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Gedanken zur Teilnahme am ökumenischen Frauenkongress

Am 20. Oktober 2007 fand in Stuttgart der ökumenische Frauenkongress zum Thema "Aus der Fülle handeln - Frauen gestalten Zukunft" statt. Schon am Bahnhof sprach mich eine Frau an, ich würde doch bestimmt nach Stuttgart fahren. Wie sich herausstellte, ist diese Frau vom Untergrombacher Frauenkreis und oft bei den ökumenischen Bibelabenden der Bibelwoche, die wir gestalten und kannte mich daher. Ich war gespannt, wieviele Frauen sich wohl angemeldet haben würden und war verblüfft 2000 Frauen zu sehen.  Die Grußworte waren natürlich nur von Männern! http://www.oekumenischer-frauenkongress.de/ Das Eingangsreferat von Bischöfin Wartberg-Potter war sehr gut und kann hier nachgelesen werden: http://www.oekumenischer-frauenkongress.de/fileadmin/mediapool/einrichtungen/E_Frauenkongress/Hauptvortrag_Bisch_fin_Wartenberg-Potter.pdf

Im Anschluss gab es eine Podiumsdiskussion mit Prof. Dr. Ulrike Bechmann, Anna Koktsidou, Prof. Dr. Uta Meier-Gräwe, Regina Stachelhaus und Ute Vogt unter Moderation von Silke Arning vom SWR. Die Diskussion machte deutlich, wo Frauen immer noch Probleme haben, Probleme, die z.T. auch daher rühren, dass wir anders ticken als Männer und daher missverstanden werden. Dies machte Frau Vogt deutlich, die berichtete, dass sie ihrem Vorgänger Posten, die er innehatte, überließ, was ihr als Führungsschwäche ausgelegt wurde, obwohl ihr diese Posten nur nicht so wichtig waren, wie Männern. Es war klar, dass alle Frauen, die an der Diskussion teilnahmen, Frauen sind, die es zu etwas gebracht haben. Die Frage nach mangelnden Chancen durch Migration plus mangelnde Schulbildung wurden angesprochen, aber auch die einzige Teilnehmerin mit Migrationshintergrund, Frau Koktsidou, hatte von Anfang an ein deutsches Gymnasium besucht und war sicherlich ein Beispiel gelungener Integration, so dass nur auf Achtsamkeit hingewiesen werden konnte, ohne dass eine der Frauen dabei biographische Hintergründe hatte. Die Frauen, die auf dem Podium standen, sind Frauen, die beweisen, dass die Zukunft von Frauen gemacht wird. In der Mittagspause gab es Gelegenheit, sich den Markt der Möglichkeiten anzuschauen, in dem von Wildwasser über evangelische und katholische Frauengruppen bis hin zu Buchhandlungen ein breites Spektrum vertreten war. Schön fand ich die Schatzkiste des BdKJ, denn unser Glauben birgt Schätze in sich.

Am Nachmittag war ich im Forum III "Selbstbewusste Töchter Gottes" und diese saßen in der Tat auf dem Podium. Bärbel Hartmann leitet als Pfarrerin ein Einkehrhaus, Karen Hinrichs ist Oberkirchenrätin, Magdalena Seeliger ist Ordinariatsrätin, Renate Pilz übernahm nach dem überraschenden Tod ihres Mannes die Leitung von dessen Firma und Schwester Aurelia Spendel war Ordinariatsrätin in Aachen bevor sie in einen Orden eintrat und ist nun Ordensoberin. Gut fand ich, dass es um das Thema Spiritualität ging. Wenn es bei einer Veranstaltung um Ökumene geht, dann kann es nicht nur um unser Engagement als Frauen in Kirche, Politik und Gesellschaft gehen, dann geht es auch um unseren Glauben, der im gesamten Themenbereich III im Zentrum stand. 

Zum Abschluss des Tages gab es einen ökumenischen Gottesdienst, der sehr frauenspezifisch war, mit sehr schönen Liedern, Pantomime zum Lesungstext, der zum Glück auch aus der Bibel in gerechter Sprache gelesen wurde, es gab Gebet mit Körperübung, das Austeilen von Brot (was mir auch das Defizit zeigte, dass ein gemeinsames Abendmahl den Gottesdienst noch dichter gemacht hätte) und viele Elemente, die alle Sinne ansprachen. Positiv fand ich auch die Fürbitten, die auch die Frauen im Blick hatten, die Opfer von Gewalt werden (und dies ohne auch eine Fürbitte für die Täter zu machen!!!). So fuhren wir gestärkt nach Hause mit dem Bewusstsein, die Ökumene lohnt, es sind so viele engagierte Frauen auf dem gleichen Weg, auf der gleichen Suche, da kann die Ökumene durch Äußerungen von Kirchenleitung zwar Schaden nehmen, aber an der Basis lebt es!

 

 (Marieluise Gallinat-Schneider)

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