"Lichtblick im Alltag"

Anfang der 80er erlebte ich den Schachgroßmeister Ludek Pachmann. Er erzählte aus seinem Leben: überzeugter Marxist, dann zum christlichen Glauben gekommen, inhaftiert und gefoltert...
Altklug und gescheit, wie Theologen eben sind, fragte ein Kollege: "Sie haben jetzt so viel von Ihren Peinigern erzählt. Müssten Sie als Christ diesen Menschen jetzt nicht endlich vergeben?" Nach einem kurzen Moment völliger Stille kam die Antwort: "Ich hasse diese Menschen nicht mehr, vergeben kann ich ihnen nicht!"

"Groll und Zorn sind abscheulich, nur der Sünder hält daran fest.", heißt es im Buch Jesus Sirach (27,30).
Für Opfer von Gewalt muss solch ein Satz klingen, als würden die Täter am Ende freigesprochen, aber die Opfer, die nicht vergeben können, mit aller Härte des Gerichtes auch noch verurteilt. Jesus Christus weiß sehr wohl einzuschätzen, wo Menschen einfach nicht vergeben wollen oder wo Verletzungen so tief greifen, dass es eben das höchste der Gefühle ist, einen Peiniger nicht mehr zu hassen, nicht auf Rache zu sinnen und selbst Hand anlegen zu wollen.

 

 

 

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