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Vortrag beim Altenwerk St. Peter am 20. Dezember 2006

Engel - Brücke zwischen Gott und den Menschen

In der Advents- und Weihnachtszeit haben Engel Hochkonjunktur. Engel sind ohnehin sehr beliebt. Aber wenn wir an die vielen Dekoengel in dieser Zeit denken, dann ist dies die Zeit der meisten Engel im ganzen Jahr.

In kindlichen Weihnachtsgeschichten, wenn da Bilder drin sind, sieht das Christkind wie ein Engel aus. Von Jesus ist in diesen Abbildungen nichts mehr übrig. Oft ärgern mich diese süßlichen Darstellungen. Ich will mich jedoch jetzt auf die Suche begeben, wo wir Engel rund um den Advents- und Weihnachtsfestkreis tatsächlich auch mit religiösen Bezügen finden. Es ist in der Tat so, dass die auch die biblischen Texte rund um Geburt und Weihnacht tatsächlich viel mit Engeln zutun haben. Da ist der Engel Gabriel, der Maria die Geburt des Sohnes verkündet. (Lk 1, 26 f), der Engel Gabriel kommt auch zu Zacharias, um ihm die Geburt seines Sohnes, Johannes des Täufers, zu verkünden (Lk 1, 19 f), dann erscheint Josef im Traum ein Engel, als er sich davon stehlen möchte, weil Maria schwanger ist (Mt 1, 20). Nicht vergessen dürfen wir natürlich den Verkündigungsengel, der den Hirten die Botschaft der Geburt von Jesus überbrachte (Lk 2,9 f). Im Zusammenhang mit diesem Weihnachtsengel berichtet Alfred Delp, der Jesuitenpater, der am 2.2.45 von den Nazis hingerichtet wurde, weil er sich dem Widerstand gegen Hitler anschloss, von einem Engel, den er von einem lieben Menschen im Advent 1941 geschenkt bekam und der in den Bombennächten in München Schaden litt, aber eines war noch heil, sein Spruchband, auf dem stand: "Freut euch, denn der Herr ist nahe". Diese Botschaft hat Alfred Delp ins Gefängnis begleitet.

In der Bibel geht es weiter mit den Sterndeutern, die dem Kind huldigen. Sie werden von einem Engel gewarnt, nicht zu Herodes zurückzukehren, dem sie auf ihrer Suche nach Jesus begegnen und der Jesus um jeden Preis finden und töten will. (Mt 2, 12 f) 

Dieser Engel hat sozusagen alle Hände voll zu tun, denn neben den Magiern muss er auch Maria und Josef vor Herodes warnen, so dass die Familie nach Ägypten fliehen kann (Mt 2,13). Warum aber gibt es gerade in dieser Zeit so viele „englische“ Berichte? Zu Anfang des Alten Testamentes sind Boten noch rar. Allerdings bekommt schon Abraham Besuch von Männern, die ihm die Geburt Isaaks ankündigen. Nur, die Menschen dieser Zeit standen in direkterem, engeren Kontakt zu Gott selbst.

Engel sind himmlische Boten. An vielen bedeutenden Punkten in den biblischen Berichten werden sie zu den Menschen geschickt, um göttliche Aufträge zu überbringen. In Psalm 91 heißt es: „denn er befiehlt seinen Engeln, dich zu behüten, auf all deinen Wegen.“  Ich denke, auch wir wünschen uns solche Boten. Boten, die uns warnen, den Weg weisen, ermuntern und Botschaften überbringen. Daher wünschen wir uns auch heute Engel. Deshalb sind sie auch heute so beliebt. Je weiter Gott von den Menschen wegrückte, desto stärker wurden Mittler dazwischengeschaltet. So ist es noch heute. Wir meinen, Zwischeninstanzen zu brauchen.

Sie sind sicher noch in der Tradition groß geworden, wenn Sie das Angelusläuten hören, den Engel des Herrn zu beten. Sie haben darin sicher ihre Lieben eingeschlossen, um Schutz vor allen Gefahren zu erbitten. Sie haben mit ihren Kindern zu Schutzengeln gebetet, vielleicht hatten ihre Kinder auch ein Bild eines Schutzengels über dem Bett. Gerade auch für unsere Kinder wünschen wir uns Schutzengel, denn wir wissen, es gibt viele Gefahren für ihr Leben, vor denen wir sie gar nicht bewahren können. Da kann ich ein Lied von singen.

So heißt es in einem Lied von Klaus Hoffmann - Jedes Kind braucht einen Engel (Aus dem Album: Live 90),  (1990)

Jedes Kind braucht einen Engel
der es schützt und der es hält
der es schützt und der es hält
jedes Kind braucht einen Engel
der es auffängt wenn es fällt

Außerdem ist Gott für uns so schwer zu greifen, zu begreifen, daher sind wir über Mittler oft froh. Wer von Engeln redet, baut eine Brücke zwischen den Menschen und Gott, zwischen der Welt Gottes und unserer Welt. Engel öffnen Türen, die verschlossen sind, lassen Licht aufleuchten, wo es dunkel ist. Alle Wege gehen sie mit uns und öffnen den Himmel für uns - mitten in unserem Leben. Es gibt Momente, in denen wir Schlimmes erlebt haben, in denen wir nach dem warum fragen. Manchmal haben wir vielleicht gespürt, dass dann Menschen kamen, die diese Dunkelheit erhellten, die uns vorkamen, wie von Gott gesandt. Ein Engel ist jemand, den Gott dir ins Leben schickt, unerwartet und unverdient, damit er dir, wenn es ganz dunkel ist, ein paar Sterne anzünde.

So jemanden wünschen wir uns natürlich. Wie oft denken wir, es wäre schön, wenn ein Engel käme, der uns hilft. In der Bibel klappt das scheinbar so einfach, da erscheinen Engel im Traum und warnen, schützen und geben ein, was zu tun ist. Aber ist das so einfach? War das so einfach? Ich glaube, es geht nur, wenn wir auch offen dafür sind. Wie oft sagen wir:“ dich hat ein Engel geschickt“ Es gibt himmlische Boten, aber auch Gottesboten in Form von Menschen. Aber oft wollen wir die Hilfe nicht, wollen nichts annehmen und merken gar nicht, was uns geschickt und geschenkt wird. Auch in der Bibel sind Menschen oft in die Wüste gegangen oder auf Berge und erst dort hatten sie Bekehrungserlebnisse. Diese Bekehrungen waren oft intensive Gotteserfahrungen, ohne Mittler, ohne Boten. Aber egal, ob Engel oder Gott, oft machen erst Stille, Einkehr und innere Offenheit die Begegnungen möglich. Ich wünsche Ihnen nicht nur in der Adventszeit und der nahenden Weihnachtszeit sondern immer, die Fähigkeit, Engel zu erkennen und anzunehmen, wenn Gott sie als Boten schickt. Aber Gott schickt uns seine Botschaft oft in anderer Form, als wir es erwarten. Warten Sie nicht auf geflügelte Wesen mit goldenem Haar und weißem Gewand, nehmen Sie die Menschen an, die sich Ihnen anbieten, die sich als Engel zu erkennen geben. Gott offenbart sich im Menschen, im anderen, im Nächsten.

Zum Schluss möchte ich Ihnen noch für das kommende neue Jahr eine Weisheit mitgeben, die von einem Engel handelt. Dieser Text, geschrieben von einer chinesischen Christin, berührt mich sehr:

Ich sagte zu dem Engel,
der an der Pforte
des neuen Jahres stand:
Gib mir ein Licht,
damit ich sicheren Fußes
der Ungewissheit entgegen gehen kann.

Er gab mir zur Antwort:
Gehe nur hin
in die Dunkelheit
und lege deine Hand
in die Hand Gottes!
Das ist besser
als ein Licht
und sicherer
als ein bekannter Weg.

(Marieluise Gallinat-Schneider)

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