Emotionen und ihre Bedeutung für den Dialog

An jeder Stelle von Kommunikation und Dialog liegt es dem menschlichen Wesen nahe, Emotionen einzubringen.

In Fragen, im Besonderen die, die den Glauben betreffen, da diese Spiegel unserer Identität und unseres tiefst verwurzelten Bewusstseins sein können, spielen Emotionen eine große Rolle.

Daher sind Gefühle, gleich in welcher Art sie uns ergreifen, innerhalb des Austausches und der Diskussion nicht auszuklammern.

Funktion von Emotionen

Fragen von Emotion und Motivation sind in der Psychologie noch nicht abschließend geklärt, dennoch stützt sich die gegenwärtige wissenschaftliche Meinung im Konsens auf die Position Darwins (1872), dass die Funktion von Emotionen darin besteht, in speziellen Situationen hervorgerufen zu werden, gekoppelt an ebenso bestimmten Verhaltensweisen. Darwin selbst brachte es auf die Frage nach ihrer Funktion auf das Kürzel: "Das Überleben".

Heute stützen sich die meisten Theorien auf seinen Grundgedanken, dass Emotionen sich innerhalb der Evolution entwickelt haben, um ein Lebewesen, nicht nur den Menschen, auf die Anforderungen seiner jeweiligen und aktuellen Lebenssituation vorzubereiten und auch zur Bewältigung derselben zu motivieren. Vor allem steigern Emotionen - die nicht instinktiv vorgegeben sind - unsere Flexibilität in der Reaktion auf verschiedene, sich stets verändernde Lebenssituationen und Herausforderungen.

Sich Darwin anlehnend, auch hier besteht wieder wissenschaftlicher Konsens, ist uns die Basis von Emotionen - es gibt nach Robert Plutchik (1980) acht "Grundgefühle", von denen sich die vielfältige Summe aller Gefühle ableitet - angeboren.

Kognitiver Stellenwert

Allerdings haben wir gelernt, unsere Gefühle - mehr oder weniger - nach außen unter Kontrolle zu halten. Dennoch existieren sie und beeinflussen uns in unseren Aktionen und Reaktionen.

In welcher Form oder welchem Ausmaß unser sensorisches Register Emotionen auslöst, hängt ganz spezifisch mit den kognitiven Prozessen zusammen, die wir als Individuen durchlaufen haben.

Nur wenn wir Reize empfangen, die wir unmittelbar mit Fragen des Überlebens, unserer Wertevorstellungen und auch uns existenziell betreffender Ziele in Verbindung bringen,

lösen sich bei uns Emotionen aus. Diese zeigen sich - kognitv - bei jedem Individuum in ihrer Bewertung unterschiedlich:

Jeder kennt den klassischen Fall der Prüfungssituation; während eine Person diesem Umstand mehr Wichtigkeit im Hinblick auf ihre Zukunft beimisst, kann eine zweite demselben gelassen entgegentreten. Entsprechend fällt die Motivation mit ihren emotionalen Folgen aus.

Folgen von Emotionen

Die erste Person zeigt beispielweise starke physiologische Reaktionen in Form von Schweißausbruch oder nervösen Zuckungen, die zweite behält "die Ruhe".

Erstgenannte kann durch Auslösen der Motivation besondere Anregung erfahren und die Prüfung bestehen. Es kann auf Grund der folgenden Emotionen allerdings auch zum Scheitern des Tests kommen, obwohl eine fundierte Prüfungsvorbereitung stattgefunden hat.

Emotionen sind also positiv wie auch negativ in ihrer Wirkung zu beobachten.

Unbewusste Emotionen

Entgegen der kognitiven Prägung von Emotionen hat sich zusätzlich das Erkennen direkter, nicht erlernter, affektiver Gefühlsbestimmungen gezeigt (Sylvan Tomkins, 1962; 1981).

In einem darauf basierenden Test (Zajonc, 1980) mit Versuchspersonen hat sich schlussfolgern lassen, dass wir, rational nicht nachvollziehbar, besonders auf Reize reagieren, die sich uns in wiederholtem Ablauf zeigen - und zwar in positiver Form.

Diese Erkenntnis wird auch bewusst in der Werbung eingesetzt.

(Literatur: Philip G. Zimbardo, " Psychologie", Springer - Lehrbuch, 5. Auflage, 1992)

Umgang mit Emotionen

Unabhängig von den einzelnen psychologischen Erkenntnissen ist zu folgern, dass der Mensch naturgegeben und von den Einflüssen seiner Umwelt geprägt, nicht emotionslos agieren und reagieren kann.

Nach diesem Fakt stellt sich jedoch die Frage nach dem Umgang mit der eigenen "Gefühlswelt".

Auch in diesem Punkt stehen wir alle, die wir "guten Willens" sind, vor einer Herausforderung:

Gefühle, die sich uns in kognitiv-negativer Form eingeprägt haben, zu überwinden, ist eine schwer zu bewältigende Aufgabe.

Es bedeutet weit mehr, als nur "über den eigenen Schatten" zu springen. Vielmehr reicht es an ein "Das Innere nach außen kehren" - das heißt also, sich seiner Gefühle - in jeder bestehenden Art - vorrangig bewusst werden.

Einsatz positiver Gefühle zur Förderung eines Lern- und Handlungsprozesses

Erst wenn dieser Prozess stattgefunden hat, können sie "bearbeitet" werden

In der Be- und Verarbeitung unserer Emotionen, in der an uns selbst gerichteten Frage, was genau uns eigentlich innerhalb der thematisierten Problematik des Verhältnisses "Christentum"-"Islam" hindert oder auch beflügelt, in den "Lernprozess" und den Dialog einzusteigen, können wir einen wichtigen Schritt nach vorn bewältigen.

Im Falle negativer Gefühle gegen "den Islam" und gegen die mit ihm verbundene Thematisierung, fällt der Schritt in den Dialog größer und beschwerlicher aus; trotzdem ist er zu vollziehen.

Ganz unwissenschaftlich, sondern eher mit Hilfe der Redensweisheit "Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg", lässt er sich gehen.

Sollten sich die Emotionen als positiv erkennen lassen, kann man sich fragen, wie sie das "Lernen" und Sich-Auseinandersetzen mit dem "Fremden" und "Neuen" erleichtern oder gar ermöglichen.

Die zu lösende Aufgabe ist analog, sich nicht seiner Emotionen zu "entledigen" oder sie zu verdrängen - dies wäre keine Lösung, sondern Selbstverleugnung, die auf lange Sicht keine "Früchte" hervorbringt, sondern sich ihnen zu stellen, sie zu hinterfragen und sie zu "bearbeiten".

Das bewusste Einsetzen und Einbeziehen positiv empfundener Gefühle kann "eine Gesprächsatmosphäre herstellen, die dem Lernen und Miteinander Sprechen förderlich ist." (Zitat eines Menschen, der "guten Willens" ist).

Eine Herausforderung innerhalb des eigenen Glaubens

Christen wie Muslime sollten bei der Frage nach der Herausforderung auch den eigenen Glaubensweg reflektieren:

Sind wir offen und barmherzig genug, uns dem "Anderen" zu stellen.

1. Christen

Gehen alle Christen den vorgeschriebenen Weg, den Jesus lehrte - Schwerter zu Pflugscharen zu machen?

Liegt seine Botschaft "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst", mit dieser man das Neue Testament auf einen Nenner bringen kann, im Herzen eines jeden Christen verankert?

Ist es so, wie aus Phil 2,1-5 zu lernen?:

"Jeder achte nicht nur auf das eigene Wohl, sondern auch auf das der anderen."

"Und nicht in jener rechthaberischen Form, die dann dazu entartet, den anderen ständig zu beobachten - und zwar so richtig von oben herab- , sondern wirklich auf diese Art und Weise wie Paulus es schreibt: In Demut schätze einer den anderen höher ein als sich selbst...." (Dr. Sieger, Predigt vom 28./.29. September 2002 )

2. Muslime

Kennen alle Muslime tatsächlich den Koran?

Wissen sie alle um die Botschaft des Korans und des 'Hadith', die beide von Jesus als den "Messias", den "Verkünder des Evangeliums", den "Christus", das "Wort und Licht Gottes" lehren?

Wissen sie alle, dass ihm und "seinem" von Gott offenbartem Wort zu folgen im Koran als bindend geboten wird?

Vergessen einige Muslime nicht manches Mal, dass Koran und 'Hadith' - ihre verpflichtenden Worte Gottes und des Propheten (S) - auch Barmherzigkeit und Toleranz gegenüber den "Leuten der Schrift" - Juden und Christen - verkünden?

Und allem voran: Vergessen einige Muslime nicht auch manches Mal, dass 'Islam' nicht nur "Hingabe an Gott", sondern ebenso "Frieden" bedeutet?

Ganz gleich, wann wir uns für Gott und seine Gebote entscheiden, wann wir seinem Weg folgen - ob früher, oder später - wichtig allein ist, dass wir seinen Weg gehen, dass wir uns tatsächlich für ihn entscheiden.

Ob Muslim oder Christ - für beide gilt auf Grund ihrer Offenbarungen:

"Wer sich aufmacht, wer Jesus folgen möchte, wer glauben will, der erhält seinen Lohn." (Dr. Sieger, Predigt vom 21./22. September 2002 )

"Sprecht: 'Wir glauben an Allah und was Er zu uns niedersandte, und was Er niedersandte zu Abraham und Ismael und Issak und Jakob und den Stämmen, und was gegeben ward Moses und Jesus, und was gegeben ward den Propheten von ihrem Herrn. Keinen Unterschied machen wir zwischen ihnen; und wahrlich, wir sind Muslime." (Koran; Sure 2,130)

"O ihr Menschen, gekommen ist nunmehr zu euch ein Beweis (Jesus) von eurem Herrn, und hinabgesandt haben Wir zu euch ein deutliches Licht (Jesus)." "Was nun anlangt die, welche glauben und an Allah sich halten, wahrlich, führen wird Er sie in Seine Barmherzigkeit und Huld und wird sie leiten zu Sich eines rechten Weges." (Koran; Sure 4,174)

(S. Djannesari)

Bitte sagen Sie mir Ihre Meinung oder schreiben Sie mir ganz einfach. Meine Adresse lautet:
Dr. Jörg Sieger, Mannheimer Straße 54, D-76131 Karlsruhe,
Tel.: +49 (0721) 82105171, E-Mail: kontakt@joerg-sieger.de.