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Predigt am 31. Oktober um 10.15 Uhr in St. Peter

1. Lesung Weish 11, 22 - 12, 2

22 Die ganze Welt ist ja vor dir wie ein Stäubchen auf der Waage, wie ein Tautropfen, der am Morgen zur Erde fällt.
23 Du hast mit allen Erbarmen, weil du alles vermagst, und siehst über die Sünden der Menschen hinweg, damit sie sich bekehren.
24 Du liebst alles, was ist, und verabscheust nichts von allem, was du gemacht hast; denn hättest du etwas gehaßt, so hättest du es nicht geschaffen.
25 Wie könnte etwas ohne deinen Willen Bestand haben, oder wie könnte etwas erhalten bleiben, das nicht von dir ins Dasein gerufen wäre?
26 Du schonst alles, weil es dein Eigentum ist, Herr, du Freund des Lebens.
121 Denn in allem ist dein unvergänglicher Geist.
2 Darum bestrafst du die Sünder nur nach und nach; du mahnst sie und erinnerst sie an ihre Sünden, damit sie sich von der Schlechtigkeit abwenden und an dich glauben, Herr.

Evangelium Lk 19, 1-10

Jesus im Haus des Zöllners Zachäus: 

Dann kam er nach Jericho und ging durch die Stadt.
2 Dort wohnte ein Mann namens Zachäus; er war der oberste Zollpächter und war sehr reich.
3 Er wollte gern sehen, wer dieser Jesus sei, doch die Menschenmenge versperrte ihm die Sicht; denn er war klein.
4 Darum lief er voraus und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum, um Jesus zu sehen, der dort vorbeikommen mußte.
5 Als Jesus an die Stelle kam, schaute er hinauf und sagte zu ihm: Zachäus, komm schnell herunter! Denn ich muß heute in deinem Haus zu Gast sein.
6 Da stieg er schnell herunter und nahm Jesus freudig bei sich auf.
7 Als die Leute das sahen, empörten sie sich und sagten: Er ist bei einem Sünder eingekehrt.
8 Zachäus aber wandte sich an den Herrn und sagte: Herr, die Hälfte meines Vermögens will ich den Armen geben, und wenn ich von jemand zu viel gefordert habe, gebe ich ihm das Vierfache zurück.
9 Da sagte Jesus zu ihm: Heute ist diesem Haus das Heil geschenkt worden, weil auch dieser Mann ein Sohn Abrahams ist.
10 Denn der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.

Liebe Gemeinde,
Zachäus ist sicher eine der bekanntesten Gestalten aus dem Neuen Testament! Wer mal Religionsunterricht hatte oder in der Kommunionvorbereitung war, hat mit diesem Menschen Kontakt gehabt. Eine nette Geschichte, mit der man Kindern von Jesus erzählt! Oder aber, auch eine nette Geschichte, in der ein Mensch sich ändert, also ein Bericht, der für die Bußerziehung von Kommunionkindern genauso unerlässlich ist wie der verlorene Sohn.

Ein Zollpächter, der sehr reich ist und das Geld nicht ordnungsgemäß abgibt, sondern einen Teil in die eigene Tasche wirtschaftet, lässt mich heute an die Finanzgebaren in Deutschland denken. Er musste damals den Römern die gesamten Steuern vorab zahlen, dann konnte er durch Zölle das Geld wieder rein holen und sehen, was er davon für sich abzweigte, eine Praxis, bei der Betrug und Tricksen vorprogrammiert waren.

Dadurch war Zachäus reich geworden, aber aufgrund seiner Allianz mit den Römern bei seinen eigenen Landsleuten verhasst und vom Gottesdienst ausgeschlossen. Auch heute sind viele Menschen auf Kosten anderer reich geworden, weil die großen Betriebe stärker von Steuern und Abgaben entlastet werden, als die Menschen, die normale Einkommen haben. Von dem, was die Banken in den letzten Jahren getrieben haben, ganz zu schweigen! Von abzweigen von Geldern, tricksen und betrügen können wir heute auch ein Lied singen. Der Volkszorn kocht auch bei uns und das sicher zu recht!

Aber der biblische Bericht geht nicht nur auf diesen Aspekt ein, es geht nicht nur darum, dass Zachäus ein Sünder ist, der bereit ist, sich zu ändern. Das Volk hat getobt, weil Jesus ausgerechnet bei diesem reichen Betrüger zum Abendessen war, nicht bei den guten Gemeindemitgliedern und ich bin mir ziemlich sicher, dass wir auch heute noch, mich eingeschlossen, so reagieren, wenn Jesus sich ausgerechnet bei so jemandem einladen würde. Es ist eine Geschichte, die sich nicht nur zwischen Jesus und dem Sünder abspielt, sondern auch die Gesellschaft vor Ort einbezieht.

Dieser kleine Mann Zachäus war sicher schon vor Jesu Besuch in Jericho entschlossen, etwas zu ändern, sonst wäre er vermutlich nicht auf den Baum gestiegen, um Jesus zu sehen, daher ließ er sich auch von Jesus ansprechen. Daher ist die Geschichte so schön und auch so passend für einen Sonntag mit vier Taufen, für einen Tag, an dem um es die Aufnahme von mehreren kleinen Menschen in die Gemeinschaft geht. Aber machen wir Großen nicht den Fehler, sie allzu verklärt zu sehen, sondern sehen wir auch unseren Anteil an Gerechtigkeit und Vergebung, indem wir uns klar machen, dass Jesus alle an einen Tisch geladen hat, eben auch die Sünder. Es geht hier nicht nur um Zachäus und seine Bereitschaft, sich zu ändern, sondern auch darum, dass die anderen akzeptieren, dass da einer kommt, der wieder dazugehören will. Das gelingt nur, wenn wir nicht selbstgerecht entscheiden, wer dazu gehören darf und wer nicht und auch offen sind, Menschen, die gescheitert sind, anzunehmen. Amen.

Fürbitten für den 31.10.10:

P: Im Vertrauen darauf, dass Gott und erhört, tragen wir unsere Anliegen vor ihn:

V: Guter Gott viele Menschen gehen auch heute mit dem Geld anderer Menschen nicht vertrauensvoll um und tricksen und betrügen. Hilf ihnen, ihre Fehler zu erkennen.
A: Wir bitten Dich, erhöre uns.

V: Guter Gott wir wollen für die Menschen beten, die ausgebeutet werden, die ihr Geld verloren haben, die um ihre Existenz bangen.
A: Wir bitten Dich, erhöre uns.

V: Guter Gott, heute am Reformationstag erkennen wir besonders betrüblich, dass wir Christen bei Jesu Mahl immer noch getrennt sind. Wir wollen diese schmerzliche Trennung in Konfessionen überwinden. Hilf uns dabei.
A: Wir bitten Dich, erhöre uns.

V: Guter Gott, Amelie, Benedikt, Emma und Finn wurden heute als Neugetaufte in unsere Gemeinschaft aufgenommen. Begleite sie mit Deinem Segen.
A: Wir bitten Dich, erhöre uns.

V: Guter Gott, nimm unsere Toten auf zum Gastmahl ewigen Lebens.
A: Wir bitten Dich, erhöre uns.

P: Guter Gott, erhöre unsere Bitten, auch die, die wir in unserem Herzen tragen und wandle sie durch Christus unseren Herrn. Amen.

(Marieluise Gallinat-Schneider)

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