Sieben-Wochen-Prozess

Dienstag, 23. Juni 2009



Der Gottesdienst zum Anhören (70:20 min)



Die Lesungstexte

Hört dieses Wort, ihr Baschankühe auf dem Berg von Samaria, die ihr die Schwachen unterdrückt und die Armen zermalmt und zu euren Männern sagt: Schafft Wein herbei, wir wollen trinken. Bei seiner Heiligkeit hat Gott, der Herr, geschworen: Seht, Tage kommen über euch, da holt man euch mit Fleischerhaken weg, und was dann noch von euch übrig ist, mit Angelhaken. Ihr müßt durch die Breschen der Mauern hinaus, eine hinter der andern; man jagt euch dem Hermon zu - Spruch des Herrn. Kommt nach Bet-El, und sündigt, kommt nach Gilgal, und sündigt noch mehr! Bringt jeden Morgen eure Schlachtopfer herbei, bringt am dritten Tag euren Zehnten! Verbrennt als Dankopfer gesäuertes Brot! Ruft zu freiwilligen Opfern auf, verkündet es laut, damit man es hört! Denn so gefällt es euch, ihr Söhne Israels - Spruch Gottes, des Herrn. (Amos 4,1-5)

Als sich Jesus wieder auf den Weg machte, lief ein Mann auf ihn zu, fiel vor ihm auf die Knie und fragte ihn: Guter Meister, was muß ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen? Jesus antwortete: Warum nennst du mich gut? Niemand ist gut außer Gott, dem Einen. Du kennst doch die Gebote: Du sollst nicht töten, du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht falsch aussagen, du sollst keinen Raub begehen; ehre deinen Vater und deine Mutter! Er erwiderte ihm: Meister, alle diese Gebote habe ich von Jugend an befolgt. Da sah ihn Jesus an, und weil er ihn liebte, sagte er: Eines fehlt dir noch: Geh, verkaufe, was du hast, gib das Geld den Armen, und du wirst einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach! Der Mann aber war betrübt, als er das hörte, und ging traurig weg; denn er hatte ein großes Vermögen. Da sah Jesus seine Jünger an und sagte zu ihnen: Wie schwer ist es für Menschen, die viel besitzen, in das Reich Gottes zu kommen! Die Jünger waren über seine Worte bestürzt. Jesus aber sagte noch einmal zu ihnen: Meine Kinder, wie schwer ist es, in das Reich Gottes zu kommen! Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als daß ein Reicher in das Reich Gottes gelangt. Sie aber erschraken noch mehr und sagten zueinander: Wer kann dann noch gerettet werden? Jesus sah sie an und sagte: Für Menschen ist das unmöglich, aber nicht für Gott; denn für Gott ist alles möglich. (Lukas 10,17-27)

Die Predigt

Ist es tatsächlich so? Sind die Armen automatisch die Guten? Und sind Reiche automatisch schlecht?

Wenn man die Bibel aufschlägt, dann kann man sich dieses Eindrucks nicht erwehren. Und von Jesus her muss zumindest gesagt werden, dass sie es schwer haben, die Reichen - schwerer als andere.

Liebe Schwestern und Brüder,

das hängt vielleicht schon damit zusammen, dass Reichtum - wirklicher Reichtum - nach biblischem Ideal gar nicht vorgesehen ist. Jenseits der Mächtigen, der Herrscher, der Könige, die meist in ganz düsteren Farben geschildert werden, zeichnet die alttestamentliche Überlieferung eigentlich nur drei Mal das Bild eines reichen Mannes in Israel.

Einer von ihnen ist ein gewisser Elischa, der so wohlhabend gewesen ist, dass er mit zwölf Gespannen gleichzeitig zu pflügen in der Lage war. Als ihn der Prophet Elija zu seinem Nachfolger beruft, war man gerade beim Pflügen. Und Elischa pflügte selbst mit seinen Leuten zusammen und führte das zwölfte Gespann (1 Könige 19,19).

Er saß nicht im Haus. Es waren nicht seine Bediensteten. Er pflügte mit seinen Leuten gemeinsam. Auch für den wohlhabenden Israeliten, der mit zwölf Gespannen zugleich pflügen konnte, war sein Besitz - nach biblischem Ideal, nicht eine Möglichkeit, Reichtum zu erwerben. Er war die Grundlage für seine eigene Arbeit - seine eigene, freie Arbeit.

Die Bibel wird nicht müde, den Menschen den Wert, dieses ungeheure Gut, die Bedeutung der Arbeit in Freiheit in Erinnerung zu rufen. Auf dem Hintergrund der Erfahrung, einmal Sklaven in Ägypten gewesen zu sein, war dies für die Israeliten ganz besonders wichtig: Für jeden ein Stück des Landes als Eigentum. Und auf diesem Land ist er frei und kann seiner Arbeit nachgehen. Und dieses Land soll so bemessen sein, dass jeder so gut davon leben kann, dass er und seine Familie darüber hinaus Zeit, Kraft und Mittel für Gemeinschaftsaufgaben übrig haben.

Ein rechter Israelit sollte ein "gibbor chajil" sein. Das meint vom Wort her zunächst einmal jemand, der sich im Kriegsfall selbst ausrüsten kann. Damit aber ist letztlich jemand umschrieben, der mehr besitzt als das, was er gerade für den eigenen Lebensunterhalt benötigt. Ihm steht so viel zur Verfügung, dass sein Besitz nicht nur Grundlage seines Wohlstandes ist, sondern ihm die Möglichkeit bietet das Seine zum Wohl der Allgemeinheit beizutragen.

Nach Vorstellung der Bibel muss jeder in der Lage sein, das Dach des Hauses mitzutragen, weil er selbst als Pfeiler des einen Hauses auf beiden Beinen mit festem Stand auf seinen Füßen steht.

Ich kann mir das gut vorstellen, denn ich selbst glaube noch eine Zeit erlebt zu haben, in der das auch bei uns gar nicht so viel anders war. Wenn ich zurückdenke an meine Kinder- und Jugendtage, dann gab es bei uns am Ort durchaus einige, die mehr hatten, und ein paar, die mit sehr wenig auskommen mussten. Aber die Ausreißer nach oben oder nach unten waren vergleichsweise gering.

Natürlich mussten wir mit dem Gehalt eines Arbeiters ganz anders rechnen als andere - aber wir fuhren in Urlaub, sogar nach Italien. Und so viel schlechter war unsere Mietwohnung auch nicht, als das bescheidene Eigenheim, in dem der Sohn des Stadtkämmerers aufwuchs. Und beim Sohn des Bankdirektors war ich zum Geburtstag eingeladen, aber ich brauchte mich nicht zu schämen, weil dessen Outfit so viel anders gewesen wäre als das meine.

Ich denke Sie wissen, was ich meine. Es gab in den ersten Jahrzehnten nach dem Krieg bei uns hier eine ganz starke Mittelschicht - weit stärker vermutlich als in vielen anderen europäischen Gesellschaften. Und vielleicht fällt hier die Entwicklung der letzten Jahre deshalb auch ganz besonders stark und auch besonders unangenehm auf. Denn genau diese Mittelschicht unserer Gesellschaft, die dem biblischen Ideal vom gesunden Wohlstand durchaus sehr nahe kommt, genau diese Mittelschicht bricht uns im Augenblick dramatisch weg.

An ihre Stelle ist eine ungute Schere getreten, die immer weiter auseinander klafft, bei der die, die haben, immer mehr haben, denen aber, die nicht haben auch noch das wenige, das ihnen geblieben ist, verloren geht.

Natürlich ist das so: Wir sitzen schon lange nicht mehr auf der Insel der bundesrepublikanischen Idylle. Im Zeitalter der Globalisierung weht ein anderer Wind. Die Zeiten sind halt andere geworden.

Die Zeiten ja - die Grundsätze aber nicht.

Immer wieder wird - von Medien, von Politikern, von Menschen jeglicher Couleur - in den letzten Jahren betont, wie wichtig gerade heute unsere alten Werte sind. Aber dann bitte ich auch genau hinzuschauen, was das denn für Werte sind. Wer vom christlichen Abendland spricht und den christlich abendländischen Werten, der kommt um die Bibel und Ihr Wertemodell in Gottes Namen nicht herum.

Gewinn aber ist kein biblischer Wert. Erfolg bemisst sich nach biblischen Maßstäben nicht an der Höhe des erzielten Gewinnes. Ich kann es nicht oft genug betonen: Nach biblischen Maßstäben haben wir allein dann erfolgreich gewirtschaftet, wenn alle versorgt sind!

Das Zerrbild dieses biblischen Ideals zeichnet der Prophet Amos in seiner Predigt, um die Mitte des 8. vorchristlichen Jahrhunderts. Er stellt uns eine Gesellschaft vor Augen, wie er sie offenbar erlebt. Und er tut es auf wenig schmeichelhafte Art und Weise. Er spricht einerseits von Menschen, die nicht mehr das nötigste zum Leben zusammenkratzen können, und stellt ihnen die angesehene, die feine Gesellschaft der einflussreichen Damen und Herren seiner Zeit gegenüber.

Und die Damen dieser Gesellschaft, vergleicht er überaus pointiert mit den wohlgenährten, fetten Zuchtkühen der saftigen Weiden in Baschan. "Hört dieses Wort, Ihr Baschankühe!" Denn wo diese Kühe sich niederlassen, dort wird jeder andere völlig zerquetscht.

In dieser Gesellschaft ist nicht mehr davon die Rede, dass einer mit seinen Leuten gemeinsam pflügt. Man lässt arbeiten und lebt von der Arbeit anderer. Und vor allem: man interessiert sich nicht mehr für die Arbeit der anderen, ihre Lebensumstände und wie sie ihr Leben meistern oder eben auch nicht mehr meistern. "Schafft Wein herbei, wir wollen trinken!" heißt es da nur noch - und woher dieser Wein stammt, wem man ihn abgenommen hat, oder wer dafür ausgepresst worden ist, das ist völlig egal!

Solch ein Reichtum hat in der biblischen Gesellschaft, nach dem biblischen Ideal - in Gottes Ordnung - keinen Platz.

Da können jene Damen und Herren noch so oft zum Tempel in Gilgal laufen, noch so viele Opfer in Bet-El darbringen, noch so große Gaben in die Spendenkörbchen werfen - ein gottgefälliges Tun wird es nie werden. Wie sagt es der Prophet: Verkündet es laut, damit man es hört! So gefällt es Euch - nicht etwa Gott!

Allein Gott gefällig ist es, wenn Menschen aufeinander achten, sich gegenseitig stützen und dafür sorgen, dass niemand unter die Räder kommt.

Das große Heer der biblischen Vorschriften dient letztlich allem voran genau diesem Anliegen. Es geht der Bibel nie zuerst um Gott. Es geht allem voran um das Wohl des Ganzen, um das Wohl der Menschen. Das Gros der Vorschriften dient diesem einen Anliegen.

Und nicht zuletzt die Anordnung des Ruhetages für alle.

"Wenn einer von euch einen Sklaven hat, der pflügt oder das Vieh hütet, wird er etwa zu ihm, wenn er vom Feld kommt, sagen: Nimm gleich Platz zum Essen? Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Mach mir etwas zu essen, gürte dich, und bediene mich; wenn ich gegessen und getrunken habe, kannst auch du essen und trinken." (Lukas 17,7-8)

Das war die Wirklichkeit! Keiner der Zuhörer wird widersprochen haben, als Jesus diese Gleichnis damals erzählt hat. Das war die Wirklichkeit von den Anfängen der Menschheit bis auf den heutigen Tag. Es gibt Herren, die sind zu bedienen, und es gibt Diener oder gar Sklaven - und die haben zu dienen.

Es gab keine Gesellschaft in der alten Welt, die keine Sklaven kannte. Auch in Israel gab es sie. Angehörige des eigenen Volkes zu versklaven war verpönt. Sklaven aber hatte man nichtsdestoweniger. Weit weniger zahlreich, als in anderen Kulturen, aber wie selbstverständlich wurden auch in Israel Fremde, Ausländer, als Sklaven gehalten. Das Schicksal der Sklaven in Israel war nicht weniger grausam als das derjenigen an allen Orten der Erde und zu allen Zeiten.

Eines aber genossen die Sklaven in Israel im Unterschied zu denen der ganzen übrigen Welt: Sie hatten einen Ruhetag! So heißt es im Buch Exodus:

"Sechs Tage darfst du schaffen und jede Arbeit tun. Der siebte Tag ist ein Ruhetag, dem Herrn, deinem Gott, geweiht. An ihm darfst du keine Arbeit tun: du, dein Sohn und deine Tochter, dein Sklave und deine Sklavin, dein Vieh und der Fremde, der in deinen Stadtbereichen Wohnrecht hat." (Exodus (=2. Buch Mose) 20,8-10)

Er ist dem Herrn geweiht, dieser Ruhetag, aber er ist für die Menschen gemacht! Es geht auch hier nicht in erster Linie um Gott, es geht um die Menschen. Es geht darum, dass alle, nicht nur die Herren, nicht nur die, die es sich leisten können, es geht darum, dass alle einen Tag der Ruhe und der Erbauung, des Auftankens und der Erholung haben.

Überall dort, wo heute damit argumentiert wird, die Möglichkeit zum Besuch der Gottesdienste am Sonntag ist ja immer sichergestellt, überall dort haben Menschen absolut nicht kapiert, um was es wirklich geht. Es geht beim Ruhetag nicht um den Gottesdienst es geht um eine gesamtgesellschaftliche Errungenschaft, einen gemeinsamen Ruhetag, der wahrhaft ein Gottesgeschenk ist.

Und ich brauche kein Prophet zu sein, um klar zu sehen, was alles kaputt gehen wird, wenn wir diesen gemeinsamen Tag noch weiter aushöhlen, als es jetzt schon der Fall ist. Es sind nicht nur unsere Vereine, es sind nicht nur zahlreiche kulturellen Ereignisse, die uns immer mehr abhanden kommen werden. Es werden unsere Familien sein, die schon jetzt Mühe haben, wieder einmal gemeinsam etwas zu unternehmen und zu erleben. Es wird unsere Gesellschaft sein, die ja schon jetzt in Geschäftigkeit und Hektik ertrinkt, und es werden ganz konkrete Menschen sein, die am Ende dabei auf der Strecke bleiben.

Alles, was jetzt als Argument genannt wird, um da eine Ausnahmegenehmigung zu erringen oder dort ein Schlupfloch zu finden, lässt sich am Ende auf nichts anderes zurückführen, als das, was der Prophet Amos schon vor über zweieinhalbtausend Jahren, fast schon karikiert hat: "Ihr sagt: Wann ist das Neumondfest vorbei? Wir wollen Getreide verkaufen. Und wann ist der Sabbat vorbei? Wir wollen den Kornspeicher öffnen, das Maß kleiner und den Preis größer machen und die Gewichte fälschen. Wir wollen mit Geld die Hilflosen kaufen, für ein paar Sandalen die Armen. Sogar den Abfall des Getreides machen wir zu Geld." (Amos 8,5-6)

Am Ende geht es einzig und allein und immer um den Profit.

Und all die schönen Beteuerungen, dass ja niemand, der nicht möchte, am Sonntag arbeiten muss, bleiben hohl und leer. Ganz gleich ob Sonntag oder verlängerte Öffnungszeiten unter der Woche, wer kann es sich denn wirklich erlauben, "Nein!", zu sagen, wenn es von oben angeordnet wird.

Das fängt ja schon heute Abend hier bei uns an. Wer aus dem Einzelhandel ist denn noch in der Lage, zu einer Veranstaltung wie dieser um 19.30 Uhr wirklich zu kommen?

Wir machen uns am Ende alles kaputt. Und nicht zuletzt uns selbst.

Vor Jahren fiel mir in London bereits ein Geschäft auf, das immer geöffnet hatte, immer, wenn ich daran vorbei kam - ob das morgens um 6 Uhr war, oder abends um halb zwölf. Und es war immer der Chef und die Chefin, die hinter der Theke standen. Und als ich sie daraufhin angesprochen habe, ob sie denn nie geschlossen hätten, bekam ich entwaffnend zur Antwort: "Wir nehmen lieber das Geld, als den Schlaf!"

Wir machen uns am Ende alles kaputt. Und nicht zuletzt uns selbst!

Die Bibel weiß sehr wohl - Gott weiß sehr wohl, dass man uns vor uns selber schützen muss. Wir brauchen Grenzen, wir brauchen Regeln, wir brauchen klare Leitlinien für unser Leben.

Im Blick auf die Kinder in unseren Kindergärten sehen wir das alle ein. Gott bewahre, wenn unsere Erzieherinnen damit beginnen würden, die Kinder alles machen zu lassen, was ihnen gerade einfällt! Kinder brauchen Grenzen!

In vielfacher Hinsicht bleiben wir ein Leben lang Kind!

Gott weiß sehr wohl darum. Und vieles von dem, was er uns sagt und durch die Propheten sagen lässt, ist deshalb aufgeschrieben worden, um uns vor uns selbst und vor der eigenen Dummheit zu schützen.

Und damit sind wir - Sie mögen es glauben oder nicht - bei der Beantwortung der Eingangsfrage angelangt: Bei der Frage nach dem Reichen nämlich und warum es der Reiche häufig schwerer hat, als der Arme.

Es ist seine Dummheit. Oder sagen wir Arroganz, seine Vermessenheit?

Wer alles hat, der ist gewohnt auch alles zu bekommen. Nicht als Geschenk, nicht als Wohltat, sondern einfach weil er es kaufen kann. Weil er die Mittel dazu hat, die Dinge auch entsprechend zu beanspruchen.

Erinnern Sie sich an Jesus und den reichen Jüngling aus dem Evangelium? Seine Frage war, was muss ich tun, was muss ich leisten, um das ewige Leben zu gewinnen.

Es gibt wohl keinen Reichen, der glaubt, er habe seinen Reichtum nicht verdient. Ein bekannter, schon längst verstorbener deutscher Politiker wurde in einer Talkshow einmal gefragt, woher er denn seinen Reichtum habe. Und er gab zur Antwort und das allen Ernstes: "Ich habe mein Geld eben zusammengehalten!"

Wer hat, glaubt deshalb zu haben, weil er auch etwas dafür getan hat. Und da legt er großen Wert darauf, denn geschenkt bekommt man auf dieser Erde nichts.

Und so geht er auch auf Jesus zu, dieser reiche Jüngling, im festen Bewusstsein, alles getan zu haben für das ewige Leben. Und er will von Jesus eigentlich auch nur die Bestätigung dass er es doch jetzt auch wirklich verdient habe. Jesus macht ihm klar, dass ihm das nie gelingen wird. Von Gott gibt es nichts zu kaufen und vor ihm gibt es auch keinen Verdienst.

Die Armen sind wohl kaum besser als die Reichen. Es gibt unter ihnen wahrscheinlich genauso viele Haderlumpen, wie unter den oberen Zehntausend. In den Slums regieren die gleichen Ellenbogen, wie in den Chefetagen der Finanzwelt.

Mit einem aber tun sich diejenigen, die selber nichts haben, sehr viel leichter, als die anderen: Sie wissen, dass sie nichts vorzuweisen haben!

Wer hat vergisst sehr schnell, dass es nicht darum geht, ab und an ein Almosen zu geben, und dass Almosengeben nicht besonders verdienstvoll ist. Es ist vielmehr unsere gemeinsame und verdammte Pflicht und Schuldigkeit, dafür zu Sorge zu tragen, dass jeder und jede ihr Auskommen haben.

Wer hat, der bildet sich sehr schnell ein, auch vor Gott zu den Habenden, den Guten zu gehören. Und er vergisst sehr oft, dass vor Gott nur eine Haltung wirklich angemessen ist, die nämlich, die Jesus selbst so formuliert: Wenn Ihr alles getan habt, sagt er, dann sagt: unnütze Sklaven sind wir, denn wir haben schließlich nichts anderes, nichts anderes als unsere Schuldigkeit getan. (Vgl. Lukas 17,19)

Amen.

 
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