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Paulusseminar am 12./13. März 2010 in St. Anton und St. Peter

Ablauf:

Freitag, 12.3. Beginn mit dem Gottesdienst um 19 Uhr in der Antoniuskirche
Im Anschluss Treffen im Bernhardussaal:

Einführung ins Thema anhand Präsentation (Jörg)

siehe auch: http://www.joerg-sieger.de/einleit/nt/04paul/nt_e4.htm

Versuch einer Biographie/Chronologie aufgrund der Angaben in Apostelgeschichte und den Informationen aus den Briefen. wichtigster Fund,  eine in neutestamentlichen Kreisen sehr bekannte Inschriften die sog. GallioInschrift; aus Delphi mit dem Hinweis, dass. Gallio Prokonsul in der Achaia ist, ein Amt, das man für ein Jahr innehatte. Sie wird auf 51 / 52 n. Chr  datiert. Diese Jahreszahlen sind sicher belegt und ein wichtiger Aufhänger der Pauluschronologie, wir entwickeln aus allen Infos die Reisen und die vermuteten Briefe, am Ende ist klar, es gibt mehr Briefe aus bestimmten Orten, die wir in der Bibel finden, aber dafür fehlen andere ganz

Samstag, 13.3. Beginn um 9 Uhr mit Frühstück
ca 10 Uhr Arbeitsbeginn im Plenum, Erklärung des Verlaufs am Samstag
10.30 Uhr bis 11.30 Uhr Kleingruppen Wir spielen Paulusschule und versuchen, die Briefe zu erstellen:

Wir haben am Freitag gesehen, dass die Briefe, die in der Bibel zu finden sind, nicht identisch mit dem sind, was wir durch die Reisen an Informationen über mögliche Briefe haben. Wir wollen uns den Briefen daher noch mal genauer widmen.
Wir spielen Paulusschule und erinnern uns an das Bibelseminar. Was benötigen wir für die kritische Auseinandersetzung:

zur Textkritik
Das älteste Paulusfragment ist ein Papyrus, das zwischen 175-225 n.Chr. verfasst wurde. Es ist das sogenannte Papyrus 46 http://de.wikipedia.org/wiki/Papyrus_46

zur Gattungskritik:
Es handelt sich um Briefe. Briefe bestanden aus:
· Anrede
· Danksagung
· Briefkorpus
· Doxologie/Segen
· Absender/Gruß
Anrede und Danksagung bilden das Praescript, dann kommt der Hauptteil, Doxologie und Absender sind das Postscript. Im semitisch-orientalischen Raum ist das Praescript zweigeteilt, so arbeitet auch Paulus.

Redaktionskritik:
Rudolf Pesch geht davon aus, dass es aufgrund von Doppelungen in den Briefen möglich ist, dass mehrere in einem versteckt sind, z.B. Thes 2,13 wieder Dank, vielleicht Teil eines zweiten Briefes? Dies nennt man Teilungshypothese.
Aufgrund dieser Theorie sollen sich 3 Gruppen mit Thessaloniker, Korinther, und Philipper beschäftigen. Es gibt die kompletten Briefe ohne Verse, sie sollen auf Signalworte wie Gruß, Dank, Segen etc untersucht werden, auch auf Doppelungen. Dann sollen die Teile auseinandergeschnitten und neu zusammengesetzt werden. Kontrolle durch die gelben Blätter, auf denen die Verse nach der Teilungshypothese zusammengestellt sind. Am Ende hilft auch die Bibel.
Galater, Römer und Philemon sind ziemlich authentisch.
Bei den Briefen, die nicht zum Corpus Paulinum gehören, kann man feststellen, wo abgeschrieben wurde, im Kolosserbrief findet sich Philemon! Hebräer ist kein Brief, gehört auch nicht zur Paulusschule, auch Epheser, Titus und Timotheus sind keine Paulusbriefe, die letzten 2 richten sich auch gar nicht an Gemeinden. Warum machte man so etwas?

12.00 Uhr Die Frage nach der Fortsetzung der Arbeit in der Schule -> Deuteropaulinen - Plenum

Thesen:
· mehr Gewicht, wenn Berufung auf Paulus (siehe Hirtenbriefe, die nicht der Bischof schreibt)
· Paulusschule empfand sich als echte Nachfolge und fand es normal, in seinem Namen weiterzuschreiben (siehe Malschulen bei berühmten Künstlern)
· als Paulus starb, waren Briefe Reliquien und wurden getauscht, neu zusammengestellt etc. Alles, was aus einer Gemeinde kam, wurde zusammengefasst.

dort auch Einteilung für Gruppen nach dem Mittagessen
13 Uhr Mittagessen

14-15.30 Uhr Treffen in Kleingruppen
4 Themen:

15.30 Uhr Kaffeepause

16.-17.30 Uhr Kleingruppen

17.30-18 Uhr Plenum, aufräumen, Gottesdienst 18.30 Uhr

Für die Missionsreisen - vorkommende Orte:

Antiocheia am Orontes gelegen, Hauptstadt Syriens, als es 64 römische Provinz wurde. Antiochia spielte eine große Rolle in den Anfängen des Christentums, hier wurden die Christen das erste Mal so genannt, hier bildete sich die erste heidenchristliche Gemeinde, hier auch Streit zwischen Petrus und Paulus über die Verpflichtung der Heiden, die Gesetze zu halten.

Athen: Areopag: (griech. Hügel des Ares; nach dem griech. Kriegsgott), Felsenhügel nordwestlich der Akropolis von Athen; dort tagte auch die Gerichtsbehörde; "Nach Apg 17,19 predigte Paulus vor dieser Behörde (eher als auf dem Hügel); Für Lukas ist hierbei bedeutsam: Paulus hat vor dem bekannten athenischen Gerichtshof, der in Sachen Religion und Lehre zuständig gewesen sein soll, seine Botschaft dargelegt, ohne dass man gegen ihn eingeschritten ist. Mit seiner Rede von der Auferstehung stieß er aber auf Unverständnis. Auf dem Areopag gab es einen Altar für den unbekannten Gott. Als Paulus diese Inschrift sah, so die Überlieferung, wurde er zu seiner Rede inspiriert!

Caesarea (am Meer od in Palästina, auch Kaisareia, da der griechische Name so lautet in Umschrift) von Augustus um 30 v. Chr an Herodes d. Gr. als Geschenk übergeben, röm Provinz, hier wirkte Hauptmann Cornelius, hier wurde Paulus gefangen genommen.

Ephesus: Stadt an der kleinasiatischen Küste, heutige Türkei, Artemisheiligtum (Muttergottheit/Kybele), daher ist in der Legende Maria, die Mutter Jesu auch mit Johannes, der ja später auf Patmos gelebt haben soll, was als Insel in der Ägäis Ephesus vorgelagert ist, Maria soll dort gestorben und begraben sein, Haus ist zu besichtigen, d.h. "Verehrung der Muttergottheit" ging nahtlos weiter... Hatte eine Judengemeinde. Unter Paulus entstand eine Gemeinde von Heidenchristen. Bekannt ist auch der Aufstand der Silberschmiede unter Demetrios. Da der Ort ein Heiligtum hatte, war mit der Wallfahrt schon in der Antike Geld zu machen. Die Silberschmiede fertigten Figürchen der Kybele an und sahen durch Paulus Bestrebung der Christianisierung ihr Geschäft gefährdet. Paulus hat im Theater gegen den Kult gepredigt. Hier hielt sich Paulus am längsten auf.

Galatien: römische Provinz Galatia, umfasst Landschaften wie Lykaonien, Phrygien, Pamphylien (Syrien, Kilikien)

Korinth: dorische Gründunge, 146 v. Chr von Römern zerstört, 100 Jahre später unter Cäsar als römische Bürgerkolonie wiedergegründet, 27 v. Chr Hauptstadt der Provinz Achaia, doppelte Hafenstadt am Isthmus von Korinth, daher sehr bedeutend, Paulus kam auf 2. Missionsreise hierher mit Silas und Timotheos und fand bei Aquila und Priska Wohnung und Arbeit. Er gründete Gemeinde mit wenigen Judenchristen, zumeist aus armen und ungebildeten Leuten.

Philippi: Stadt in Makedonien, um 360 v. Chr gegründet, Paulus gründete hier die erste europäische Christengemeinde, Aufnahme bei Lydia,

Rom: Unter Nero sollen Petrus und Paulus hier den Tod gefunden haben. Auf ihren Gräbern wurden rasch kleine Gedenkstätten errichtet (cella memoriae) und man kann nachweisen, dass diese besonders verehrt wurden und es eine Tradition vom ersten nachchristlichen Jahrhundert an gibt. Heute steht die Kirche St. Paul vor den Mauern über dem Grab des Paulus und der Petersdom über dem Grab des Petrus.

Thessalonike: um 315 v. Chr gegründet, seit 146 v. Chr. oberste Provinzbehörde, Paulus gründete hier die zweite Christengemeinde in Europa: Jason und Aristarchos

Theologie des Paulus 

Rechtfertigungslehre: Gerechtigkeit Gottes als zentraler Begriff vor allem im Galater- und Römerbrief, aus Glauben, nicht aus Werken des Gesetzes. Wichtig ist dabei das Wort Gerechtigkeit nicht griechisch zu verstehen, eben als Begriff für ein Verhalten im zwischenmenschlichen und gesellschaftlich-politschen Kontext, wo jeder das Seine zum Wohl der Gemeinschaft tut. So hat Martin Luther den Begriff anfänglich auch verstanden, aber als ihm klar wurde, dass es dabei um die schenkende Gerechtigkeit Gottes geht, hat Paulus ihm eine ganz neue Wirklichkeit Gottes eröffnet. Mit dikauosyne wird das Wort sedaka wiedergegeben. Dort geht es nicht darum einer bestimmten Norm entsprechend zu handeln, sondern dass einen die Gerechtigkeit Gottes wie ein Kraftfeld umgibt. In den Psalmen, bei den Propheten, vor allem bei Amos, Hosea und Jesaja kommt dieser Begriff vor. Amos beklagt den Mangel an Gerechtigkeit, die beiden anderen hoffen, dass Gottes Gerechtigkeit bald hereinbricht. Dafür muss das Volk aber das entsprechende Sündenbewußtsein haben, so kommt es auch bei den Qumrantexten vor. Durch die Taufe werden wir nach Paulus von unseren Sünden gereinigt und gerecht gemacht durch den, der keine Sünde kannte, sie aber für uns aufnahm:

Erlösung, Sühne: hilasterion steht im griechischen, das Wort wurde mit Sühne übersetzt, bezeichnet auch Weihegabe zu Ehren einer Gottheit, im biblischen Sprachraum Deckplatte der Bundeslade, die am Versöhnungstag mit dem Blut des Sündenbocks bespritzt wurde (vorexilisch), nachexilisch die leere Bundeslade. Für Paulus ist Golgotha das hilasterion, es tritt an die Stelle des Allerheiligsten im Tempel, hier darf Israel mitsamt allen gottesfürchtigen Fremden Sühne finden kraft des am Kreuz vergossenen Blutes Jesu.

Judentum und Gesetz: Hier nun kommt das Judentum ins Spiel, das sich laut Paulus in einer Unheilssituation befindet, weil es die Gesetze mißachtet. Viele meinen, sich durch ihre Werke einen Zugang zu Gott aus eigener Kraft öffnen zu können. Aber durch Beschneidung, Einhaltung der Speisevorschriften und gottesfürchtiges Leben kann dies nicht geschehen, weil eben Fehler geschehen.

Auch die Heiden sind unheil, sie wissen zwar nichts von Gott, aber dennoch ist es falsch, wenn sie das Geschöpf anstelle des Schöpfers anbeten. Jede einzelne Übertretung des Gesetzes macht uns zu Sündern, kein Mensch hält die Gesetze, so wie gefordert, daher können wir nur auf die Gnade Gottes hoffen, durch die uns Gerechtigkeit widerfährt.

Der Galaterbrief ist theologisch höchst bedeutsam. Hier formuliert Paulus zum ersten Mal seine Lehre von der Rechtfertigung allein aus Gnade. Im Römerbrief wird er dieselbe dann in aller Ausführlichkeit darlegen.
Gal 2, 15-21 mit allen lesen:

Wir sind zwar von Geburt Juden und nicht Sünder wie die Heiden. Weil wir aber erkannt haben, daß der Mensch nicht durch Werke des Gesetzes gerecht wird, sondern durch den Glauben an Jesus Christus, sind auch wir dazu gekommen, an Christus Jesus zu glauben, damit wir gerecht werden durch den Glauben an Christus, und nicht durch Werke des Gesetzes; denn durch Werke des Gesetzes wird niemand gerecht. Wenn nun auch wir, die wir in Christus gerecht zu werden suchen, als Sünder gelten, ist dann Christus etwa Diener der Sünde? Das ist unmöglich! Wenn ich allerdings das, was ich niedergerissen habe, wieder aufbaue, dann stelle ich mich selbst als Übertreter hin. Ich aber bin durch das Gesetz dem Gesetz gestorben, damit ich für Gott lebe. Ich bin mit Christus gekreuzigt worden; nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir. Soweit ich aber jetzt noch in dieser Welt lebe, lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich für mich hingegeben hat. Ich mißachte die Gnade Gottes in keiner Weise; denn käme die Gerechtigkeit durch das Gesetz, so wäre Christus vergeblich gestorben.

Hier kommt der Verweis auf Abraham:
Abraham war für das Judentum das Urbild des wahrhaft Glaubenden, durch seinen Auszug ins Unbekannte und durch die Bereitschaft, seinen Sohn zu opfern. In Jak 2,21-24 wird genau diese Stelle für den Beweis der Werkgerechtigkeit herangezogen, während Paulus es so sieht: "Abraham glaubte Gott und das wurde ihm als Gerechtigkeit angerechnet" (Röm 4,3 und Gal 3,6). Bei Paulus ist Abraham der ursprünglich Ungläubige, Unbeschnittene, der von Gott Gerechtigkeit bekommt und die Beschneidung ist nur Zeichen der Rechtfertigung aufgrund seines Glaubens, er ist der Vater vieler Völker, auch der Unbeschnittenen. Jesus als der neue Abraham. Für Paulus haben die Juden den Vorteil, ihnen wurden die Worte Gottes anvertraut, sie haben das Gesetz, die Bundesordnung und den Gottesdienst, Christus entstammt ihnen und Gottes Verheißung an seinem Volk ist nicht hinfällig geworden. Wie heißt es im Römerbrief: "Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich" (Röm 11,18) Wenn möglichst die Vollzahl der Heiden bekehrt wird, dann kehrt der gekreuzigte und auferstandene Christus wie an Israel verheißen vom Zion her als Erlöser-Messias wieder. Daher sieht er seine Missionsarbeit bei den Heiden auch als so wichtig an.

Im Römerbrief erklärt Paulus seine Theologie. Der aus Glauben Gerechte wird leben. Gottes Zorn richtet sich gegen Heiden und Juden. Wer das Gesetz nur hört, aber nicht tut, sündigt, Juden und Heiden sündigen. Die Juden jedoch wissen, was Gesetz ist. Es gibt Heiden, die das Gesetz nicht kennen, sich aber trotzdem entsprechend verhalten. Röm 2, 12-24

Der Vorzug der Juden ist, "ihnen sind die Worte Gottes anvertraut". (Röm 3, 2). Aber wer die Gesetze nicht hält, macht sich schuldig. Das Gesetz bei Paulus meint das gesamte Alte Testament.

In Röm 3, 21-26 erklärt Paulus, was es mit der Gerechtigkeit auf sich hat: (mit allen lesen:)
Jetzt aber ist unabhängig vom Gesetz die Gerechtigkeit Gottes offenbart worden, bezeugt vom Gesetz und von den Propheten: die Gerechtigkeit Gottes aus dem Glauben an Jesus Christus, offenbart für alle, die glauben. Denn es gibt keinen Unterschied: Alle haben gesündigt und die Herrlichkeit Gottes verloren. Ohne es verdient zu haben, werden sie gerecht, dank seiner Gnade, durch die Erlösung in Christus Jesus. Ihn hat Gott dazu bestimmt, Sühne zu leisten mit seinem Blut, Sühne, wirksam durch Glauben. So erweist Gott seine Gerechtigkeit durch die Vergebung der Sünden, die früher, in der Zeit seiner Geduld, begangen wurden; er erweist seine Gerechtigkeit in der gegenwärtigen Zeit, um zu zeigen, daß er gerecht ist und den gerecht macht, der an Jesus glaubt.
Nun kommt wieder der Verweis auf Abraham. Christus muss für unsere Sünden sterben. Röm 4, 25: "Wegen unserer Verfehlungen wurde er hingegeben, wegen unserer Gerechtmachung wurde er auferweckt."

Hier nun wird auf Adam verwiesen, den ersten Menschen und dessen Sünde. Er ist auch der erste der durch Jesus Erlösten:
"Aber anders verhält es sich mit der Übertretung als mit der Gnadengabe. Denn wenn durch die Übertretung des einen (Adam) die vielen starben, um wie viel mehr ist Gottes Gnade und Gabe den vielen überreich zuteil geworden durch die Gnade des einen Menschen Jesus Christus ... Wie die Sünde geherrscht hat zum Tode, so soll auch die Gnade herrschen durch die Gerechtigkeit zum ewigen Leben durch Jesus Christus, unseren Herrn." (Röm 5,15. 21).

Unsere Auferstehung ist nur durch die Auferstehung Christi möglich: "Christus ist schon zu der Zeit, da wir noch schwach und gottlos waren, für uns gestorben. Dabei wird nur schwerlich jemand für einen Gerechten sterben; vielleicht wird er jedoch für einen guten Menschen sein Leben wagen. Gott aber hat seine Liebe zu uns darin erwiesen, daß Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. Nachdem wir jetzt durch sein Blut gerecht gemacht sind, werden wir durch ihn erst recht vor dem Gericht Gottes gerettet werden. Da wir mit Gott versöhnt wurden durch den Tod seines Sohnes, als wir noch (Gottes) Feinde waren, werden wir erst recht, nachdem wir versöhnt sind, gerettet werden durch sein Leben. Mehr noch, wir rühmen uns Gottes durch Jesus Christus, unseren Herrn, durch den wir jetzt schon die Versöhnung empfangen haben. Röm 5, 6-11

Diese Rechtfertigungslehre fand auch bei Augustinus großen Anklang, auch er befreite sich vom griechischen Verständnis von Gottes Gerechtigkeit. Auch er, der spät Bekehrte sieht Gerechtigkeit aufgrund des Gnadenhandelns Gottes, der Mensch muss zuerst Freiheit geschenkt bekommen, dann kann der Mensch unter der Gnade mitwirken. Für Martin Luther war die Erkenntnis der Gnade bahnbrechend. In einer Zeit, wo Menschen meinten, den strafenden Gott mit Werken wie Ablaß, Reliquienhandel, protzigen Kirchenbauten, milde stimmen zu müssen, war die auf Paulus basierende Lehre eines gnädigen Gottes für einige eine Befreiung, für andere undenkbar und unannehmbar. Sie wurde daher von den Protestanten auch sehr einseitig betont. Das Konzil von Trient geht auf die reformatorische Theologie ein und betont, es gibt keine Selbsterlösung, der Mensch kommt nur durch die Gnade Gottes zum Heil. Dennoch war die Rechtfertigungslehre über die Jahrhunderte hinweg ein Hauptstreitpunkt zwischen den beiden Kirchen.

Christologie: Paulus unterscheidet zwischen dem Tod Jesu für uns bzw. für alle. Für uns sind die Starken, die es schaffen, die Normen zu erfüllen, aber Christus starb als Bruder für alle, auch für die Schwachen, die die Erkenntnis noch nicht haben. Christus ist als Erstling der Entschlafenen von den Toten auferweckt worden, er wurde zum neuen Adam, zum Überwinder des auf Adam und der ganzen Menschheit lastenden Todesschicksals. Er nimmt für die Vorstellung eschatologisch-jüdische Vorstellungen zur Hand und glaubt, die Menschheit befinde sich noch in einer Zeit der Zwischenherrschaft bevor die endgültige Gottesherrschaft beginnt. Allerdings formuliert er im Philipperbrief, dass derjenige, der stirbt, unmittelbar beim Herrn ist: "Denn für mich ist Christus das Leben und Sterben Gewinn. Wenn ich aber weiterleben soll, bedeutet das für mich fruchtbare Arbeit. Was soll ich wählen? Ich weiß es nicht. Es zieht mich nach beiden Seiten: Ich sehne mich danach, aufzubrechen und bei Christus zu sein - um wie viel besser wäre das! Aber euretwegen ist es notwendiger, dass ich am Leben bleibe." (Phil 1,21-24)
Die Christologie des Paulus wird auch im Philipperhymnus sehr deutlich: Jesus Christus wurde durch Gott zum Herrn über alle Welt erhöht. Hier wird das Beispiel Christi dargestellt, um der Gemeinde ein Beispiel für ihr Verhalten zu geben (Phil 2, 5). In Vers 6 heißt es "Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, Gott gleich zu sein. Dann in 7 und 8 geht es zunächst um die Abwärtsbewegung, er führte ein menschliches Leben, er hat sich erniedrigt bis zum Tod am Kreuz, dann kommt die Aufwärtsbewegung, darum hat ihn Gott über alle erhöht. Nun erniedrigen wir uns und beugen die Knie, um seine Erhöhung zu bezeugen. Laut dem Kommentar der Jerusalemer Bibel greift Paulus hier einen Hymnus auf, in dem der Weg Christi von seinem vorzeitlichen Sein über seine Menschwerdung und seinen Tod bis zur Erhöhung und Einsetzung zum Herrscher des Alls beschrieben wird. Der im Lied betonte Gehorsam Jesu wird der Gemeinde als Vorbild gegenseitigen Dienens vor Augen gestellt.

Zur Rolle der Gemeinde bei Paulus:
Wenn Paulus von "Ein Leib" spricht, so ist Christus das Haupt der Gemeinde. Die Gemeinden stellen den Leib Christi in der Welt dar. Die Menschen kommen durch das Heilshandeln Gottes zusammen, der Geist regelt das Zusammenleben.

Geist: die endzeitliche Gemeinde glaubt, mit dem Geist, also der Kraft Gottes, ausgestattet zu sein. Die eschatologisch-neue Heilswirklichkeit ist mit Geist erfüllt. Es gab Menschen, die die Gabe der Weisheitsrede hatten, wie Apollos, so etwas wurde von Paulus auch erwartet. Sie beherrschten das ekstatische Zungenreden und in dieser Geist-begabung, dieser übernatürlichen-jenseitigen Kraft, sah man einen Beweis für das Wirken Gottes. Es war eine Zeit, in der viele Häresien wirkten, in denen Gnosis, Mithraskult, Arianer und andere entstanden, oder sehr stark wurden. Auf die Menschen prasselte jede Menge an religiösen Strömungen ein. Paulus betont, dass Gott den Geist schenkt. Wer im Glauben an Christus erfüllt ist und mit Liebe die anderen erträgt, in dem wirkt der Geist wirklich, dieser Mensch lebt im Geist Christi. Für Paulus hat prophetische Rede den Vorrang gegenüber der in Korinth höher eingestuften Zungenrede. Damit setzt sich die Rede vom Geist und den Gaben im Korintherbrief auseinander. Christus hat ihn gesandt, das Evangelium zu verkünden, nicht jedoch in der Weisheitsrede, damit das Kreuz nicht um seine Kraft gebracht wird. (1 Kor 1, 17)

In der Versammlung ist Christus selbst anwesend, die Eucharistie gewährleistet die Einheit zwischen Christus und der Gemeinde. Es gibt kein hierarchisches Gemeindemodell. Es geht hier nicht um Kirche, um Priester und Bischöfe, sondern um die einzelnen Gemeinden, in der alle mit ihren Gaben gleich sind. Alle scharen sich um Christus. Paulus geht es um die Verfasstheit der von ihm gegründeten Gemeinden, dies steht im Vordergrund gegenüber der Verfasstheit der Kirche allgemein.

Mit allen lesen: 1 Kor 12, 12-27
durch die Taufe sind alle aufgenommen, Juden und Griechen, Sklaven und Freie, so hat Gott die Kirche eingesetzt: die einen als Apostel, die anderen als Propheten, die dritten als Lehrer, es gibt Menschen, die heilen, die Wunder tun, die die Befähigung zur Zungenrede haben, alle Gaben sollen gleichrangig eingebracht werden.

(Marieluise Gallinat-Schneider)

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