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Gedanken zum Glaubensbekenntnis vorgetragen am Vorabend des dritten Advent, 10. Dezember 2005 in der Pfarrkirche St. Peter

"und an Jesus Christus seinen eingebornen Sohn, unsern Herrn"

Wir haben uns in der letzten Zeit in den Gottesdiensten, die von der Gruppe "Junge Kirche" gestaltet werden, mit dem Glaubensbekenntnis befasst und es uns Satz für Satz angeschaut. Nun sind wir angelangt bei "und an Jesus Christus seinen eingebornen Sohn, unsern Herrn"

Scheinbar passt dieser Satz ja gut zur Adventszeit, wenn wir da hören Jesus Christus der eingeborene Sohn. Hier geht es aber nicht um Jesu Geburt sondern um eine Kurzformel all dessen, was Jesus ist. Jesus ist der Christus, der Gesalbte, so wie Könige in Israel gesalbt wurden und wie wir in Taufe und Firmung auch gesalbt werden als Christen. Und Jesus war Herr. Zu einer Zeit, als die normalen Männer noch nicht als Herren angesprochen wurden, galt Herr als Ehrenbezeichnung, als Titel für Hochgeborene, ja als Titel für den römischen Kaiser. Im Alten Testament wird die Bezeichnung adonai Herr nur für Gott verwendet. Jesus ist Gott, also ist Jesus auch der Herr. Im Philipperhymnus wird dies von Paulus ausdrücklich betont, Jesus Christus ist der Herr.

Einschub: Der Brief an die Philipper von Paulus:

Darin befindet sich eine ältere Kurzfomel des Bekenntnisses zu Jesus Christus, die schon vorher im Gottesdienst verwendet wurde:(Phil 2,6-11)

6 Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein,
7 sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen;
8 er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz.
9 Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen,
10 damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu
11 und jeder Mund bekennt: "Jesus Christus ist der Herr" - zur Ehre Gottes, des Vaters.

Es geht aber in dem Satz des Glaubensbekenntnisses natürlich auch um die Bedeutung der Menschwerdung Gottes. So kurz vor Weihnachten kommt mir da der Text eines Weihnachtsliedes in den Sinn. In "Still, still" heißt eine Strophe: "Gott hat den Himmelsthron verlassen und tut wandeln auf den Straßen" Eigentlich steckt in der Strophe viel von der Aussage des Satzes aus dem Glaubensbekenntnis drin, Gott selbst wurde Mensch und mischte sich unter uns Menschen, aber er blieb Gott wie er Gott vor aller Zeit war und auch Jesus vor aller Zeit bereits war.

Aber Jesus war nicht nur Gott und Herr sondern erniedrigte sich, wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Die Menschwerdung bedeutete also auch klein zu werden wie die Menschen, vor allem wie die Menschen, die nicht auf der Sonnenseite stehen, die nicht zu den Herren gehören. Im Philipperhymus wird die gesamte Aussage über Jesus kurz zusammengefasst. Jesus war Gott, ist Gott, wurde Mensch, wurde Sklave, blieb Herr und dies auch zur Ehre seines Vaters. Genau dies greift auch das Glaubensbekenntnis auf, das ja später verfasst wurde als der Philipperbrief von Paulus: Jesus ist eingeborener, also einzig geborener Sohn des Vaters, der gezeugt wurde, der aus ihm hervorgeht und Mensch wird, aber Herr und Christus bleibt.

In der kommenden Weihnachtszeit werden wir wieder ein Weihnachtslied singen, in dem es um genau dieselbe Aussage wie im eben gehörten Text der Lesung geht. In "Lobt Gott ihr Christen alle gleich" heißt es: Gott schenkt uns seinen Sohn aus des Vaters Schoß und die dritten Strophe lautet: "entäußert sich all seiner Gewalt, wird niedrig und gering, der Schöpfer aller Ding"
Denken wir, wenn wir das nächste Mal dieses Lied singen an die gewaltige Aussage, Gott wird der Mensch Jesus, der Herr ist, Gesalbter, König, der sich aber auf die Stufe der geringsten Menschen stellt, sich mit uns solidarisch zeigt und damit, wie wir im Glaubensbekenntnis beten, erst recht unser Herr wird. In ihm bricht die Gottesherrschaft an, er ist die Erfüllung der alttestamentlichen Hoffnung und damit sind wir dann doch bei Weihnachten.

(Marieluise Gallinat-Schneider)

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