Zurück zur StartseitePredigten, Gottesdienste und Vorträge

Predigt zum Evangelium Mt 1,18-25, gehalten im Familiengottesdienst zum 4. Advent mit den Kommunionkindern  in St. Peter

Bibeltext (Die Geburt Jesu, Mt 1,18-25)

Mit der Geburt Jesu Christi war es so: Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt; noch bevor sie zusammengekommen waren, zeigte sich, daß sie ein Kind erwartete - durch das Wirken des Heiligen Geistes. Josef, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, beschloß, sich in aller Stille von ihr zu trennen. Während er noch darüber nachdachte, erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sagte: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist. Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen. Dies alles ist geschehen, damit sich erfüllte, was der Herr durch den Propheten gesagt hat: Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, einen Sohn wird sie gebären, und man wird ihm den Namen Immanuel geben, das heißt übersetzt: Gott ist mit uns. Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich.
Er erkannte sie aber nicht, bis sie ihren Sohn gebar. Und er gab ihm den Namen Jesus.

"Josef - der Mann, der auf Träume achtet", so lautet ein Text des evangelischen Theologen Jörg Zink. Als ich diese Überschrift las, dachte ich zunächst, welchen Josef meint der denn? Denn wir haben im Alten Testament die Erzählung von Josef und seinen Brüdern. Dieser Josef wird nach Ägypten verschleppt und verhaftet. Doch dann werden zwei königliche Beamte zu ihm ins Gefängnis geworfen und unterhalten sich über ihre Träume. Sie sind traurig, weil niemand ihre Träume deuten kann. Josef sagt: Ist nicht das Träumedeuten Sache Gottes? Er erklärt ihnen mit Gottes Hilfe ihre Träume so gut, dass er später zum Traumdeuter des Pharao wird, also ein Mann, dessen Freiheit davon abhängt, dass er auf Träume achtet. Aber es gibt da ja noch einen zweiten Josef in der Bibel, im Neuen Testament und dem muss mit einigen Träumen auf die Beine geholfen werden. Eine dieser Traumstellen haben wir soeben im Evangelium gehört. Josef hatte die Entscheidung getroffen, dass er sich klammheimlich aus dem Staub machen wollte, um Maria nicht bloßzustellen. Denn stellen wir uns das mal vor, für die damalige Zeit war es eine undenkbare Situation. Maria ist mit Josef verlobt und wird plötzlich ohne sein Zutun schwanger. Also will er sie heimlich verlassen. Und nun kommt ein Engel. Er erscheint ihm im Traum. Josef soll seine getroffene Entscheidung revidieren. Er soll zu Maria stehen, er soll sich offen zu ihr bekennen und er soll dem Engel auch noch glauben, dass das Kind ein Kind Gottes ist.

Ich kann mir vorstellen, dass Josef in der Nacht ganz schön mit sich gerungen hat. So einfach wie es im lapidaren Satz des Evangeliums heißt, "Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich", war es mit Sicherheit für ihn nicht.

Wir kennen die Situation alle, wir haben ein riesiges Problem, das uns den Schlaf raubt. In der Bibel jedoch kommen dann oft Träume ins Spiel, in denen die Menschen Klarheit bekommen. Das wünsche ich mir auch. Im Matthäusevangelium handelt der Beginn gleich von vielen Träumen, da ist erst Josef, der Maria durch seinen Traum dann doch als seine Frau anerkennt und das Kind gleich mit, da ist der Traum der Sterndeuter, die nicht wieder zu Herodes zurückkehren, nachdem sie beim Jesuskind waren, weil der es umbringen will, da träumt Josef, dass er Maria und Jesus nach Ägypten schaffen muss, damit das Kind nicht umkommt und die Rückkehr wird ihnen auch im Traum angekündigt, so dass sie sicher durch alle brenzligen Situationen am Lebensbeginn Jesu kommen.

Im Sommer stand ich wieder in Autun vor der Säule auf der die 3 Sterndeuter im Schlaf liegen und sanft von Gottes Engel berührt werden. Wie gern würde ich bei schwierigen Entscheidungen oder vor Katastrophen auch einen Engel an meiner Seite haben, der mich sanft berührt, der mir hilft, der mich warnt und die Gefahr bannt oder mir eingibt, wie ich mich zu verhalten habe. Aber so was passiert nur in der Bibel nicht im wirklichen Leben.

Oder bin ich vielleicht nur nicht geübt im Träumedeuten? Bin ich nicht wie der andere Josef, der versteht, was diese uns sagen wollen? Wenn Josef, der aus dem Alten Testament sagt, das Träumedeuten sei Sache Gottes, dann ist es also nicht nur so, das Gott die Engel als Boten schickt, dass es Gottes vergessene Sprache ist, die uns im Traum durch Engel erscheint und die uns leiten will, sondern das wir Gott dann auch benötigen, um das, was er uns da sagen will, zu verstehen.

Wie wach muss ich im wirklichen Leben sein, um die Träume zu verstehen? Ja, dieser Widerspruch scheint in der Tat dazu zu gehören, wir träumen während des Schlafens, aber wir müssen dabei quasi "wach" für unsere Träume sein. Ich weiß, als Kind hatte ich sehr intensive Träume und konnte mich meist morgens gut daran erinnern, manche waren wunderschön, manche haben mir große Angst gemacht. Da wir ja heute viele Kinder, auch viele Kommunionkinder hier haben, kann ich Euch ja mal fragen, ich weiß nicht, ob ihr mir dies bestätigen könnt, ob ihr Euch beim Aufwachen gut an Träume erinnern könnt. Ihr könnt ja mal kurz einen Moment innehalten und Euch überlegen, ob ihr Euch erinnern könnt.

Heute passiert mir das nur noch im Urlaub und sonst an ganz wenigen Tagen. Ich habe festgestellt, je mehr Stress ich habe, je mehr mich der Alltag gefangen hält, desto weniger erlebe ich meine Träume tatsächlich. Erst wenn ich einige Tage im Urlaub bin, weiß ich morgens wieder, was und das ich geträumt habe!

Das bedeutet, für unsere Träume brauchen wir eine bestimmte Wachheit, unser Geist darf nicht völlig besetzt von anderen Dingen sein. So ist das auch mit allem, was Gott in unserem Leben bewirkt. Nicht umsonst gehen Menschen in die Wüste, um Gott zu erfahren. In unserem Trubel und der Hektik hat Gott ja gar keinen Platz und keine Chance zu wirken. Wenn er uns wirklich Engel schicken würde, die uns im Traum einen Weg zeigen, wer von uns würde das denn bemerken? Wie wach oder sagen wir besser wie aufmerksam für unsere Träume, für Winke des Himmels sind wir überhaupt?

Ich denke, auch an uns ergehen manchmal Weisungen, die wir nicht wahrnehmen, weil wir mit etwas anderem beschäftigt sind. Auch in unseren Sorgen sind wir oft so gefangen, dass es fast unmöglich wäre, da mit einer Weisung, die uns aus dieser Situation herausführen könnte, hindurchzudringen. Unser Wunsch, Probleme mit Hilfe von Gott und seinen Engeln zu lösen, ist also möglicherweise sogar realisierbar und wir stehen uns dabei nur selber im Weg, indem wir nicht die nötige Ruhe und Aufmerksamkeit haben, um das, was uns gesagt werden soll, auch wirklich zu hören. Achten wir darauf, was in uns geschieht, wo in uns etwas geweckt wird. Vielleicht müssen wir dann nicht nur davon träumen, dass in Träumen auch bei uns etwas passiert. Amen.

(Marieluise Gallinat-Schneider)

zum Seitenanfang