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Ansprache zum Totengedenken an Allerheiligen (1. November 2012) um 15 Uhr in der Pfarrkirche St. Peter

Lesung: (Römer 8, 18-30)
Die Hoffnung auf die Erlösung der Welt: 8,18-30
Ich bin überzeugt, daß die Leiden der gegenwärtigen Zeit nichts bedeuten im Vergleich zu der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll. Denn die ganze Schöpfung wartet sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Söhne Gottes. Die Schöpfung ist der Vergänglichkeit unterworfen, nicht aus eigenem Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat; aber zugleich gab er ihr Hoffnung: Auch die Schöpfung soll von der Sklaverei und Verlorenheit befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, daß die gesamte Schöpfung bis zum heutigen Tag seufzt und in Geburtswehen liegt. Aber auch wir, obwohl wir als Erstlingsgabe den Geist haben, seufzen in unserem Herzen und warten darauf, daß wir mit der Erlösung unseres Leibes als Söhne offenbar werden. Denn wir sind gerettet, doch in der Hoffnung. Hoffnung aber, die man schon erfüllt sieht, ist keine Hoffnung. Wie kann man auf etwas hoffen, das man sieht? Hoffen wir aber auf das, was wir nicht sehen, dann harren wir aus in Geduld. So nimmt sich auch der Geist unserer Schwachheit an. Denn wir wissen nicht, worum wir in rechter Weise beten sollen; der Geist selber tritt jedoch für uns ein mit Seufzen, das wir nicht in Worte fassen können. Und Gott, der die Herzen erforscht, weiß, was die Absicht des Geistes ist: Er tritt so, wie Gott es will, für die Heiligen ein. Wir wissen, daß Gott bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten führt, bei denen, die nach seinem ewigen Plan berufen sind; denn alle, die er im voraus erkannt hat, hat er auch im voraus dazu bestimmt, an Wesen und Gestalt seines Sohnes teilzuhaben, damit dieser der Erstgeborene von vielen Brüdern sei. Die aber, die er vorausbestimmt hat, hat er auch berufen, und die er berufen hat, hat er auch gerecht gemacht; die er aber gerecht gemacht hat, die hat er auch verherrlicht.

Liebe Gemeinde,
who wants to live forever? So fragt die Gruppe Queen in einer ihren schönen Rockballaden, die der Soundtrack für den Film Highlander war. Der Highlander, dieser Filmheld, ist unsterblich, wie es Götter und Helden in Filmen ja oft. Seine Frau jedoch muss sterben, das Lied besingt, dass die Liebe stirbt, die Träume sterben, es besteht scheinbar keine Chance für die beiden. Aber dann ist da ein Hoffnungsschimmer, die Liebe bleibt vielleicht für immer?

Dieses Lied passt zum heutigen Tag, zu Allerheiligen, aber selbst zu Halloween, diesem scheinbar heidnischen Fest, das eine Nacht der Untoten feiert, dessen Ursprung ja eigentlich vom Abend aller Heiligen aus dem Irischen stammt und von den Auswanderern mit nach Amerika gebracht wurde. Da mischten sich keltische und katholische Bräuche. Aber am Anfang stand sicher mal die Sorge um den Verbleib der Toten im Mittelpunkt, die Frage, was mit ihnen geschieht. Die Vorstellung, dass Menschen vielleicht nicht von ihrem Leben erlöst werden, weil es darin vieles gab, was falsch lief, hat die Angehörigen geplagt. Diese Angst vor dem, was nach dem Tod passiert, führte sicher auch mit zum Wunsch nach unendlichem Leben. Wir wissen halt nicht, was danach kommt.

Möchte ich unsterblich sein? Wenn ich mir anschaue, was uns hier auf Erden so alles erwartet, dann möchte ich zumindest nicht auf ewig ein Dasein hier auf Erden fristen. Es geht nicht um Todessehnsucht, aber manchmal mutet uns das Leben ganz schön viel zu. Wir haben Sorgen um unseren Arbeitsplatz, um unsere Kinder, jungen Menschen wird in Schule und Studium ganz schön viel abverlangt, Krankheiten plagen uns oft ganz unvermittelt und machen uns das Leben schwer, wir haben Verluste zu verkraften, Trennungen und Tod von lieben Menschen. Ich denke, Sie alle haben dieser Aufzählung noch einiges hinzuzufügen oder denken nun an die Dinge, die Ihnen in diesem Jahr das Leben schwer gemacht haben.
Wenn wir beim Bild der Musik bleiben, ist uns da oft Bachs Kantate "Ich habe genug" sehr viel näher als der Wunsch unendlich zu leben. Es gibt Momente in denen das Gefühl da ist, es reicht, mehr kann ich nicht tragen. Und dann Leben für immer?

Aber da ist auch das Gegenteil. Wie eingangs schon gesagt wir lesen oft Bücher oder sehen Filme, in denen die Helden unsterblich sind, nicht nur Vampirfilme haben momentan Hochkonjunktur, auch Harry Potter über dessen Tod die Engländer Wetten abgeschlossen hatten, durfte am Ende nach einem Nahtoderlebnis doch noch die Welt retten. Scheinbar sehnen wir uns nach einem Happy End ohne Sterben. Es gibt wohl zwei Seiten der Medaille, unendliches Leben erscheint uns manchmal erstrebenswert, manchmal als Last. Zum Leben gehören Momente, die unerträglich sind, die uns das Dasein schwer, ja fast unmöglich machen, aber andererseits möchten wir das Leben festhalten, weil so es schön sein. Denken wir an Goethes Ausspruch "Augenblick Du bist so schön". Dann haben wir den Himmel auf Erden. Aber wir wissen, diese Momente sind nur von kurzer Dauer. Es kann urplötzlich leidvoll werden, es kann zu Abschieden kommen, die unendlich schmerzen. Die Begrenzung unseres Lebens durch den Tod führt zu Trauer, zu Verlusten, die weh tun. Daher wünschen wir uns, dass es nie aufhört.

Wir leben mit einer Begrenzung, mit dem Wissen um Endlichkeit in all unserem Tun. Manchmal leben wir jedoch, als gebe es kein Ende, verdrängen die zeitliche Befristung. Aber immer wieder müssen wir uns die Endlichkeit ins Bewusstsein rufen. Wir sollten mit unseren Lieben und der Zeit, die gut ist, behutsam umgehen, es als Schatz hüten, es ist kostbar, weil nicht unendlich.

Im Römerbrief beschreibt Paulus die Schöpfung, die noch in Geburtswehen liegt, noch ist Gottes siebter Tag nicht erreicht, wir sind erst am sechsten Schöpfungstag angelangt. Noch gibt es kein Ausruhen, keine Freiheit, noch leiden wir Menschen. Aber wir leben in der Hoffnung, Hoffnung auf Besserung. Wir haben die Verheißung, Gott führt bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten. Wir sind dazu bestimmt, an Wesen und Gestalt seines Sohnes teilzuhaben.

Wenn dies unsere Hoffnung ist und ewiges Leben bei Gott unser Ziel, dann wollen wir vielleicht doch für immer leben. Allerdings weiß niemand von uns, wie dieses Leben aussieht. Niemand weiß, was uns erwartet. Vielleicht muss Liebe hier dann doch nicht sterben, weil sie auf Ewigkeit ausgerichtet ist. Wie heißt es im Römerbrief so schön, wie kann man auf etwas hoffen, dass man sieht. Also hoffen wir auf das, was wir nicht sehen. Hoffen wir auf Erlösung, auf Unsterblichkeit und ewiges Leben, auch wenn das, was uns erwartet, unvorstellbar ist. Alles, was wir uns nicht vorstellen können, erzeugt auch Ängste.

Deswegen ist es jedoch nicht unmöglich. Nur weil es unsere Dimensionen übersteigt, dürfen wir dennoch hoffen auf ewiges Leben. Wir dürfen dann doch sagen, ich will für immer leben, aber nicht so, wie hier auf Erden. Was auch immer uns im Jenseits erwartet, es ist Trost für unsere diesseitigen Erfahrungen. Amen.

(Marieluise Gallinat-Schneider)

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