstehst du noch nicht, was ich hier tue. Aber später wirst du es einmal verstehen."
Petrus aber blieb bei seiner Meinung: "Niemals, Jesus!", rief er. "Niemals sollst du mir die Füße waschen." Jesus schaute ihn an und sagte ruhig: "Petrus, wenn ich dir nicht die Füße wasche, gehörst du nicht zu mir." Das allerdings konnte Petrus auch nicht ertragen: "Dann nicht nur die Füße, Jesus. Dann wasch mir auch die Hände und das Gesicht." Jesus antwortete - vielleicht mit einem Lächeln? -: "Das ist nicht nötig, Petrus. Es reicht, wenn ich dir die Füße wasche."
Als Jesus allen die Füße gewaschen hatte, zog er das Obergewand wieder an und ging zurück zum Tisch. Da fragte er seine Freunde: "Versteht ihr, was das eben sollte? Es ist nämlich so: Ihr nennt mich Herr und Meister, und ihr habt recht damit. Das bin ich. Wenn ich euch also wie ein Sklave die Füße wasche, will ich damit ein Vorbild für euch sein. So wie ich euch liebe und euch diene, so sollt auch ihr miteinander und mit anderen Menschen umgehen."

Liebe Kinder, liebe Eltern, liebe Gemeinde,
unser Erstkommunionthema lautet "Eine Liebe, die sich gewaschen hat". Wir sehen das Plakat mit den Füßen der Kinder und ihren Fotos. Ihr alle seid bildlich um Jesus versammelt, der jemandem die Füße wäscht. Alle Kinder, auch die, die letzte Woche gegangen sind, sind hier verewigt. Wir haben am Gründonnerstag bereits über das Evangelium von der Fußwaschung gesprochen und darüber, was es bedeutet.

Wenn wir unser Plakat mit dem offiziellen Bild der Erstkommunionvorbereitung vom Bonifatiuswerk vergleichen, sehen wir einen Unterschied. Das Originalbild ist auf dem Liedblatt abgebildet. Ich bitte die Kinder nun, sich das Bild dort anzuschauen und mit unserem Plakat zu vergleichen. Was fällt Euch auf?

- Gespräch mit Kindern -

Auf dem Liedblatt seht ihr, sehen Sie, dass sogar ein Esel zum Fenster hereinschaut.
Wo taucht ein Esel in biblischen Berichten bzw. christlichen Festen sonst noch auf? Richtig, an Weihnachten haben wir den Esel an der Krippe, am Palmsonntag zieht Jesus auf einem Esel in Jerusalem ein. Nun ist es so, dass unsere Erstkommunionvorbereitung sich auch genau an diesen Eckdaten orientiert hat, wir haben im Advent begonnen, also kurz vor Weihnachten und haben die Vorbereitung selbst mit der Karwoche beendet. So haben wir den wichtigsten Teil des christlichen Jahreskreises miteinander erlebt und erfahren.
Nun hat der Maler des Bildes sicher nicht gewusst, dass für uns der Esel auch ein Zeichen für diesen Festkreis ist, der die Erstkommunionvorbereitung einschloss. Er will etwas anderes mit dem Esel ausdrücken. Jesu Liebe, die Liebe, die sich gewaschen hat, ist so groß, dass sie alle mit einbezieht. Sie umfasst die ganze Schöpfung. Auch er ist wichtig, die ganze Schöpfung ist wichtig. Er ist Teil der Fußwaschung, weil auch der Esel Teil der Liebe ist, die sich gewaschen hat. Das denke ich, will das Bild uns sagen und deutlich machen.

Wie können wir jedoch zeigen, dass wir den Satz Jesu: "Ein Beispiel habe ich euch gegeben" auch wirklich uns zu eigen machen können, wie können wir diese Liebe, die sich gewaschen hat, zeigen? Ganz sicher nicht, indem wir jetzt hier die Schuhe ausziehen und uns gegenseitig die Füße waschen! Die werden am Tag der Erstkommunion ziemlich sauber sein, so dass das kein unangenehmer Dienst ist. Habt ihr Ideen, was man zu Hause in der Familie tun kann, um den Eltern und Geschwistern und anderen Menschen, die man gern hat, seine Liebe zu zeigen?

- Gespräch mit Kindern -

Und Achtung an die Erwachsenen, passen Sie gut auf, was jetzt kommt, damit Sie im Laufe der nächsten Woche von ihren Kindern diese Dienste auch einfordern können, sie darauf verpflichten können, sich zu beteiligen.

Und nun noch eine Bitte an die Eltern. Als ihre Kinder noch ein Baby waren, haben Sie es auch in die Kirche getragen, weil sie es mit dem Wasser der Taufe waschen lassen wollten, mit dem Wasser der Liebe von Jesus. Als meine Kinder getauft wurden, haben wir den Text eines Pfarrers, der auch gedichtet hat, vorgetragen. Vielleicht kennen den von den Eltern auch einige, vielleicht ist er sogar bei der Taufe von jemand von Euch auch gelesen worden. In dem Text von Wilhelm Wilms wird der Wunsch ausgedrückt: "wir möchten nicht, dass unser kind mit allen Wassern gewaschen wird"

Auch er greift diese Redensart auf, mit allen Wassern gewaschen zu sein. Das bedeutet eher, schlitzohrig zu sein, trickreich zu sein. Aber eine Liebe, die sich gewaschen hat, ist eine Liebe, die unendlich groß ist, sich verschenkt und von Herzen kommt. Da geht es darum, mit positiven Eigenschaften ausgerüstet zu sein.

Bei Johannes spielt das Wasser oft eine große Rolle, Wasser ist in Ländern mit großer Trockenheit, mit Wüste und wenig Flüssen ein kostbares Gut. So kostbar wie das Wasser dort ist, so seid ihr auch für Eure Eltern. So kostbar sind wir auch für Gott, sind wir für Jesus. So wünsche ich Ihnen als Familien, dass diese Liebe, die in der Taufe ihren Anfang nahm, jetzt durch den Empfang der Eucharistie, in der Jesus sich uns ganz öffnet, in der er mit all seiner Liebe in uns eindringt, noch intensiver wird. Alle sind wichtig, Menschen und Tiere. Sie haben viel für ihr Kind erhofft und erbeten und tun dies auch jetzt noch. Es sollte jedoch nicht nur um gute Schulabschlüsse, einen guten Weg in den Beruf und den Weg zu einem selbständigen Leben gehen, sondern auch um die Hoffnung, dass unsere Kinder fähig sind und werden, zu lieben, mit anderen zu leiden, anderen zu helfen und auch mal Dienste für andere zu übernehmen, auch Dinge, die wie die Fußwaschung, unangenehm sein können.

So wünsche ich ihrem Kind an diesem Festtag heute:

wir möchten dass es mit dem wasser der gerechtigkeit
mit dem wasser der barmherzigkeit
dem wasser der liebe und des friedens
reingewaschen wird […]
wir möchten
selbst das klare lebendige wasser für es werden
und sein jeden tag
wir hoffen und glauben
dass auch unsere gemeinde in der wir leben
und die kirche zu der wir gehören
für unser kind das
klare - kostbare - lebendige
wasser der gerechtigkeit
der liebe und des friedens ist

Amen.

(Marieluise Gallinat-Schneider)

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