"Höre ich was ich höre" - gut ein Jahr nach der Wahl: wie sieht es aus mit den Versprechen der Parteien und wer zahlt die Zeche.

Freitag, 22.10., 19.30 Uhr - St. Anton

Gottesdienst in der Antoniuskirche

Eingangslied: Wohl denen, die da wandeln "Gotteslob" Nr. 614, 1-2

Begrüßung

Bußakt

Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben, sondern es ist die Entscheidung, dass etwas anderes wichtiger ist als die Angst. Erbarme dich, Herr, unser Gott, erbarme dich....

Nachlass, Vergebung und Verzeihung unserer Sünden gewähre uns der allmächtige und barmherzige Herr. Amen.

Tagesgebet

Gott, durch das Licht deines Wortes vertreibst du das Dunkel der Unwissenheit. Mehre in unserem Herzen die Kraft des Glaubens, damit das Feuer, das deine Gnade in uns entfacht hat, durch keine Anfechtung ausgelöscht wird.. Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn und Bruder, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und wirkt in Ewigkeit. Gemeinde: Amen.

Lesung

Hört dieses Wort, die ihr die Schwachen verfolgt und die Armen im Land unterdrückt. Ihr sagt: Wann ist das Neumondfest vorbei? Wir wollen Getreide verkaufen. Und wann ist der Sabbat vorbei? Wir wollen den Kornspeicher öffnen, das Maß kleiner und den Preis größer machen und die Gewichte fälschen. Wir wollen mit Geld die Hilflosen kaufen, für ein paar Sandalen die Armen. Sogar den Abfall des Getreides machen wir zu Geld. Beim Stolz Jakobs hat der Herr geschworen: Keine ihrer Taten werde ich jemals vergessen. (Amos 8,4-7)

Antwortgesang: Sonne der Gerechtigkeit "Gotteslob" Nr. 644,1-3

Evangelium

Jesus zu den Leuten: Sobald ihr im Westen Wolken aufsteigen seht, sagt ihr: Es gibt Regen. Und es kommt so. Und wenn der Südwind weht, dann sagt ihr: Es wird heiß. Und es trifft ein. Ihr Heuchler! Das Aussehen der Erde und des Himmels könnt ihr deuten. Warum könnt ihr dann die Zeichen dieser Zeit nicht deuten? Warum findet ihr nicht schon von selbst das rechte Urteil? Wenn du mit deinem Gegner vor Gericht gehst, bemüh dich noch auf dem Weg, dich mit ihm zu einigen. Sonst wird er dich vor den Richter schleppen, und der Richter wird dich dem Gerichtsdiener übergeben, und der Gerichtsdiener wird dich ins Gefängnis werfen. Ich sage dir: Du kommst von dort nicht heraus, bis du auch den letzten Pfennig bezahlt hast.. (Lk 12,54-59)

Ansprache

Amos:

Ich habe vor fast dreitausend Jahren in Takoa gelebt. Mitten in meinem Leben hat Gott mich aus der Hängematte meines bescheidenen Wohlstands vertrieben. Bis dahin ist es mir gut gegangen, ich war nicht reich, aber ich hatte mein Auskommen hatte eine Familie und war mit Kindern gesegnet.

In diese ganz "normale" Lebenssituation hinein hat mich Gott wissen lassen, wohin es führt wenn Reiche immer habgieriger werden, wenn Gesetze nicht mehr dazu da sind Recht zu verschaffen, sondern so gebeugt werden, dass sie den Mächtigen in die Hände spielen. Er hat mich sehen lassen, was bei dieser Fehlleitung der Macht mit den ganz normalen und einfachen Menschen geschieht. Ihnen werden Steuern und Schuldzinsen aufgebürdet, bis ihr Hab und Gut aufgebraucht ist. Sie werden als Sklaven benutzt, die keinen oder ein so geringen Lohn nach Hause bringen, dass ihre Kinder arbeiten müssen, damit die Familie nicht verhungert. Ihre Arbeit hat keinen Wert. Krankheit ist gleichbedeutend mit finanziellem Ruin der Familie, man kann sich weder einen Arzt leisten noch Medizin.

Gleichzeitig feiern die Reichen und Mächtigen immer ausgelassenere und aufwendigere Feste. Häufen Besitz an, schwelgen im Überfluss. Haben Nahrung, Kleidung und Tand, die sie gar nicht verbrauchen können. Und das schlimmste dabei ist sie überlegen immer neue Möglichkeiten ihren Reichtum und ihre Macht zu vergrößern.

Der reiche Kaufmann hat die Gesetzeshüter voll im Griff. Sie sind abhängig von seinem Geld und selbst die Priester und die Gelehrten tanzen nach der Pfeife des Geldes.

Der kleine Bürger zahlt die Zeche.

Aus dem Koalitionsvertrag von CDU, CSU und FDP

Wir stellen den Mut zur Zukunft der Verzagtheit entgegen. Wir wollen unserem Land eine neue Richtung geben.

[...] Wir bekennen uns zur Sozialen Marktwirtschaft als Ordnung der Gesellschaft und Ordnung der Wirtschaft.

Die Soziale Marktwirtschaft ist ein Begriff aus längst vergangenen Zeiten. Die heutige Wirtschaft ist weder sozial noch gerecht, weil sie nicht den Bedürfnissen der Menschen dient, sondern der Profitmaximierung der Gierigen. Deutlichster Beweis hierfür ist die Finanzspekulation, die selbst vor der Manipulation der Nahrungsmittelpreise nicht zurückschreckt.

[...] Unser Leitbild ist die solidarische Leistungsgesellschaft, in der sich jeder nach seinen Fähigkeiten entfalten kann und Verantwortung übernimmt. Zugleich wollen wir den Zusammenhalt aller erhalten und stärken. Alle Menschen in unserem Land sollen die Chance auf wirtschaftlichen Erfolg, sozialen Zusammenhalt und ein Leben in Freiheit und Sicherheit haben. Deswegen steht der Mensch im Mittelpunkt unserer Politik. [...] Wir wollen, dass sich Leistung und Arbeit wieder lohnen.

Wie soll soziale Sicherheit entstehen mit einem 1-Euro-Job, mit Zeitarbeit und prekären Arbeitsverhältnissen, mit Lohndrückerei zugunsten globaler Profite? Wie sollen junge Menschen heute eine Familie gründen und ihr die notwendige Sicherheit gewähren, wenn von ihnen bedingungslose Flexibilität und die Unterordnung der eigenen Lebensplanung unter die Bedingungen des totalen Marktes verlangt wird?

Wo bleibt die Verantwortung aller gemäß ihrer Fähigkeiten angesichts der immer weiter auseinanderklaffenden Schere zwischen Arm und Reich? Wie soll sozialer Zusammenhalt gelingen, wenn der Millionär 300.- € Elterngeld bezieht, dieser Zuschuss aber dem Hartz-IV-Empfänger abgezogen wird?

[...] Wir wollen nachhaltiges Wachstum, um Wohlstand und soziale Gerechtigkeit zu sichern. […] Motor für Wachstum und Beschäftigung in Deutschland ist der Mittelstand. Deswegen setzen wir auf eine mittelstandsfreundliche Politik.

Die großen Konzerne, die mittlerweile fast gänzlich von Steuern befreit sind, entlassen zum Dank Tausende und verlagern ihre Produktion in Billiglohnländer und konkurrieren mittelständische Unternehmen, die in Deutschland verwurzelt sind, gnadenlos nieder. Sieht so nachhaltiges Wachstum aus? Wo bleibt da die Gerechtigkeit? Wo ist sie, die mittelstandsfreundliche Politik, die hier regulierend eingreift müsste?

[...] Wir praktizieren eine generationengerechte Finanzpolitik.

Mit der Subventionierung der Zockerbanken mit Hunderten von Milliarden? Die Staatsverschuldung ist ins Unermessliche gestiegen und belastet zukünftige Generationen in nie dagewesenem Maße. Trotzdem hat bis heute keiner stichhaltig erklären können, wieso die Bankenrettung systemrelevant war.

[...] Herkunft darf nicht über Zukunft entscheiden. Unser gesellschaftliches Ziel ist ein Deutschland, das zusammen hält. Wir wollen eine Gesellschaft mit Freiraum für Selbstbestimmung, für Kreativität und für ein neues Miteinander. [...] Das Zusammenleben von Einheimischen und Zugewanderten werden wir weiter verbessern und als Zukunftsaufgabe für beide Seiten begreifen.

Mit den Thesen von Sarrazin und den Zuwanderungsdebatten von Seehofer? Wieso nur lässt man die Brandstifter gewähren und sieht tatenlos zu, wie sich ein Klima breit macht, welches an Deutschlands schrecklichste Epoche erinnert? Heute jährt sich zum siebzigsten Mal der Tag, an dem die Bruchsaler Juden deportiert wurden. In unseren Städten häufen sich die rechtsradikalen Übergriffe, jeder zwanzigste Jugendliche fühlt sich vom rechtsradikalen Sumpf angezogen. Ist wirklich alles schon vergessen?

[...] Unsere Maßstäbe politischen Handelns sind: Freiheit in Verantwortung, Leistungsbereitschaft und Solidarität, Toleranz und Fairness, Heimatverbundenheit und Weltoffenheit.

All diese hehren Maßstäbe politischen Handelns enden spätestens an den Grenzen der Festung Europa. Dort nämlich werden mit vielen Millionen auch deutscher Steuergelder Abfanglager für Armutsflüchtlinge unterhalten. Während sich bei uns die Goldberge häufen, wachsen dort die Leichenberge. Aus den Augen, aus den Schlagzeilen, aus dem Sinn.

Wenn Menschenrechte nicht umgesetzt werden, wenn Flüchtlinge entrechtet unter uns leben, wenn Menschen ohne Papiere ausgeschlossen sind von allen menschenrechtlich verankerten Grundbedürfnissen, dann kann von Solidarität, Toleranz und Fairness keine Rede sein.

[...] Wir werden die Freiheit der Bürgerinnen und Bürger schützen und die Bürgerrechte stärken.

Man schützt die Freiheit der Bürger nicht, indem man friedlich demonstrierende Menschen mit Wasserwerfern halb blind spritzt. Man stärkt ihre Bürgerrechte nicht, wenn man anschließend die Polizeigesetze wegen angeblich immer radikaler werdender Demonstranten verschärft.

[...] Wir werden uns den Herausforderungen des Klimawandels stellen. [...] Wir werden den Umweltschutz mit neuen Technologien verbessern. [...] Wir gehen den Weg in das Zeitalter der regenerativen Energie.

Mit Atomkraftwerken und den Umweltschweinereien beim Uranabbau? Mit dem Leid, welches in den Herstellerländern ahnungslosen Eingeborenen zugefügt wird? Mit dem ungelösten Problem des Jahrtausende lang strahlenden Abfalls? Mit Kohlekraftwerken und der ebenso aberwitzigen Idee, das CO2 unter die Erde oder in die Tiefsee zu verfrachten?

Wer redet noch von den Herausforderungen des Klimawandels? Leider trifft er die am härtesten, die am wenigsten dazu beigetragen haben. Und auf den Klimakonferenzen wird gefeilscht und geschachert, um im Klub der Industrieländer nur ja nicht ins Hintertreffen zu geraten, während man den aufstrebenden Schwellenländern vorschreiben will, wie Klimapolitik auszusehen hat.

[...] Bildung ist ein Schlüssel zur persönlichen Entfaltung, [...]. Deshalb wollen wir die Bildungsrepublik Deutschland. [...] Unser Ziel sind faire Startchancen für alle Kinder. [...] Bildung darf keine Frage der Herkunft oder des Einkommens sein.

20% der Kinder gelten als arm, und das in einem der reichsten Länder der Erde! Wie sollen faire Startchancen für alle verwirklicht werden, wenn in den Kindergärten und Schulen an gut ausgebildeten Fachkräften gespart wird? Merkt wirklich keiner, dass hier die Fehler gemacht werden, wenn später Fachkräfte fehlen?

Und wenn pro Jahr tausend Euro Studiengebühren fällig werden, wie soll da Bildung keine Frage des Einkommens sein?

[...] Wir werden die sozialen Sicherungssysteme zukunftsfest machen.

Durch Aushöhlung des Solidarpaktes? Durch die Privatisierung der Gesundheitsvorsorge? Durch die Stigmatisierung von Menschen, die von der globalisierten Wirtschaft wie Müll aus dem Arbeitsleben ausgesondert wurden?

[...] Die Familie bleibt das Fundament unserer Gesellschaft, die auf Zusammenhalt gründet. Die Familien sind Leistungsträger in unserem Land. Wir wollen ihre wirtschaftliche und soziale Leistungsfähigkeit stärken.

Wie soll ein junger Mensch mit Zeitarbeitsjob eine Familie gründen? Wie sollen stabile familiäre Beziehungen entstehen, wenn die totale Anpassung an die sogenannten Bedürfnisse des Marktes Vorraussetzung ist, überhaupt noch eine Arbeit zu bekommen? Wie sollen Väter und Mütter für ihre Kinder da sein, wenn sie gezwungen werden, zugunsten des 24-Stunden-Shoppings bis spät abends oder sogar nachts und sonntags zu arbeiten?

Und ein letzter wichtiger Satz:

[...] Alle Maßnahmen des Koalitionsvertrages stehen unter Finanzierungsvorbehalt.

Amos:

Gott hat mich zu den Mächtigen und Reichen gesandt. Aufrütteln sollte ich sie, ihnen klar machen, dass nur gerechte und soziale Verhältnisse das Überleben eines Volkes sichern können. Gerechte Verteilung der Ressourcen unserer Erde, das Recht eines jeden auf Bildung, auf Würde, auf Unversehrtheit, auf Schutz, das ist das Recht, das Gott allen Menschen zubilligt und was er für die Menschen will.

Damals ist es mir nicht gelungen die Herrschenden wachzurütteln und zur Umkehr zu bewegen.
Sie haben ihr Volk geschwächt und angreifbar gemacht. Sie haben schließlich allen Reichtum, allen Besitz und auch Menschen verloren.

Euch Christen heute möchte ich mit auf den Weg geben, beschränkt eure Kraft nicht auf schön formulierten Fürbitten und Gebete Versucht so zu handeln wie Gott es uns aufgibt. Die Richtschnur unseres Handelns muss Gerechtigkeit und ein soziales Miteinander heißen. Da können wir auch im Kleinen etwas bewegen. Da ändere ich etwas, wenn ich nicht nur nach meinem Vorteil strebe und wenn ich danach schaue, dass in meinem Umfeld keiner durch ein Raster fällt.. Und wenn wir uns auch sehr klein gegenüber den Mächtigen dieser Welt fühlen, so fühlen wir uns stark in Gott und von Gott getragen. Die Kraft liegt in der Unerschrockenheit und der Unermüdlichkeit Gottes Gesetze zu unserer Lebensweise zu machen.

(Erika Gerken und Bernhard Köhler)

Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott der die welt nicht fertig geschaffen hat
wie ein ding, das immer so bleiben muss
der nicht nach ewigen gesetzen regiert die unabänderlich gelten
nicht nach natürlichen ordnungen von armen und reichen, sachverständigen und uniformierten, herrschenden und ausgelieferten
ich glaube an Gott
der den widerspruch des lebendigen will und die veränderung aller zustände
durch unsere arbeit - durch unsere politik

Ich glaube an Jesus Christus der recht hatte als er
"ein einzelner der nichts machen kann" genau wie wir
an der veränderung aller zustände arbeitete und darüber zugrunde ging
an ihm messend erkenne ich wie unsere intelligenz verkrüppelt
unsere fantasie erstickt - unsere Anstrengung vertan ist
weil wir nicht leben wie er lebte
jeden tag habe ich angst, dass er umsonst gestorben ist
weil wir seine revolution verraten haben
in gehorsam und angst vor den behörden
ich glaube an Jesus Christus der aufersteht in unser leben,
dass wir frei werden von vorurteilen und anmaßung - von angst und hass
und seine revolution weiterführen auf sein reich hin

Ich glaube an den Geist der mit Jesus in die welt gekommen ist
an die gemeinschaft aller völker und unsere verantwortung
für das was aus unserer erde wird
ein tal voll jammer hunger und gewalt oder die stadt gottes
ich glaube an den gerechten frieden der herstellbar ist
an die möglichkeit eines sinnvollen lebens für alle menschen
an die zukunft dieser welt Gottes. Amen

Fürbitten (frei)

Gabenbereitung: Was uns die Erde Gutes spendet "Gotteslob" Nr. 490,1-3

Gabengebet

Hochgebet

Sanctus: "Gotteslob" Nr. 491

Friedensgruß

Viele Menschen leiden unter Armut, Ungerechtigkeit, Machtlosigkeit, Terror und Krieg. Wir Menschen schaffen es nicht, unter uns Frieden zu halten. Unsere Hoffnung liegt auf unserem Erlöser Jesus Christus. Er bringt uns und allen Menschen Gerechtigkeit, Frieden und Heil.

Dieser Friede Jesu Christi sei mitten unter uns.

Agnus

Kommunion

Gebet nach der Kommunion von Anton Rotzetter

Lied nach der Kommunion: Komm Herr, segne uns

Segen

Wir bitten Gott um seinen Segen:
Der Vater halte seine fürsorgenden Hände über uns, er schenke uns seinen liebevollen Blick
Der Sohn stärke unser Vertrauen und unsere Hoffnung,
der Heilige Geist schenke uns lebendige Gemeinschaft und begleite uns auf dem Weg durch die Zeit.

Austausch im Bernhardussaal

Der Abend schloss mit einem Impuls in der  Antoniuskirche

 
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