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Gedanken zum Jugendgottesdienst am 22.12.01

Josef hatte die Entscheidung getroffen, dass er sich klammheimlich aus dem Staub machen wollte, um Maria nicht bloßzustellen. Denn stellen wir uns das mal vor, für die damalige Zeit war es eine undenkbare Situation. Maria ist mit Josef verlobt und wird plötzlich ohne sein Zutun schwanger. Das er da denkt, sie hat was mit nem anderen, ist doch klar, oder? Und nun? Er ist ehrenhaft genug, sie deswegen nicht öffentlich an den Pranger zu stellen. Wir wissen ja, was mit solchen Frauen damals dann passierte. Sie wäre vermutlich gesteinigt worden. Nein, er ist ein Ehrenmann und will sie heimlich verlassen. Und nun kommt ein Engel. Er erscheint ihm im Traum. Josef soll seine getroffene Entscheidung revidieren. Er soll zu Maria stehen, er soll sich offen zu ihr bekennen und er soll dem Engel auch noch glauben, dass das Kind ein Kind Gottes ist.

Ich kann mir vorstellen, dass Josef in der Nacht ganz schön mit sich gerungen hat. So einfach wie es im lapidaren Satz des Evangeliums heißt, "Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich" war es mit Sicherheit für ihn nicht. Wir kennen die Situation alle, wir haben ein riesiges Problem, dass uns den Schlaf raubt. Wir haben eine Entscheidung zu treffen und egal, wie wir es drehen und wenden, es gibt für beide Seiten ein für und wider. Mit einer getroffenen Entscheidung haben wir uns gegen etwas anderes entschieden und uns damit einen Weg verbaut, weil wir einen anderen gewählt haben. Deshalb fällt vielen Menschen das Entscheiden auch so schwer, denn es bedeutet ja nicht nur ja zu etwas zu sagen, sondern auch nein zu etwas anderem. Und dann kommt ein zweites hinzu. Es gibt Lebensentscheidungen, bei denen es gar nicht so einfach ist, die wieder rückgängig zu machen und manche lassen sich nie wieder rückgängig machen. Wenn ich mich z.B. entscheide, ein Kind zu bekommen und es auf der Welt ist, dann ist es da, dann habe ich die Verantwortung und kann schlecht nach ein paar Jahren sagen, so habe ich mir das nicht vorgestellt, ich will das jetzt nicht mehr. Bei anderen Entscheidungen ist es eher so, dass wir uns zum Außenseiter der Gesellschaft machen oder schief angeguckt werden, wenn wir in diesen Punkten andere Entscheidungen als die gewohnten treffen, neue Wege gehen, unbekannte Bahnen einschlagen. Stellen Sie sich mal vor, jemand bricht aus seinem bisherigen Leben aus und macht alles anders, wie wir da gucken. Entscheidungen sind schwierig und schwerwiegend, aber eine Hoffnung haben wir, wir müssen sie nie ohne Gottes Hilfe treffen, auch wenn es sein kann, dass er uns nach Jahren die Erkenntnis gibt, das wir im einen oder anderen Fall nur scheinbar richtig gehandelt haben und unseren Willen durchgesetzt haben, was der falsche Weg war. Aber auch dann ist Gott bei uns, er schlägt die Türen nicht zu, auch wenn wir uns vorher anders entschieden hatten.

(Marieluise Gallinat-Schneider)

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