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Predigt gehalten am 21. Mai, in der Vorabendmesse zum 5. Sonntag der Osterzeit in St. Peter

Lesung: 1 Petr. 2, 4-9
Kommt zu ihm, dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen, aber von Gott auserwählt und geehrt worden ist. Laßt euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen, zu einer heiligen Priesterschaft, um durch Jesus Christus geistige Opfer darzubringen, die Gott gefallen. Denn es heißt in der Schrift: Seht her, ich lege in Zion einen auserwählten Stein, einen Eckstein, den ich in Ehren halte; wer an ihn glaubt, der geht nicht zugrunde. Euch, die ihr glaubt, gilt diese Ehre. Für jene aber, die nicht glauben, ist dieser Stein, den die Bauleute verworfen haben, zum Eckstein geworden, zum Stein, an den man anstößt, und zum Felsen, an dem man zu Fall kommt. Sie stoßen sich an ihm, weil sie dem Wort nicht gehorchen; doch dazu sind sie bestimmt. Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde, damit ihr die großen Taten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat.

Liebe Gemeinde,

vor 14 Tagen haben wir hier in St. Peter Erstkommunion gefeiert und hatten das Thema Steine. Für die Eltern ist es oft so, das Wichtigste an der Vorbereitung ist das Thema. Da werden dann Bastel- und Fotoaktionen für den Vorstellungsgottesdienst gestartet, die Tischdeko für die Feier zu Hause und die Einladungskarten werden passend zum Thema gekauft, gebastelt und designed.

Auch der Gottesdienst selbst wird "durchgestylt" - vom Titelbild über Gebete, Lieder und Geschichten. Mittlerweile habe ich viele Anfragen aus ganz Deutschland von Katechetinnen und Eltern, aber auch Kolleginnen für diese Gottesdienstabläufe. Bei vielen Pfarrern kommt jedoch Widerstand auf, Thema der Erstkommunion sei Erstkommunion, also Feier der Eucharistie. Und das ist auch gut so, und es ist auch kein Widerspruch, denn dieses Fest darf unter einem Motto stehen, das zum Thema hinführt. Es muss ja nicht vom eigentlichen ablenken.

Manche denken jetzt sicher, warum erzählt sie so ausgiebig davon. Ganz einfach, als die Eltern von St. Peter mir das Thema "Steine" vorschlugen, konnte ich zunächst wenig damit anfangen. Klar, ich habe schon Bußgottesdienst mit Steinen gemacht, aber sonst? Dann kam jedoch der Vorschlag, als Bibelstelle den Text aus dem Petrusbrief, also die heutige Lesung, von den lebendigen Steinen zu nehmen. Sofort dachte ich an das Lied: "Lasst uns lebendige Steine sein, die deine Kirche bauen, füge in deinen Leib uns ein, lass deiner Macht uns trauen. Du bist der Eckstein, du bist die Kraft, die unser Leben bindet. Gib deinen Geist, der neu uns schafft, der unser Herz entzündet." Ja, das ist für mich Erstkommunion, die Kinder als lebendige Steine eingefügt in Jesu Leib. Dieses Bild gefällt mir. Schön, dass wir dieses Wochenende diesen Text als regulären Lesungstext haben und daher Zeit haben, ihn noch intensiver zu betrachten. Jesus als lebendiger Stein und die Kirche , wir Christinnen und Christen ebenso als lebendige Steine. Nicht nur Petrus der Fels, sondern eine Gemeinde, eine Gemeinschaft aus lebendigen Steinen, die, wie es im Lied heißt, die Kirche bauen. An der Kommunion hatten wir das bekannte und wunderschöne Bilderbuch von Mats und den Wundersteinen nacherzählt. Die Kinder mahnten an, dass lebendige Steine der Kirche Jesu Christi verantwortlich mit der Schöpfung und der Umwelt umgehen müssen. Durch die Ausbeutung der Bodenschätze stürzte in der Geschichte der Inselberg ein, der geplündert und seiner Schätze beraubt wurde.

Wenn ich jedoch die Steine selbst zum Vergleichsobjekt mache, nicht die Mäuse der Geschichte, so habe ich mich schon während der Kommunion gefragt, was dann? Dann können diese lebendigen Steine, also Christinnen und Christen, indem sie sich bewegen, den Fels zum Einsturz bringen. Ein Bild, das es in sich hat, denn es ist ungewiss, ob es diese Kirche, die die Kinder im Lied besungen haben, in Zukunft so noch gibt, ob diese Kirche, aus lebendigen Gemeinden, in den immer größer werdenden Einheiten nicht verschwindet, ob diese bunte Vielfalt aus lebendigen Steinen nicht aufhört zu existieren, weil keiner sie begleitet und damit die Eltern, die sich kreativ einbringen und sich ein Thema für die Feier ihrer Kinder überlegen und sich gemeinsam mit den Kindern im Lesen der Texte einbringen, einfach resignieren und nichts mehr machen werden? Dann haben die Kritiker ihre genormten Gottesdienste, in denen sich sklavisch an das Messbuch und die Tagestexte gehalten wird.

Für mich jedoch ist es gut und soll so sein, dass die Kommunionkinder als neue, lebendige Steine zur vollen Mahlgemeinschaft dazu kommen und die Priesterschaft aller bereichern. Diese besteht aus Ministrantinnen und Ministranten, Lektoren und Kommunionhelferinnen, Familienkreisen, Kinderkirche, Alten und Jungen als lebendige Gemeinschaft, die um den Altar zusammenkommt. Solche sonntäglichen Feiern, in denen wir alle zusammenkommen, uns in unserem allgemeinen Priestertum an der Feier beteiligen und uns um den Eckstein Jesus Christus versammeln, das ist für mich das Zentrale unseres Glaubens. Petrus zieht hier den Vergleich zum alten Testament, wo sich das Volk am Sinai versammelte, sich aber Gott nicht nähern durfte. Jesus ist nahe, er ist mitten unter uns, er ist nicht mehr der unnahbare, distanzierte Gott. Gerade diese Bilder vom Altar, der nicht der Opferblock ist, der Felsklotz, sondern der Tisch, an dem sich die Menschen zum gemeinsamen Mahl versammeln, sind seit dem 2. Vaticanum die Bilder, die uns die Eucharistiefeier nahebringen.

So haben wir das Thema dieses Jahr verstanden und so hat dieses Thema ganz viel mit Erstkommunion zu tun und ist nicht nur einfach so gewählt. Es ist ein Thema, das ganz wichtig ist, denn oft scheint es, als ob die lebendigen Steine des Anstoßes, die Petrus benennt, eher stören, als ob man lieber massive Felsblöcke will, die sich nicht bewegen. Den Christen, die Stein des Anstoßes sein wollen und sollen, werden noch Steine in den Weg gelegt, wenn sie beim Aufbau dieses Hauses aus lebendigen Steinen helfen und mitarbeiten wollen. Steine aus Vorschriften, Gesetzen und Zwängen, die nicht mehr verstanden werden, werden da zu Stolpersteinen. Wenn es da heißt, ihr dürft den Gottesdienst nur so aber nicht anders machen, dann wird das nicht verstanden. Wenn Gebete eine verständliche Sprache haben, Bibeltexte aus der guten Nachricht ausgewählt werden dürfen und vieles eben eher dem Lebensgefühl der Menschen heute entspricht, dann darf dies nicht verhindert werden, nur weil wir feste Riten und Abläufe haben. Ich möchte dabei helfen, Stolpersteine aus dem Weg zu räumen und die Straße mit lebendigen Steinen zu pflastern, egal wie unruhig, unbequem und bunt Kirche und Gottesdienst dann sind.

Beim Propheten Jesaja, der diese Stelle vom Eckstein verkündet, die Petrus wiederum zitiert, ist der Glaube das Fundament, das gelegt wird. Der Glaube kann ein Fundament sein, eine Basis, um darauf aufzubauen, ein Fundament, das zum Leben hilft, ein Glaube, der hilft als lebendiger Stein an dieser Kirche mitzubauen, wenn es andere Menschen gibt, die begleiten, die nicht ausgrenzen, die mithelfen, dass sich alle angenommen fühlen, ihren Platz in diesem Haus finden dürfen und dabei auch Raum finden, um sich selbst auszuprobieren und mit ihren Fragen und ihrer Kritik angenommen sind. Wenn Gottes Geist wie im Lied von den lebendigen Steinen wehen darf und dieses nicht verhindert wird, wenn lebendige Steine und nicht Felsen unser Bild von Kirche prägen, dann kann dieses Thema der Erstkommunionvorbereitung tatsächlich ein Motto für unsere Gemeinde sein. Amen.

(Marieluise Gallinat-Schneider)

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