Wie geht’s weiter?

8. Januar 2011 - 20:30 Uhr

17 Leute fanden sich am 5. Januar 2011 zusammen, um miteinander zu überlegen, wie der Weckruf-Wegruf von 2009 und 2010 fortgeführt und weiterentwickelt werden kann.

Hier einige Notizen von den Überlegungen des Abends.

Thesen

Konkretionen

Was nicht verlorengehen sollte

Erika Kerstner


Was sollen wir denn tun?

17. November 2010 - 17:04 Uhr

Gestern, am 16.11., war der vorläufig letzte geplante Abend der Weckruf-Wegruf-Reihe. Hat jemand Interesse weiterzumachen und mitzuüberlegen, ob und wie es weiter gehen könnte?

Am 5. Januar 2011 ist um 19.30 Uhr dazu ein Treffen im Pfarrheim St. Peter anberaumt, um genau diese Fragen zu besprechen!!!

Dazu lade ich alle Interessierten herzlich ein.

Marieluise Gallinat-Schneider


Treffen am 16.11.2010

17. November 2010 - 09:39 Uhr

Unser Thema am letzten Abend war: ”Auch Soldaten fragten ihn: Was sollen denn wir tun?” Lk 3,14 -”Friedensdienst, Wehrdienst, Kriegsdienst”. Ein emotioales Thema! Es begann mit einem Text von Wolfgang Borchardt “Sag nein” und dazu viele Bilder von Krieg, Bilder, die anrührten. Danach kamen die 2 Lesungen, eine eher pro Wehrdienst und nach dem Evangelium zwei sehr persönliche Statements, einmal die Verweigerung aus den 80ger Jahren vorgelesen, einmal die Antwort auf die Frage, warum bin ich zur Bundewehr gegangen. Da war kein Raum für Streit. Wir gingen danach mit ca 30 Leuten ins Pfarrzentrum und hatten einen gut vorbereiteten Abend mit vielen Bibeltexten und Powerpointpräsentation. Die Frage nach Berufsarmee, Abschaffung der Bundeswehr, Rüstungsindustrie, Auslandseinsätzen, persönlicher Verteidigung, die Frage nach Feindbildern, vieles kam ins Gespräch. Manche hätten sich hier auch mehr die persönliche Seite gewünscht. Bis 23.30 Uhr ging es noch weiter. Schade, dass es nicht so trägt, wie wir es 2009 erwartet hatten, aber es war ein sehr dichter Abend.


Treffen am 22.10.10

23. Oktober 2010 - 10:51 Uhr

Es ging um die Frage: “höre ich, was ich höre” – Bilanz ein Jahr nach der Bundestagswahl. Im Gottesdienst hörten wir den Propheten Amos, dazu Auszüge aus dem Koalitionsvertrag, versehen mit Kommentaren. Im Anschluss gingen wir in den Bernhardussaal und redeten über unsere Bilanz. Zum Eingang sahen wir den Film “Money makes the world go round” und sind über die dort getroffenen Aussagen, dass die Privatisierung von Stadtwerken etc für uns von großem Schaden ist und über die Finanzgebaren ins Gespräch gekommen. In dem Film kommt ja Hermann Scheer zu Wort, der diese Woche verstorben ist.

Wir haben festgestellt, dass die Menschen ein Jahr nach Beginn der schwarz-grünen Koalition so verdrossen sind, dass sie sich auf ihre guten alten Rechte besinnen und anfangen, zu demonstrieren. Gestern war ja auch der erste Verhandlungstag in Stuttgart zu Stuttgart 21, so dass dieses Thema natürlich auch zur Sprache kam. Dort gehen die Menschen auf die Straße, auch gegen Atomkraft gehen die Menschen wieder demonstrieren. Vielleicht ist es so, dass ähnlich wie in der DDR bei deren Ende, dann, wenn der Spielraum in der Politik zu eng wird und die Zustände desolat sind, die Menschen sich doch darauf besinnen, etwas zu sagen.

Wir sprachen auch über die Streiks in Frankreich und die Neigung der Franzosen, sich weniger gefallen zu lassen, als wir Deutschen.

Auch Peru kam zur Sprache und die Tatsache, dass es auch dort leider keine Solidarität der Wohlhabenderen mit den Armen gibt.

Wir haben über die Frage nach Revolution geredet, über Widerstand, über Gewaltlosigkeit und darüber, wann es legitim ist, Mittel der Gewalt einzusetzen.

Wir waren der Meinung, dass es Bereiche gibt, wo der Einzelne etwas ändern kann. Im Moment läuft in der ARD ja gerade die Themenwoche über Essen. Wenn es dort heißt 40 % der Kartoffeln bleiben auf dem Acker, weil sie den Normmassen nicht entsprechen, dann können wir was tun, indem wir in Hofläden und auf dem Markt eben auch Obst und Gemüse kaufen, das nicht den Normen entspricht oder indem wir unsere Bäcker nicht zwingen um 18 Uhr noch das gesamte Sortiment an Brot und Brötchen zu haben. Wir können auch unsere Bank sorgfältig aussuchen und unser Geld nach ethischen Gesichtspunkten anlegen, sauberen Strom beziehen etc.

Wenn es um die großen Widerstände geht, sind wir nur erfolgreich, wenn wir uns zusammentun. Wir waren auch der Auffassung, dass es Aufgabe von Kirche ist, sich Gehör zu verschaffen und klar zu machen, dass Menschen, die sich am Evangelium Jesu Christi orientieren, nie einfach nur staatstreu sein können, denn das steht oft im Widerspruch zueinander.

Es war eine angeregte Runde, in der klar war, beim reden kann es nicht bleiben.


Treffen am 23.09.10

24. September 2010 - 11:37 Uhr

Im Caritasmonat war das Thema auch die Gemeindecaritas. Vom Caritasverband war die Referentin für Caritas der Gemeinden mit beteiligt. Unser Pfarrgemeinderat, der sich im April konstituiert hat, hat auch wieder einen Sachausschuss Caritas aktiviert und da war ohnehin die Frage, wie geht es mit dem Thema weiter, so dass die Mitglieder auch den Abend gestalteten.

Interessant wurde es zudem dadurch, dass Dona Augustina, die Katechetin unserer Partnergemeinden momentan unsere Pfarrei besucht und mit teilnahm und von ihren Bemühungen in Peru berichtete.

Wir haben festgestellt, dass durch die Verabschiedung von der Volkskirche unsere Gemeinden fast auch schon bei der Form von Arbeit wie Freikirchen angelangt sind. Jörg Sieger sagte, er habe bemerkt, dass er eigentlich immer mit 150 Personen eng zusammengearbeitet hat, sei es als Vikar in der Jugendarbeit, als Hochschulpfarrer oder hier. Mit mehr ist ein intensives Miteinander und ein Umeinanderwissen nicht mehr möglich. Wir erreichen aber auch kaum mehr Leute in dieser Form, also so, dass sie auch regelmäßig erscheinen. Wir haben z.B. für unseren Schulanfängergottesdienst vor den Ferien in den Kindergärten 60 Flyer bei den Schulabgängern gestreut und nun nach den Ferien in den Schulen 150 Flyer. Letztendlich kamen ca 50 Personen, davon 30 Kinder, die aber alle aus Familien sind, mit denen bereits Kontakt besteht, da war die Mutter, deren große Tochter dieses Jahr zur Kommunion gegangen ist, die Elternbeiratsvorsitzende vom Kindergarten… D.h. die Familien sind bekannt.

Nun auf Caritas bezogen, kam die Idee auf, ähnlich wie in Freikirchen, sonntags vor dem Gottesdienst daraufhinzuweisen, wenn Menschen für bestimmte Probleme gesucht werden, also Frau XY braucht jemanden zum Einkaufen, Herr Z möchte besucht werden, Familie K. hat folgendes Problem. Wir schaffen es nämlich nicht, eine Caritasgruppe aus dem Boden zu stampfen, die wie früher im Wohnvierteilapostolat flächendeckend unsere 6-7000 Katholiken erreicht. Aber viele Menschen engagieren sich punktuell und sind bereit, dann einzuspringen. Daher sollten wir überlegen, wie sammeln wir diejenigen und vermitteln sie an die, die etwas brauchen. In Bruchsal gibt es eine Tauschbörse, da funktioniert das ähnlich, nur sollte man dort natürlich auch etwas bieten, wenn man etwas braucht, wir haben aber Menschen, die bereit sind, etwas von ihrer Zeit zu geben und Menschen, die nichts geben können, aber Hilfe benötigen. Wobei das mit dem nichts geben auch falsch ist, Besuche bei alten Menschen können auch diejenigen bereichern, die besuchen!

(Ise)


Treffen am 13.7.10

13. Juli 2010 - 22:48 Uhr

Bei hohen Temperaturen trafen wir uns zunächst in der Paulsukriche. Ich habe dort eine Ansprache gehalten, um schon mal aufs Thema hinzuführen. Es lautete: “Propheten heute – in Literatur, Kunst und der gesellschaftlichen Wirklichkeit” Die Ansprache ist zu lesen unter: http://www.joerg-sieger.de/gallinat/texte/100713.htm

Danach gingen wir mit 25 Menschen in den Saal. Beim ersten Gedicht von Johannes Paul hatte ich das Gefühl, es kam keine richtige Diskussion auf. Es war ermüdend. Die Leute wollten reden, wollten nach Propheten heute fragen, nicht jeden Satz hinterfragen und über ein Gedicht sprechen. Aber zum Glück regte sich der Wiederspruch auch! Das Gedicht von Rilke: http://rainer-maria-rilke.de/090012einprophet.html hat viele Fragen aufgeworfen, allein sprachlich. Wir haben mit Ezechiel 3, 4-9 verglichen, haben nach der Rolle des Hundes gefragt, aber vielen gefielen die Worte. Wir haben auch überlegt, ob sich der Dichter mit dem Propheten identifiziert. Auch er bekommt Eingaben, hat Visionen und muss handeln. Welche Propheten haben wir heute? Wo ist in der Kirche prophetisches Handeln? Was können wir tun? Das wurde angesprochen, kam aber zu kurz. Ich bin heute nicht ganz zufrieden mit dem Verlauf des Abends, hätte ich anders und besser machen können, hätte man mehr draus machen müssen. Versuche, es sacken zu lassen.

Gruß Marieluise


Treffen am 20.5.2010

26. Juni 2010 - 14:01 Uhr

Gestern Abend haben wir uns in St. Peter getroffen. Lieder war es wieder nur eine kleine Schar, die den Weg fand. Ich hatte ds Gefühl, das der Gottesdienst dicht war, aber als Beteiligte kann ich es schlecht beurteilen. Den Ablauf kann man nachlesen unter: http://www.joerg-sieger.de/gallinat/texte/100520.htm

Es gab im Anschluss 2 Gesprächsgruppen, in denen das Thema sehr engagiert angegangen wurde. Es ist viel Unmut und Resignation zu spüren. Ich spüre eine gewisse Kraftlosigkeit. Wir haben den gestrigen Abend wirklich gut und intensiv vorbereitet, da frage ich mich schon, lohnt sich der Aufwand, wenn nur so wenige kommen. Ich glaube, von den Frauen, die dieses Thema bewegt, haben sich viele schon ganz enttäuscht von Kirche verabschiedet. Im Moment frage ich mich wirklich, was noch zu halten ist. Eine Frau sagte, es ist leider für Reformen zu spät. Nach dem Konzil in der Aufbruchsstimmung hätte spätestens Anfang der 80ger Jahre der nächste Schritt kommen müssen, da wären noch Leute da gewesen, die ihn engagiert mitgegangen wären. Ist es wirklich so? Ich bin ratlos und unsicher.

Herzliche Grüße Marieluise


Treffen am 25.6.

26. Juni 2010 - 10:59 Uhr

Gestern Abend ging es um Christen in der Wirtschaft. Im Gottesdienst hatten die beiden Moderatoren des Abends, Hein Kerstgens und Andreas Langer, sich folgende Texte gewünscht:

Lesung: 2. Thess 3,8-15 (Wer nicht arbeitet soll auch nicht essen)

Evangelium: Mt 20,1-16 (Jeder bekommt den gleichen Lohn im Weinberg)

Jörg Sieger ging in seiner Predigt auf biblisches Wirtschaften und die Frage nach biblischer Gerechtigkeit ein. Im Anschluss gingen wir in den Bernhardussaal, wo eine spannende Präsentation auf uns wartete. Es ging um das bedingungslose Grundeinkommen. Wir bekamen viele Infos, wir durften abstimmen und heiß diskutieren. Für mich ist es eine Alternative zu vielen heutigen Überlegungen, wenn der Sozialetat sich auf ca 703 Milliarden Euro beläuft, statt dessen jedem Bundesbürger 800 Euro zu gewähren, was dann 783 Milliarden wären und uns die Verantwortung zu überlassen, selbst zu wirtschaften. Ich denke, unser Sozialstaat war genial im 19 Jh., ich habe ja meine Magisterarbeit über Katholische Soziallehre im 19. Jh. geschrieben und immer bewundert, wie damals versucht wurde, das Problem der sozialen Frage zu lösen. Nur, dieses System ist in die Jahre gekommen! Wir haben z.B. auch nicht mehr Arbeit für jede und jeden. Unsere hochspezialisierte Gesellschaft braucht gut ausgebildete Facharbeiter und Handwerker, kann aber denjenigen, die dem nicht gewachsen sind, gar keine Arbeit bieten. Unser Sozialsystem ist am Ende, es klemmt überall. Warum da nicht neue Wege gehen? Natürlich kamen Neiddiskussionen, Angst vor Schmarotzern, mangelndes Vertrauen zur Fähigkeit der Bürger, Angst vor Einwanderung, wenn dies für alle, nicht nur für Staatsbürger gilt und all diese Dinge auf. Es war eine sehr angeregte Diskussion. Wir beschlossen den Abend mit der Komplet in der Kirche, haben danach aber noch bis 23.45 Uhr weiter diskutiert.

Marieluise Gallinat-Schneider


3. Treffen 2010

1. April 2010 - 19:07 Uhr

Gestern trafen wir uns zum Weckruf in St. Paul. Thema war die Eine-Welt Arbeit. Lena Köhler, unsere Oberministrantin von St. Anton war 8 Monate in Bolivien und hatte darüber letztes Jahr berichtet. Da viele gleichzeitig Gruppenangebote hatten, wollten wir dies zum Thema für alle machen. Die DPSG, also St. Georgspfadfinderschaft, hat die Kinderrechte in Bolivien und Deutschland als Jahresthema und hat sich daher mit in die Vorbereitung eingeklinkt. Wie sagte unser Pfarrer: Der Weckruf wird erwachsen, die jungen Leute hatten den Abend völlig unabhängig von uns geplant und es war spannend, einfach zu kommen, zu sehen, wo man gebraucht wird und ansonsten normaler Teilnehmer zu sein. NGL hat gesungen, toll, passende Lieder rausgesucht, es war ein interessanter Abend. Was mich jedoch beelendet, immer wenn es um die Eine-Welt-Arbeit geht, kommen deutlich weniger Leute! Fällt mir auch in der Erstkommunionvorbereitung auf, wenn wir über die Schülerspeisung in Peru berichteten oder dieses Jahr über die Arbeit einer indischen Ordensschwester mit Frauen in den Dörfern, kommen von 50 Kindern vielleicht 10! Es wird immer mehr gesagt, wir spenden für Deutschland! Ich sage, das eine tun, das andere nicht lassen. Natürlich sehe ich auch die Not hier und die Armutsdiskussion in einem reichen Land, in dem jedes Kind eigentlich das Notwendigste haben müsste, aber deswegen fühle ich doch trotzdem meine Verpflichtung für unsere Partnergemeinde in Peru, für das Ugandaprojekt der Nachbarseelsorgeeinheit, für das Projekt in Bolivien etc und auch meine Verantwortung für unsere globale Welt. Das gehört auch zu Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Frieden!

(Ise)


Gehört Paulus zum Weckruf?

22. März 2010 - 13:03 Uhr

Liebe Leute,

ich weiß es nicht… Wir haben im vorigen Jahr irgendwann beschlossen, unser nächstes Bibelseminar geht über Paulus, auch wenn das Paulusjahr rum ist. Grund ist die Grundsteinlegung der heutigen, neuen Pauluskirche am Karsamstag vor 50 Jahren. Osternacht hat ihre eigene Liturgie, also Paulus in der Fastenzeit! Aber auch so, habe ich festgestellt, dass es viel miteinander zu tun hat.

Folgendes war geplant:

Ablauf:

Freitag, 12.3. Beginn mit dem Gottesdienst um 19 Uhr in der Antoniuskirche

Im Anschluss Treffen im Bernhardussaal:

Einführung ins Thema anhand Präsentation (Jörg)

Samstag, 13.3. ca 10 Uhr Arbeitsbeginn im Plenum, Erklärung des Verlaufs am Samstag

10.30 Uhr bis 11.30 Uhr Kleingruppen Wir spielen Paulusschule und versuchen, die Briefe zu erstellen:

12.00 Uhr Die Frage nach der Fortsetzung der Arbeit in der Schule -> Deuteropaulinen – Plenum, dort auch Einteilung für Gruppen nach dem Mittagessen

13 Uhr Mittagessen

14-15.30 Uhr Treffen in Kleingruppen

4 Themen:

  • Israel und Kirche (Erika)
  • was sagt und Paulus heute? (Gertrud)
  • Theologie der Gemeinde / der Kirche (Marieluise)
  • Die fleischliche Existenz des Menschen – das paulinische Menschenbild (Jörg)
  • 15.30 Uhr Kaffeepause

    16.-17.30 Uhr Kleingruppen

  • Israel (Erika)
  • was sagt uns Paulus heute? (Gertrud)
  • Gesetz und Gnade – Die Frage der Rechtfertigung (Marieluise)
  • Das Problem des Sterbens in den Gemeinden – Naherwartung, Tod und Auferstehung (Jörg)
  • Gottesdienst 18.30 Uhr

    In meiner 2. Gruppe zur Rechtfertigungslehre bei Paulus ging es auch um die Gerechtigkeit: es geht um die schenkende Gerechtigkeit Gottes und damit hat Paulus vielen, wie Martin Luther eine ganz neue Wirklichkeit Gottes eröffnet. Mit dem griechischen Wort dikauosyne wird das Wort sedaka wiedergegeben. Dort geht es nicht darum einer bestimmten Norm entsprechend zu handeln, sondern dass einen die Gerechtigkeit Gottes wie ein Kraftfeld umgibt. In den Psalmen, bei den Propheten, vor allem bei Amos, Hosea und Jesaja kommt dieser Begriff vor. Amos beklagt den Mangel an Gerechtigkeit, die beiden anderen hoffen, dass Gottes Gerechtigkeit bald hereinbricht.

    Paulus meint die Gerechtigkeit, die von Gott kommt und redet davon, dass wir in Christus gerecht gemacht worden sind. Vieles vom vergangenen Jahr kam in den Kleingruppen und Gesprächen wieder. Ich spüre, dass wir in den Gemeinden langsam ein umfassendes Verständnis für Bibel und theologische Fragen entwickeln. Es tat gut, wieder so zu arbeiten.

    (Ise)


    2. Treffen 2010

    1. März 2010 - 11:02 Uhr

    Am vergangenen Samstag, 27.02., haben wir uns mit Herrn Glaser, ehemaligem Redakteur der Badischen Zeitung Freiburg zum Thema: ” Kirche heute – ein Ort der Hoffnung? Zur Lage des Glaubens und der Zukunftsfähigkeit des Christentums in der Dialektik der Moderne” getroffen. Anhand von 5 Punkten hat Herr Glaser seine Ausführungen gehalten. Sie entsprechen in weiten Teilen dem Referat, was unter folgendem Link nachzulesen ist: http://www.leopold-glaser.de/artikel/rep_ref_religion_ja_kirche_nein.html

    1. Lage des Glaubens
    2. wie es dazu kam, dass es so ist, wie es ist
    3. Wiederkehr der Religion
    4. Reaktion der Kirche auf die neue Lage
    5. was heute not tut

    Er führte aus, dass die Gefahr besteht, dass Kirche zur Sekte schrumpft. Kirche hat sich seit der Aufklärung gegen die Moderne gewehrt. Obwohl die Ideen, die hinter den Menschenrechten stehen, das christliche Menschenbild sind, hat Kirche sich am Prozess von deren Entstehung nicht beteiligt. Kirche ist nicht communio-fähig, obwohl Menschen gerade jetzt Gemeinschaft benötigten. Viele glauben, Kirche sei eine unveränderliche Instanz, aber die Kirche, die jetzt existiert, als zentralistisches und nach Rom ausgerichtetes Gebilde ist erst im 19. Jh. entstanden. Heute müssten wir wieder zurück zu den Inhalten des Glaubens, wir benötigen neue Sozialformen christlichen Lebens und eine Orientierung am Evangelium. Damit können wir etwas gegen die Individualisierung in unserer Gesellschaft tun.

    32 Personen kamen, um den Vortrag zu hören, der für manche sicher hoch angesiedelt war. Die Diskussion im Anschluss war sehr lebendig! Es haben sich sehr viele beteiligt und wir haben uns wirklich sehr viele Gedanken gemacht. Es war wirklich die Spannweite zwischen Mutlosigkeit und Hoffnung für die Zukunft der Kirche zu spüren, es war auch sehr ehrlich und ungeschminkt. Ein früherer Sozialarbeiter hat engagiert gefordert, die Kritik an der momentanen Situation auch wirklich zu äußern und etwas zu tun. Es wurde auch davon gesprochen, dass Hauptamtliche in der Kirche momentan eine Mutlosigkeit auszeichnet. Daraufhin wurde uns von einem Mann der Wirtschaft klar gemacht, dass dort Führungspersonen auch jetzt in der Krise immer motivieren müssen, das erwarte ich von unseren Hauptamtlichen auch! Wir haben dann auch darüber gesprochen, dass Nachmittage wie der Samstag helfen, dies zu ermöglichen. Zusätzlich haben wir natürlich auch darüber geredet, dass nur die Orientierung an Gott Hoffnung machen kann. Er wird wissen, was er mit seiner Kirche vorhat. Das Beispiel der Propheten zeigt jedoch, dass es auch wirklich zu Katastrophen kommen kann, die niemand aufhalten kann und erst danach wieder Neues entsteht. Da tut es natürlich weh, zu sehen, dass der Zusammenbruch möglicherweise kommt und erst ausgehalten werden muss.

    (Marieluise)


    1. Treffen 2010

    23. Januar 2010 - 11:15 Uhr

    Wir hatten uns ja entschieden, Themen, die im Amosrozess nicht genügend Zeit zur Bearbeitung hatten und deren Vertiefun gewünscht wurde, in diesem Jahr anzugehen. Nun trafen wir uns gestern, 22. Januar um 19.30 Uhr in St. Anton. Den Abend hatten Erika Kerstner und Gisela Enderlin vorbereitet. Musikalisch hat uns die Gruppe Shalom unterstützt. Es ging um die Frage, was würde uns fehlen, wenn es unsere Gemeinden nicht mehr gäbe. Wir gingen mit Fragen, aber ohne Antworten in den Abend. Natürlich gibt es viele Menschen, die sich zu dem Thema bereits Gedanken gemacht haben: Fulbert Steffensky mit seiner Kirche im Exil, Peter Bürger mit der frommen Revolte, Altbischof Stecher und Prof. Medard Kehl in ihrem Briefwechsel sowie Gotthard Fuchs. Vieles hatten wir gelesen und vorbereitet, aber am Abend ging es darum, die Befindlichkeit der Anwesenden zu Wort kommen zu lassen. Es war ein gutes Gespräch. Um 22 Uhr machten wir einen Schnitt und gingen zu einem Abschlussimpuls in die Kirche. 12 der 28, die am Abend noch zum Gespräch blieben, hatten Lust auf eine Einheit nach der Einheit und gingen nach dem Abschluss noch mal mit in den Bernhardussaal, wo wir bis gegen 23.45 Uhr noch weitere Überlegungen anstellten. Wir haben keine Lösungen, aber wir werden uns immer bewusster, dass es auf uns ankommt. Wenn überhaupt noch Gemeindeleben sein soll, Leben von lebendigen Christen, dann müssen wir es gestalten. Dazu lädt der Weckruf 2010 uns ein.

    (Marieluise Gallinat-Schneider)


    Wegruf – 08.11.2009

    8. November 2009 - 13:25 Uhr

    Es ist in letzter Zeit so vieles gewesen, dass ich das Gefühl habe, aus dem Weckruf, ist tatsächlich ein Wegruf geworden! Es ging los mit dem ökumenischen Jahresgottesdienst am 10.10. in der Lutherkirche! Was hatten wir im Vorfeld des 7-Wochen-Prozesses gekämpft, den Prozess ökumenisch anzulegen, was uns jedoch bis auf kleine Teile nicht gelang. Zum Glück war ja wenigstens der Mittwoch durch das Kunstprojekt und den ökumenischen Gottesdienst von diesem Geist geprägt und der Samstag mit der Bibeleinheit von Pfarrer Achim Schowalter. Daher kam dann für mich völlig überraschend der Wunsch meiner Vorstandskollegen in der ACG, wir mögen den Jahresgottesdienst doch unter das Thema stellen: “Sucht mich, dann werdet ihr leben!” (Am 5,4) – Prophetisches Handeln gestern und heute. Auch wenn es viel Kritik gab, da die Teilnahme zu gering war, der Gottesdienst zu lang war… Es war dennoch der Geist des Amos, der sprach und das war gut. Die Interviews waren ehrliche Statements zu Grundeinkommen, Armut, zu der Frage, welchen Auftrag wir haben, wenn wir auf der Sonnenseite stehen, die Lieder, die Gebete, es war viel von den Forderungen aktuell auf die heutige Zeit umgesetzt. Ihr findet den Gottesdienst unter http://www.joerg-sieger.de/gallinat/oekumene.htm, wenn ihr ganz ans Ende der Seite scrollt.

    Der nächste Schritt war unser Mitmachfest, der eigentliche Beginn des Wegrufes am 3. November. Dort habe ich zu Anfang meine Gedanken skizziert, ich gebe sie hier noch mal wieder: “Der Weckruf ist abgeschlossen, der Wegruf beginnt heute. Viele haben gesagt, diese Form von Gottesdiensten wie wir sie beim Amos gefeiert haben, aber auch schon in den vorausgegangenen Glaubenskursen und mit der jungen Kirche, die dürfen nicht sterben, so fangen wir heute an, weiterzumachen. Viele schätzen diese Gottesdienste mit Anspiel oder Impuls, freiem Fürbittgebet, einer Band, einer Predigt, die länger ausfällt und zu einem bestimmten Thema einen Impuls gibt und mit Kommunion unter beiderlei Gestalten. Also setzen wir einen Wegpunkt und machen weiter. Was es dazu braucht? Gebet und Stärkung durch Gott, aber auch Propheten, die immer wieder aufrütteln. Ich habe in der vergangenen Woche einen Beitrag gelesen, der lautete, „Treten Sie nicht aus!“ Er berichtet von einem Buch von Peter Bürger, Die fromme Revolte, Katholiken brechen auf (erschienen beim Publik Forum Verlag) und richtet sich an Katholikinnen und Katholiken, die reformorientiert sind und bittet sie, sich nicht zurückzuziehen. Es ist nicht von einem Kirchenmann geschrieben, sondern von einem, der die Kirche nicht denen da oben überlassen will. Er fordert die Gemeinden auf, dass die, die eben eine andere Form von Christentum und Kirche leben wollen, sich vernetzen sollen, statt zu resignieren. Aber am meisten zu denken gegeben, hat mir der letzte Satz des Artikels, der heißt, Wo am Ende die Amtsträger nur noch für die Sakramentsdienstleistung vorbeischauen, werden Alte und Junge selbst anfangen, von Gott zu sprechen und sich angesichts der Überlebensfragen unserer Zivilisation auf die Suche begeben. Ich weiß nicht, ob diese Einschätzung stimmt, ob wir wirklich soweit sind, dass wir das tragen können, aber ich weiß, der Amosprozess sollte dafür stärken, sollte dazu ermutigen. Noch können wir es probieren.” Es waren keine Massen, die an diesem Abend strömten, aber es waren motivierte Menschen, die den Wegruf ins Jahr 2010 tragen wollen.

    Gestern nun trafen wir uns zur Zukunftswerkstatt. Sie war das Ergebnis des Schulprojektes. Es war ein großes Bibbern, ob wir überhaupt den Tag durchführen, da wir gesagt hatten, mehr als 5 Schüler/innen sollten es sein! (Man wird ja schon bescheiden…). Um 10.15 Uhr waren es dann 6 Schülerinnen, eine Lehrerin, eine Elternvertreterin, ein Caritasvertreter, eine Lehramtsstudentin, eine Schulsozialarbeiterin, Jörg Sieger und ich, sowie der Schulleiter der Realschule als Moderator, die den Tag begannen. Nach O-Saft-Empfang, Begrüßung und Aufwärmspielen wurden mit einer SOFT-Analyse die Bedürfnisse der Schülerinnen (es waren nur weibliche) ermittelt, dann wurde gepunktet, welche Themen Priorität haben. Nach einer Pizzapause wurde dann am gewählten Thema weitergearbeitet. Es war das Thema Lernzirkel, also Weitergabe von Wissen durch bessere Schüler an schlechtere, bzw. von Schultypen wie beruflichen Gymnasien an Schülerinnen von Berufsförderklassen. Es wurden konkrete Arbeitsaufträge erteilt, die Schülerinnen vertraten ein breites Spektrum: allgemeinbildendes Gymnasium, berufliches Gymnasium und Realschule, dabei auch noch unterschiedliche Schulen, so dass wir an mehreren Schulen damit starten wollen. An einigen Schulen hat die SMV schon solche Schritte schulintern begonnen, an anderen soll sie neben Schulleitern und Schulsozialarbeitern ins Boot geholt werden. Einige wollen nachmittags in Klassenzimmern was anbieten, andere überlegen, ob ein pfarrlicher Raum nicht sinnvoller wäre. Am Ende meinte Jörg Sieger, am Anfang des Schulprojektes wäre genau der Gedanke der Solidarität von leistungsstärkeren Schülern mit schwächeren mal sein Ausgangspunkt gewesen, nun erfüllt sich der Wunsch, da was zu machen, auf dem Umweg eines arbeitsintensiven Projekts. Mal sehen, was im Januar tatsächlich in Gang gekommen ist. Es war ein guter Tag, schade nur, dass nur so wenige ihn nutzen.

    (Marieluise)


    Wegruf

    31. Juli 2009 - 19:06 Uhr

    Erst mal herzlichen Dank euch allen für eure Bemühungen im Amos-Projekt. Es war klasse, aus der Ferne mitlesen, z.T. auch mithören und mitbeten zu können! (Was allerdings das direkte Mittun niemals ersetzen kann!)

    Zur sozialen Gerechtigkeit und auch zur Solidarität mit Gewaltüberlebenden wurde erfreulicherweise viel gesagt, was meinen Horizont sehr erweitert hat! Danke für die offene Berichterstattung! Nun liegt mir aber noch ein anderes Thema auf dem Herzen. Es geht dabei darum, dass wir in Sachen Glaube, Bibel, Liturgie aufwachen sollen. Uns zu Wort melden. Dabei denke ich speziell an die Eucharistiefeier. Sie ist laut Aussage unserer Kirche Mittelpunkt unseres Glaubens. In ihr begegnet uns der auferstandene Christus. So kann ich nicht nachvollziehen, warum ich dann mit einem Wortgottesdienst mit Kommunionausteilung Vorlieb nehmen soll! Es geht mir nicht darum, dass ein Laie den Wortgottesdienst nicht gut genug feiern könnte, nein, der Unterschied liegt vielmehr in der Tiefe. Die Eucharistie ist Begegnung mit dem Auferstandenen im Hier und Jetzt und Wortgottesdienst mit Kommunionausteilung bedeutet, dass mir der auferstandene Christus von letzter Woche präsentiert wird. Nein, das reicht nicht! Das Argument, dass es nicht anders geht, weil wir zu wenig Priester haben, kann ich eigentlich nicht verstehen. Muss die Eucharistiefeier tatsächlich am Amt des Priesters fest gemacht werden? Ist das wirklich Gottes Wille? Ich glaube, dass Gott selbst zeigen wird, wem er diesen Dienst auftragen will. Ist er nicht schon längst dabei, Menschen dafür auszurüsten?

    Im Blick auf die Ökumene möchte ich sagen, dass die Eucharistiefeier kein Hindernis darstellt. Für mich jedenfalls nicht. Müssen wir denn alle gleich werden? Wenn ich ab und zu zu einem „Abendmahl“ gehe, bitte ich Gott ganz einfach darum, dass er mir darin genauso begegnet wie in meiner Eucharistie. Ich kann ihnen versichern, dass er mir noch nie sagte: „Aber Kindchen, das ist ein Ding der Unmöglichkeit!“ Heißt es nicht in der Schrift: „Bittet, dann wird euch gegeben!“ Ich glaube vielmehr, dass wir es sind oder natürlich auch ich, die dem lieben Gott und seinem Heiligen Geist des öfteren im Weg stehen mit unseren selbstgemachten Regeln und Vorschriften und Sichtweisen.

    Zum Schluss möchte ich noch ein Lied weitergeben, das wir in Riedlingen beim Gemeindefest genau an dem Sonntag gesungen haben, als das Amos-Projekt den Schlusstag hatte. Es ist ganz einfach und sehr ermutigend… Leider habe ich aber keine Rechte, um es ins Internet zu stellen, darum nur der Text, ein Sprichwort aus Afrika:

    Viele kleine Leute
    in vielen kleinen Orten,
    die viele kleine Dinge tun,
    können das Gesicht der Welt verändern.

    Herzlichst

    Sybille Heck, Riedlingen


    Vielen Dank

    30. Juli 2009 - 10:00 Uhr

    Nun sind die sieben Wochen des Amosprozess zu Ende gegangen.

    Ich denke in uns wird das Gelesene, Gehörte und Erlebte weiter wirken und so Gott will, auch Früchte tragen.

    Ich möchte mich heute bei allen Beteiligten bedanken. Mein spezieller Dank gilt den Mitgliedern der IT-Gruppe, die eine Beteiligung ‚aus der Ferne’ möglich gemacht haben. So war man irgendwie doch mittendrin und Teil der Gemeinschaft. Die Mitschnitte der Gottesdienste waren für mich immer das Highlight. :-)

    Dankeschön!

    Liebe Grüße Uschi Schedlik


    Eine Reaktion zu “Vielen Dank”

    1. Nantke am 30. Juli 2009 um 11:41 Uhr
      Jau schliesse mich gerne an Uschi!

      Vertrau den neuen Wegen,
      auf die der Herr uns weisst,
      weil Leben heißt: sich regen,
      weil Leben wandern heißt.
      Seit Leuchtend Gottes Bogen
      am hohen Himmel stand,
      sind Menschen ausgezogen
      in das gelobte Land

      Vertaut den neuen Wegen
      und wandert in die Zeit !
      Gott will das ihr ein Segen
      für seine Erde seid…-

      By und Hi
      Nantke

    Solidarität mit Gewaltüberlebenden – Workshop

    27. Juli 2009 - 12:56 Uhr

    In diesem Workshop haben wir uns zunächst einige Mythen rund um Gewalt angeschaut, die der Beschuldigung der Opfer dienen. Zugleich sollen die Mythen helfen, einen großen Abstand zwischen sich selbst und die Gefahr zu legen, selber Opfer von Gewalt werden zu können. Mythen dienen der eigenen inneren Sicherheit, aber sie isolieren Menschen, die im Nahbereich Gewalt erleben.

    Wir haben auch einige langfristige Folgen von Gewalt kennengelernt, mit denen Menschen, die Opfer von Menschengewalt wurden, zu kämpfen haben. Zu den gravierendsten Folgen gehören tiefes Misstrauen und Angst vor Nähe. Die Menschen haben erlebt, dass das soziale Netz durch das Trauma der Gewalt ausgeschaltet wurde. Es gab keine Hilfe, oft über Jahre hinweg nicht. Damit haben diese Kinder und Jugendlichen das Gefühl von Kontrolle, Zugehörigkeit zu Menschen und nicht selten auch das Vertrauen zu einem guten Gott verloren.

    Um die Zugehörigkeit zu den Menschen (und vielleicht auch zu Gott) wieder aufbauen zu können, braucht es andere Menschen, die solidarisch mit Gewaltopfern sind, die ihnen zuhören, ihnen Glauben schenken und sie in den oft schweren Phasen der Gewaltfolgen solidarisch begleiten.

    Nun tragen Gewaltopfer (ebenso wenig wie Täter) ja kein Etikett auf der Stirn, das sie als Opfer kenntlich machen könnte. Und die meisten Menschen denken zunächst: Ich kenne doch gar keine Opfer von Gewalt im Nahbereich. D. i. vermutlich eine Täuschung. Zuverlässige Untersuchungen haben gezeigt, dass 40 % der Frauen zw. 16 und 85 Jahren Gewalt erlebt haben. Hinzu kommt, dass jeder 10. Junge und jedes 7. Mädchen von 0-14 Jahren sexuelle Gewalt erlebt. Die Opfer leben mitten unter uns. Sie sind die Nachbarin, die Tante, die Banknachbarin im Gottesdienst, die Mutter des Kindergartenkindes, die Theologin, der Schüler, die Altenpflegerin… Wir kennen sie also, nur wissen wir meistens nicht um ihre Lebensgeschichte.

    Als uns dies klarer wurde, kam bedrückende Ratlosigkeit auf. Was können wir tun? Können wir überhaupt etwas tun?

    Ja. Wir können als Einzelne und als christliche Gemeinde Gewaltüberlebenden eine große Hilfe sein. Bereits seit 6 Jahren trifft sich in der Pfarrei St. Peter eine Gruppe Gewaltüberlebender, die von Marieluise als Seelsorgerin begleitet wird. Pfr. Dr. Sieger steht schon lange als Seelsorger für Gewaltopfer zur Verfügung. Darüber hinaus kann jede und jeder von uns sich über Gewalt und Gewaltfolgen informieren. Dann wird es möglich, anderen Menschen zu signalisieren: Ja, wir wissen, dass mitten unter uns Gewalt stattfindet und Betroffene leben. Wir haben ein offenes Ohr für sie. Wir wissen, wie wichtig es ist, das Schweigen zu brechen.

    Im Gottesdienst am Samstagabend war es möglich, um Unterschriften unter einen Brief an den Vorsitzenden der DBK zu bitten. Der Brief protestiert gegen das Papstschreiben zum „Jahr des Priesters“. Dort werden Opfer pädophiler Priester subtil diskriminiert und es wird der Versuch gemacht, Christen, die der Kirche „am hilfreichsten“ sein wollen, davon abzuhalten, Verbrechen aufzudecken. Gegen diesen Versuch der Entsolidarisierung mit Gewaltopfern muss protestieren, wer wie Amos zu seiner Zeit weiß, dass Gott auch heute auf der Seite derer steht, die unter die Räuber gefallen sind. Dass sich so viele Menschen mit ihrer Unterschrift an diesem Protest beteiligt haben, ist außergewöhnlich – und es ist Grund zur Dankbarkeit und zur Hoffnung.

    Erika Kerstner

    P.S.: Wer mehr wissen will über Gewalt im Nahbereich und was ChristInnen tun können, lese hier nach:

    http://www.gottes-suche.de/1%20St.Peter%20Workshop%20Gewalt.html#2


    Der Morgen danach…

    27. Juli 2009 - 07:15 Uhr

    gestern Abend war es schwer, runterzukommen. Ich habe noch lange im Garten gesessen, wir haben Sekt getrunken und geredet. Es war so viel! Am letzten Montag herrschte noch ein gewisser Frust, nicht noch mehr Menschen mobilisiert und begeistert zu haben, am Samstag haben mich die Zahlen am Vormittag und im Gottesdienst am Abend auch etwas enttäuscht, aber so langsam tritt der Zustand der Verklärung ein.

    Es waren viele Situationen, in denen ich das Gefühl hatte, der Geist weht. Da sucht in einem Gottesdienst die Koralle genau die Worte für das Ende ihres Anspiels, die dann in der Predigt wieder aufgegriffen werden, obwohl das nicht abgesprochen war. Da sitze ich in der Oper, genau eine Woche vor dem Abend über “Ich hasse Eure Feste”, schlage das Programm auf und lese von Hans Küng die Überschrift Gottesdienst ist Menschendienst. Dabei erklärt er ausgehend von den Propheten, dass das Bemühen um Gerechtigkeit unmittelbarer Gottesdienst ist. Don Carlos zur Vorbereitung auf Amos! Wir haben lange überlegt, welches Evangelium wir für den gestrigen Abschlussgottesdienst wollen und das erst im Laufe der letzten Woche mit den Seligpreisungen gefunden! Was hat Talita kum als Antwortgesang zwischen Lesung und Evangelium gewählt? Das Lied “Selig seid ihr”! Manchmal hat es mich einfach umgehauen. Wobei bei dem gestrigen Evangelium mal wieder deutlich wurde, wie unsinnig die Texte für die Gottesdienste zusammengestrichen werden. Da fehlt dann plötzlich der Satz, der für mich der wichtigste war: “Denn so wurden schon vor euch die Propheten verfolgt.” (Mt 5,12) Hmm…

    Es gab jetzt am Wochenende so viele gute Gespräche, Ideen und Anregungen, die noch nachklingen. Ich glaube wirklich, es wird einiges noch in nächster Zeit umgesetzt und verändert. So kam auch die Frage auf, warum wir so gute und dichte Gottesdienste nicht öfter anbieten. Die Gruppe Junge Kirche hatte im Frühjahr das Gefühl, ihre Gottesdienste werden nicht mehr so angenommen. Vielleicht tut sich da eine neue Chance auf, diese doch weitergehen zu lassen. Alle 7 Wochen ein thematischer Gottesdienst mit langer guter Predigt als Impuls, mit Band oder Chor, die auch thematisch passende Lieder raussuchen, mit Kommunion unter beiderlei Gestalten, frei formulierten Fürbitten, Anspiel oder Texten, die mit eingebracht werden. Der Bedarf an dieser Art von Messfeier ist höher, als ich dachte. Jetzt gehe ich in die Woche 1 nach Amos (oder eigentlich auch nicht, denn der Sonntag ist der 1. Tag der Woche und der war ja noch Amos pur!)

    (Marieluise)


    Bibelarbeit zu 2 Sam 13,1-22: Gewalt im Hause Davids

    26. Juli 2009 - 17:59 Uhr

    Schon vor Beginn der Bibelarbeit fragte mich ein Teilnehmer am Amos-Tag, warum um Himmels willen ein solcher „gewalttätiger Text“ die Vergewaltigung einer Frau durch ihren Halbbruder (also über Gewalt im Nahbereich) überhaupt in unserer Heiligen Schrift stehen müsse. Diese Frage ist sehr berechtigt und wir sind ihr in der Bibelarbeit dann auch nachgegangen.

    Die Geschichte Tamars steht in einem Buch der Geschichtsschreibung und –deutung Israels. David ist die zentrale Figur. Berichtet wird sein Aufstieg zum König, seine Regierungszeit und die Auseinandersetzungen seiner Söhne um die Thronnachfolge. In diesen rundum gewalttätigen Kontext – Ehebruch und Auftragsmord des David an Urija, später die Ermordung des Amnon durch seinen Bruder Abschalom – ist die Vergewaltigung Tamars durch ihren Halbbruder Amnon eingebettet.

    Wir konnten sehen, dass in dem Bericht ausschließlich Männer auftreten. Tamar ist alleine; es scheint keine Mutter, keine Schwester, keine Tante, keine Cousine, keine Freundin … zu geben. Männer der Familie verbünden sich gegen Tamar, isolieren sie, helfen sich gegenseitig, den Vergewaltigungsplan durchzuführen. Sie lügen und verstellen sich. Sie benutzen ihre Macht, um zu erreichen, was sie wollen. Der Täter hat viele Helfer: Seinen Cousin, seinen Vater, seine Diener. Nach dem Verbrechen wird das Opfer auf die Straße geworfen.

    Tamar streut sich Asche auf das Haupt und geht schreiend weg. Vermutlich hat es die ganze Nachbarschaft gehört. Aber niemand ist zu dem Opfer hingegangen. Sie geht zum Haus ihres Bruders Abschalom und der gibt ihr den Tipp, den noch immer alle Helfershelfer der Täter und die Zuschauer den Opfern geben: „Sprich nicht darüber!“

    David hört von dem Verbrechen an seiner Tochter, wird zornig darüber, will aber dem Gemüt seines Sohnes Amnon, nicht weh tun, denn der ist ja der Erstgeborene, der Thronfolger. (Die kursiv gedruckte Textstelle ist nicht bei allen Textzeugen belegt.) Der Bruder Abschalom hasst zwar Amnon wegen der Tat und zieht die Konsequenz: Er spricht nicht mehr mit Amnon. Später ermordet er ihn. Ob der Mord die Vergewaltigung Tamars rächen soll oder nur die Beseitigung des Rivalen um den Thron ist, ist nicht erkennbar.

    Uns fielen eine Fülle von Parallelen zu heutigen Gewalterfahrungen im Nahbereich auf. Dazu gehört auch das Schweigegebot an Tamar. Sie hat sich daran gehalten. Zumindest wird von ihr zuletzt nur noch berichtet, dass sie einsam im Hause ihres Bruders lebte.

    Ein anderer jedoch hat sich nicht an das Schweigegebot des Abschalom gehalten. Er hat das Verbrechen öffentlich gemacht, sogar bibelöffentlich. Der Autor des Bibeltextes hat Tamar seine Stimme gegeben, die wir bis heute hören können. Er hat alle Handelnden korrekt benannt: Opfer, Täter, Helfer des Täters und Zuschauer.

    Darin liegt vielleicht eine Antwort auf die Eingangsfrage, warum ein solcher Text über Gewalterfahrung in der Bibel stehen muss: Die Heilige Schrift der Christen DECKT die Gewalt nicht zu, sondern AUF. Damit gibt sie den Opfern eine Stimme – genau wie ca 300 Jahre später der Prophet Amos es auch tut.

    Erika


    2 Reaktionen zu “Bibelarbeit zu 2 Sam 13,1-22: Gewalt im Hause Davids”

    1. Ise am 26. Juli 2009 um 22:17 Uhr
      Ich bin froh, dass Erika einen Beitrag eingestellt hat! Ich wollte gerne noch was zu ihren beiden Angeboten schreiben, dachte aber, sie soll erst selber ihre Eindrücke schildern. Bei ihrer Bibellesung war ich nicht, habe aber dafür geworben und bei meiner Praktikantin ähnliches erlebt, wie es mir selbst vor einigen Jahren ging. Die Stelle haben selbst Theologinnen oft nicht präsent und sind geschockt, wenn sie realisieren, was da in der Bibel steht. Ja, auch die Opfer von Vergewaltigung haben ihren Raum in der Bibel. Auch ihre Gruppe um 17 Uhr über gewaltüberlebende Christinnen wurde gut angenommen. Es war zum Glück kein Tabuthema mehr. Es war ein sehr offenes Gespräch ohne Opferbeschimpfung und Tätermitleid. Es freut mich, was bei uns in den Gemeinden mittlerweile an Sensibilität entstanden ist. (Marieluise)
    2. Erika am 27. Juli 2009 um 15:03 Uhr
      Liebe Marieluise! Ich kann mich nur anschließen: Es gibt in der Pfarrei St. Peter eine große Hörsamkeit auf Menschen, die sonst am Rande leben oder ganz vergessen sind. Ich glaube, das ist das Ergebnis langer Jahre an Bildungsarbeit, Beschäftigung mit der Hl. Schrift, Gruppenarbeit, Gesprächen, Gottesdiensten, Predigten und mit Sicherheit auch ein Verdienst des Perukreises, der seit 26 (?) Jahren unermüdlich auf die Schwächsten in Peru hinweist. Das ist ein langes Einüben in die Perspektive der Ärmsten und der Opfer weltweit, aber auch bei uns. Erika

    Wochenende 25./26.7.

    26. Juli 2009 - 17:08 Uhr

    Ja, wo fange ich an, bei einem so randvollen Wochenende? Am Freitag ab 14.30 Uhr haben wir aufgebaut. Viele Helferinnen und Helfer waren da und haben die Plakatwände der einzelnen Tage bestückt, haben Sachen gebracht und aufgestellt, Plakate vom Sancta an die Wände geklebt, bis das Patafix ausging und wir um 17.59 Uhr eine Puntklandung machten und im 3. Schreibwarengeschäft endlich etwas ähnliches kauften. Das Geschäft schloss hinter uns, weil Ladenschluss um 18 Uhr war! Stellwände wurden bestückt, Bierbänke getragen, bestuhlt, Bilder am Zaun zum Kindergarten befestigt usw. Zwischen 20 und 21 Uhr war es dann geschafft. Der Samstag konnte kommen. In der Nacht hat es gegossen und ich dachte mit Schreck an patschnasse Bierbänke, unser Stoffbanner vom Solidaritätsmarsch usw. Aber am Samstag war uns das Wetter wohlgesonnen. Ein paar dicke Wolken zeigten sich noch, aber es kam kein Regen mehr. Der Ansturm blieb zunächst aus. Bei den erlebnispädagogischen Spielen waren wir leider nur zu dritt, schade. Aber der Raum der Bibel war dafür sehr gut besucht. Eine Umkehrung der Verhältnisse! Sonst sind religiöse Angebote immer schlechter besucht, als alle anderen. Was ich in meiner Gruppe gemacht habe, kann unter www.joerg-sieger.de/gallinat nachgelesen werden. Im Fairtrade-Café konnte man zwischendurch Gespräche führen und wieder auftanken, es gab das Kunstprojekt und dabei gute Gespräche, gleich zwei evangelischer Pfarrer/-innen waren dabei, Frau Helm mit dem Kunstprojekt und Achim Schowalter mit einem Bibelangebot. Das hat mich sehr gefreut. Bei der Diskussionsveranstaltung mit Medienvertretern war der Saal voll. Die Diskussion war etwas braver als erhofft, aber sonst interessant. Natürlich spürten auch die anwesenden Medienvertreter, dass wir daran knabbern, dass unser Amos-Prozess nicht mehr Beachtung fand! Umso erfreulicher, dass nun beim Abschluss doch der eine oder andere das Ganze berichtenswert findet und auch Herr Konrad für Kraichgau-TV und Willi da war. Da ist es doch dann überraschend, dass ein Prof. Ulrich Duchrow, der evangelischer Theologe und Kritiker des Neoliberalismus, der vom Prozess gehört hatte, den Weg von Heidelberg nach Bruchsal fand, um zu schauen, was wir da machen. Im Gottesdienst haben viele von ihren Erfahrungen berichtet, der Projektchor hat toll gesungen, schön auch, dass hebräische Lieder dabei waren und die Stimmung war insgesamt toll.

    Am Sonntag hat es mich beim Einzug von den Socken gehauen: 104 Ministrantinnen und Ministranten zogen doch tatsächlich mit Fanfarenzug und Triumphmarsch aus der Aida ein, ein Wahnsinnsgefühl. Traumwetter, nicht zu heiß, nicht zu schwül, sonnig, gerade wie geschaffen! Nach dem Gottesdienst haben viele miteinander ein schönes Gemeindefest gefeiert, ruhiger und einfacher als sonst, mit Kartoffelsalat und Würstchen, dafür aber guten Gesprächen. Um 14 Uhr fand die Menschenkette statt. Es hat nicht ganz gereicht. Es gab Lücken in der Panzerstraße, in der Tunnelstraße, aber wir haben irre viele Menschen aktiviert, es gab auf der Straße tolle Begegnungen und die Stimmung war toll. Ein großer Teil ging noch mit zu Kaffee und vielen gespendeten Kuchen, die Luftballons mit unseren Visionen stiegen in den Himmel und ich habe das Gefühl, wir haben einen Anfang gesetzt.


    2 Reaktionen zu “Wochenende 25./26.7.”

    1. Doris am 26. Juli 2009 um 20:23 Uhr
      "Natürlich spürten auch die anwesenden Medienvertreter, dass wir daran knabbern, dass unser Amos-Prozess nicht mehr Beachtung fand!"
      Wisst ihr wirklich wie viel Beachtung der Weckruf – Wegruf bei den Menschen fand?
      Am Ende des 7 Wochenprozesses melde ich mich ganz frech aus Bayrisch-Schwaben zu Wort. Vor 7 Wochen startete ich mit euch in Bruchsal das Amosprojekt, danach ging es wieder in Richtung Heimat und doch war ich jeden Tag mit euch verbunden. Immer wieder las ich im Internet von euren großen Schritten – allein ging ich meinen Amosweg viel langsamer; manches ließ ich fast ausfallen, bei anderen Tagen verweilte ich lange.
      Was habt ihr euch vor zirka 2 Jahren vorgestellt als die Idee zu diesem Projekt geboren wurde?
      Wolltet ihr Brachland in fruchtbares Ackerland verwandeln? Ich glaube das ist euch gelungen (von Amos habe ich vorher weder gehört, noch seine Botschaft wahrgenommen und verstanden). Um eine Ernte von einem brachliegenden Land zu erhalten braucht es viel Anstrengung, Arbeit, Geduld und Vertrauen. Unkraut und Disteln müssen einschließlich der tiefen Wurzeln ausgerissen werden, der Boden muss gepflügt und mehrfach geeggt werden. Das waren eure Vorbereitungsarbeiten bis das Projekt immer mehr Form annahm. In den vergangenen 7 Wochen war die Zeit des Säens und auch diese Arbeit wurde eifrig und ernsthaft erledigt.
      Jetzt kommt ist die Zeit um Keimen, Wurzelschlagen und Wachsen zu können. Es ist keine Zeit zum Ausruhen, ganz im Gegenteil – Vertrauen ist jetzt angesagt und auch die Zeit zu beten. Ähnlich wie beim Wettersegen um gedeihliches Wetter gebetet wird, so brauchen wir jetzt auch das Vertrauen zu Gott, dass Er jetzt wachsen lässt.
      Ich möchte euch allen für euren Einsatz danken und ich glaube ihr werdet mir fehlen.
      Liebe Grüße
      Doris
    2. Erika am 28. Juli 2009 um 23:44 Uhr
      Doris, gestern war der Tag der “Vision am Tag 1? – so der Titel einer Mail, die ich erhielt. Ich glaube nicht, dass wir mit Amos schon am Ende sind. Ich glaube, wir sind grad erst am Anfang. Wie der Anfang für Menschen aussehen wird, die geografisch weit weg sind, weiß ich noch nicht so recht. Da sind MitdenkerInnen willkommen.Lass uns einfach zusammen darüber nachdenken, ja?
      LG
      Erika

    Schulprojekt

    21. Juli 2009 - 16:49 Uhr

    Heute in der dritten Schulstunde, von 9.30 Uhr bis 10.15 Uhr fand in der Aula (=Turnhalle) der Albert-Schweitzer-Realschule eine Veranstaltung für die Schülerinnen und Schüler statt, die sich an der Fragebogenaktion beteiligten. Die KlassensprecherInnen aller Schulen waren eingeladen, gekommen waren Vertreter des Paulusheims, der Stirumschule und die kompletten Klassensprecher der Realschule, sowie die Klasse, die gerade das Glück hatte, vom Rektor Herrn Betz unterrichtet zu werden sowie die Klasse, die gerade in der Halle Sport hätte. Es war eine sehr hörsame Atmosphäre, die SchülerInnen waren sehr still, einige schrieben mit. Man spürte, dass sie bei der Sache waren, als es um Ferien- und Freizeitbeschäftigung chillen ging, wurde auch mal gelacht und es gab leise Kommentare. Meine Tochter berichtete, dass die Plakate mit der Auswertung auch tatsächlich im Klassenzimmer ankamen. Ich glaube, es hat die Schülerinnen und Schüler schon gefreut, dass wir signalisiert haben, dass wir ihre Anliegen ernst nehmen und das ist auch rübergekommen. Mal sehen, was im Herbst bei der Zukunftswerkstatt ankommt.

    (Marieluise)


    was praktisches – Infos über faire Milch

    20. Juli 2009 - 17:14 Uhr

    Im Chat am letzten Samstag haben wir uns unter anderem über den Einkauf von „Fairer Milch“ unterhalten.

    Ich habe angefangen zu recherchieren.

    Eine unkomplizierte Möglichkeit an faire(re) Milch zu kommen, scheint der Markendiscounter „netto“ zu sein.

    In Bruchsal und Umgebung ist das noch Plus, wird aber auch im Laufe der Zeit auch zu Netto.

    So wie ich informiert bin, hat Plus aber jetzt schon das neue Sortiment.

    Es ist die H-Milch mit 1,5 % Fett unter dem Namen „Ein Herz für Erzeuger“

    Da mag man vielleicht sagen, H-Milch muss nicht sein. Aber, wenn man sich genauer anschaut, was im Discounter und Supermarkt heutzutage als Frischmilch angeboten wird, fällt auf, das ist definitiv keine Frischmilch mehr. Ein Blick auf die lange Haltbarkeit verdeutlicht das.

    Ich füge zwei Links hinzu:

    über die H-Milch von Netto – u.a. mit einer Stellungnahme von Bernhard Burdick, Leiter Ernährung bei der Verbraucherzentrale NRW

    http://www.derwesten.de/nachrichten/nachrichten/wirtschaft-und-finanzen/2009/5/6/news-119034611/detail.html

    zum zweiten über die neue „Frischmilch“, die sogenannte ESL-Milch, die eigentlich keine Frischmilch mehr ist.

    ESL-Milch steht natürlich nicht auf dem Etikett. Erkennen kann man sie an Umschreibungen, wie länger haltbar usw. Das schlimme, man kriegt kaum noch etwas anderes. Es gibt Quellen, die sagen zu 98 % steht solche Milch im Discounter- und Supermarktregalen.

    http://www.vz-nrw.de/UNIQ124809772611126/link587571A.html

    (den link kopieren und in die Adressleiste einfügen)

    Ansonsten bleibe ich weiter dran an dem Thema.

    Das eigentlich Ziel muss sein, dass die Erzeuger jeder Milch soviel Geld erhalten, dass es sich auch für ihn rechnet.

    Liebe Grüße Uschi


    2 Reaktionen zu “was praktisches – Infos über faire Milch”

    1. Ise am 21. Juli 2009 um 18:10 Uhr
      Eigentlich hatte ich gestern schon einen Kommentar dazu geschrieben, aber der taucht irgendwie nicht auf…
      Ich finde den Beitrag über die Milch toll, mich ärgert es auch, wenn wir einfach manipulierte, länger haltbar gemachte Milch als Frischmilch verkauft bekommen und es gar nichts mehr anderes gibt. Habe letzthin dazu auch einen Beitrag vom Verbraucherschutz gesehen, die fordern auch zu Protest auf. Aber mich ärgert zusätzlich auch, dass ich in Bruchsal, wenn ich auf die Packung schaue, Milch von glücklichen Kühen aus Schleswig oder Bayern bekomme. Gibt es in der Umgebung von Bruchsal keine Milchbauern und Milchwerke? Als ich noch Kind und Jugendliche war, wußte ich, dass unsere Bauern zu Hause die Milch bei Kutel abgaben, da kam gegen Abend der Milchwagen und holte die Milch und im Supermarkt gab es nur Milch von Kutel (Essen, also unserer Bauern um die Ecke) oder maximal noch von Tuffi, den Wuppertaler Milchwerken. Warum wird die Milch heute besonders günstig, wenn sie im LKW einmal durch Deutschland gefahren wird? Wieso kann sie nur dann im Preiskampf bestehen? Diese Logik verstehen normal denkende Menschen nicht und wir sollten versuchen regional und saisonal einzukaufen!
    2. Nantke am 21. Juli 2009 um 19:08 Uhr
      Ja,dies ist ein Dilemma und gerade hier,ist es uns doch möglich (auch mit wenig Geld :-) Positiv was zu verändern Bitte fangen wir an – ich mache gerne mit und werde versuchen im Umfeld dafür Gehör zu bekommen. Es kann Freude machen in seinen Möglichkeiten,sind sie auch Klein etwas zu tun -wenn dann noch das hilflosigkeits Gefühl ein wenig weniger wird – wer weiss was dann noch entstehen kann.
      Herzliche Grüße
      Nantke

    Letzter Abend…

    18. Juli 2009 - 18:57 Uhr

    Da ich an diesem letzten der Abende Mutterpflichten hatte und mit meinen Kindern in die Schule musste, kam ich erst nach 21 Uhr zum Amos. Ich setzte mich in die Kirche, wo das Stilleangebot stattfand. Es tat sehr gut, einfach da zu sein, mitzusingen, dem Text über die Tür zuzuhören, der mir sehr gut tat und eben mal nichts tun zu müssen. Der Abschluss mit dem Lied “Jetzt ist die Zeit” war sehr gut. Nun erfüllt mich ein wenig Wehmut, kein Abend mehr, obwohl der Druck sehr groß war und die Anspannung vor den einzelnen Abenden und es danach dementsprechend schwer war, runter zu kommen. Viele berichteten von den kurzen Nächten, auch dieses Mal war es bei mir wieder 2 Uhr und heute war zwar Samstag, aber um 7.30 Uhr ging der Wecker. Die Abende waren nicht gesundheitsfördernd, ich hatte beim Heimkommen meist noch Hunger, habe auch mal gesündigt und Pizza gegessen oder was Süßes, Schlaf gab es wenig, aber ich möchte keinen der Termine missen. Vielleicht hatten einige erhofft, mehr Menschen zu erreichen, aber für mich hat es sich gelohnt. Viele Menschen waren jetzt jedes Mal dabei, wir hatten viele gute Gespräche, auch in der Stadt oder vor der Kirche ging es immer wieder um den Amosprozess, auch bei Veranstaltungen in den Gemeinden. Ich freue mich jetzt auf das Abschlusswochenende.

    (Marieluise)


    Kirche im Exil – Den Schatz suchen und finden

    18. Juli 2009 - 11:07 Uhr

    Die Kleingruppe hat sich mit einem Interview mit dem Theologen Fulbert Steffensky auseinander gesetzt. Dass wir in der Entwicklung zu einer „Kirche im Exil“ stehen, ist uns seit langem vertraut. Auf manches, was dem einen oder der anderen lieb war, muss verzichtet werden. Im Gespräch wurden jedoch auch die Chancen sichtbar, die sich in dieser Entwicklung auftun. Einige konnten wir benennen:

    Für den Einzelnen ist es eine Entlastung, wenn eine Institution, eine Gruppe von Menschen den „Schatz an Geschichten“ bewahrt und weitergibt, den uns das Evangelium des Alten und Neuen Testamentes anbietet. Diese Geschichten beharren auf dem Recht der Schwachen und Armen und sie sprechen die Sprache des Trostes und der Hoffnung. Es wäre ein großer Verlust, wenn sie verloren gingen. Menschen, die nicht durch Gesetze oder soziale Kontrolle gezwungen sind, sich vielmehr diesem Evangelium freiwillig und froh aussetzen, werden lernen und sich in die Lage versetzen, ihre Welt aus der Sicht der Armen und Schwachen zu sehen.

    Einig waren wir uns, dass der Verlust an Einfluss und Macht, den die Großkirchen zu verzeichnen haben, die Chance in sich birgt, aufmerksamer zu werden für das Evangelium, das zuerst den Menschen am Rande gilt. Eine arme und eine einflusslose Kirche kann glaubwürdiger werden und die Neugier wacher Menschen wieder wecken.

    Wenn Christinnen und Christen – zusammen mit vielen Menschen z.B. in den NGO’s – sich für die Menschenrechte einsetzen, dann können sie nicht nur Argumente einbringen. Sie bringen zugleich Geschichten, Lieder, innere Bilder und den Erfahrungsschatz der Toten mit. Wieder einmal wurde uns deutlich, dass wir diese spirituelle Verankerung brauchen, wenn wir den langen Atem haben wollen, der im Interesse der Armen und Schwachen am Rande nötig ist. Und noch einmal wurde klarer, dass es unsere ureigene Sache ist, uns miteinander diesen Schatz vertraut(er) zu machen.

    Schließlich beschrieb Steffensky den Skandal der getrennten Kirchen sehr pointiert: „Machen Sie mal jungen Menschen klar, warum sie nicht miteinander das Brot nehmen sollen, wenn rundherum die Welt brennt!“ Da konnten wir nur zustimmen.

    Unser Gespräch war an mehreren Stellen – nicht nur in der Frage der Unglaubwürdigkeit getrennter Kirchen – von der Erkenntnis durchzogen, dass die Hörsamkeit auf das Evangelium manchmal einhergehen muss mit dem Ungehorsam gegenüber menschlichen Setzungen, sofern sie Menschen nicht hilfreich sind.

    Erika Kerstner

    P.S.: Das Interview mit Steffensky ist unter http://www.reformiert.info/artikel_5913.html nachzulesen.


    Höre ich was ich höre

    12. Juli 2009 - 21:51 Uhr

    So haben wir am Donnerstag unsere Gesprächsrunde überschrieben.

    Um uns auf das Hören einzustellen haben wir eine Melodie gehört, die traurig und melancholisch, fröhlich und ausgelassen war. Ihr Hintergrund war eine populäre jüdische Melodie, die Martin Rosenberg zu einem Trauerlied umgeschrieben hat, als er von seiner Verlegung von Sachsenhausen nach Auschwitz erfuhr. Er zeichnet das Bild von 10 Brüdern, die einer nachdem anderen ermordet wurden. Der letzte Bruder kommt zu dem Schluss: „Wir haben Niemandem wehgetan, wir haben nichts Unrechtes getan“ und trotzdem – alle sind tot.

    Die Melodie gibt diesen Hintergrund nicht her.

    Im Gespräch waren wir ganz schnell bei der Frage, was erfahren wir über die Medien? Was ist wahr von dem was wir zu hören und zu sehen bekommen? Was ist nur ein bißchen wahr?

    Was ist so wahr wie es ist?

    Vor allem die Krisengebiete waren im Zentrum des Gesprächs und somit auch die Predigt. Ist Kampf gleich Krieg und daher eine Auszeichnung fehl am Platz oder ist der Einsatz für die Kameraden lobenswert?

    Mancher kam an den Punkt, dass ihn das was er zu hören bekommt ganz oft überfordert und dass man manchmal nicht mehr hinhören möchte, weil man ja doch nichts ändern kann.

    Einem jungen Mann war es ganz wichtig, dass wir hören was in der Welt passiert, schon auch, damit wir unser eigenes Leben besser einordnen können, damit wir helfen wo die Not am Größten und damit wir uns informieren, wo Hilfe wirklich ankommt.

    Dabei wurde auch deutlich, dass wir über die Medien zumindest ungefähr wissen, was in der Welt passiert, aber die Not in der Nachbarschaft nicht an unsere Ohren dringt.

    Wie wir uns vornehmen könnten zuzuhören, beschreibt der Text eines unbekannten Verfassers:

    Wenn ich dich bitte, mir zuzuhören, und du beginnst, mir Ratschläge zu geben, hast du nicht das gemacht, worum ich dich gebeten habe.

    Wenn ich dich bitte, mir zuzuhören, und du beginnst, mir zu sagen, wieso ich dies nicht fühlen sollte, verletzt meine Gefühle.

    Wenn ich dich bitte, mir zuzuhören, und du spürst, dass du etwas tun musst, um mein Problem zu lösen, tust du mir Unrecht, so seltsam dies erscheinen mag.

    Hör zu, alles, worum ich dich bitte, ist, dass du mir zuhörst. Weder musst du etwas sagen noch irgendetwas tun, ich bitte dich nur, mir zuzuhören. Ich kann selber handeln, ich bin nicht machtlos, vielleicht etwas enttäuscht oder zögernd,aber nicht hilflos. Wenn du etwas für mich machst, das ich selber machen kann und selber machen muss, trägst du zu meiner Angst bei, betonst du mein Unwohlsein.

    Wenn du jedoch wie eine einfache Tatsache akzeptierst, dass ich das fühle, was ich fühle (wie irrational dies auch sein mag), kann ich aufhören, dich zu überzeugen, und ich kann versuchen zu beginnen, zu verstehen, was hinter diesen irrationalen Gefühlen ist. Wenn dies klar ist, werden die Antworten offensichtlich und ich brauche keine Ratschläge.

    Die irrationalen Gefühle werden verständlich, wenn wir verstehen, was sich dahinter verbirgt. Vielleicht funktioniert deshalb manchmal das Gebet, für einige Menschen, denn Gott ist stumm. Er oder sie gibt keine Ratschläge. Er oder sie versucht nicht, die Dinge in Ordnung zu bringen. Sie hören einfach zu und lassen dich das Problem selber lösen.

    Daher, bitte, hör zu und höre mich.

    Und wenn du dann reden willst, warte eine kurze Weile und ich werde dir zuhören.

    Erika Gerken


    2 Reaktionen zu “Höre ich was ich höre”

    1. Sybille Heck am 12. Juli 2009 um 22:54 Uhr
      Hallo!
      Wer diesen Artikel “Höre ich was ich höre” geschrieben hat, kann ich leider nicht erkennen… Trotzdem meine Rückmeldung dazu: Danke vor allem für den Text des unbekannten Verfassers. Er spricht mich sehr an, macht mich nachdenklich…
      Sybille
    2. roland am 12. Juli 2009 um 23:04 Uhr
      Sorry, war mein Fehler. Autorin steht nun dabei!
      Roland

    5. Amoschat – Unerhörte Worte

    11. Juli 2009 - 09:53 Uhr

    Hallo Zusammen,

    mit dem Thema war es nicht so einfach.

    Aufrüttelnde, anprangernde Worte, auch wenn sie ungehört bleiben sind wichtig! Wichtig insofern, als dass sie einen den Glauben an die „Menschheit“ nicht verlieren lassen. Ein Funken Hoffnung, der einen nicht ganz verzweifeln lässt.

    Eine Teilnehmerin sagte, man dürfe nicht aufhören zu reden, nicht aufhören aufzubegehren, wieder anfangen zu demonstrieren – z. B. um zu verhindern, dass der Atomausstieg rückgängig gemacht wird.

    Ein weiterer Einwurf waren die neusten Folterereignisse in deutschen Gefängnissen an Strafgefangenen durch Strafgefangene.

    Darüber blieben wir sprachlos. Nicht einen Satz haben wir darüber gesprochen!

    Da vergreifen sich Menschen, die am Rand der Gesellschaft stehen an Menschen, die noch schwächer sind. Ich glaube unsere Sprachlosigkeit über diesen Beitrag traf punktgenau unser Dilemma. Man sieht etwas in den Nachrichten, man liest etwas in der Zeitung und manchmal wird man auch Zeuge – und spüren unsere Machtlosigkeit und verstummen, oder erstarren in Schreckstarre.

    Sprachlosigkeit. Wenn Worte gar nichts zu bringen scheinen, wird man sprachlos. Wir suchten nach anderen Ausdrucksformen, wenn Worte nichts bringen. Wie die Diskussion verlief kann ich gar nicht genau sagen – aber gegen Ende landeten wir bei Gott.

    Er ist wohl die einzige konstante Größe, auf die man sich verlassen kann.

    Ich frage mich, jetzt wo ich diese Zusammenfassung schreibe, was würde Gott wohl machen, wäre er an unserer Stelle.

    Er hat ja unter uns gelebt und hat es uns vorgemacht. Er hat nicht aufgehört, anzuprangern, Missstände aufzudecken, sich für Schwache einzusetzen. Er ist nicht verstummt, hat sich nicht den Mund verbieten lassen und ist nicht in Schreckstarre oder Lethargie verfallen. Hat nicht den Kopf in den Sand gesteckt, sondern hat, da wo er war, gehandelt.

    Was mir nun auch auffällt – viel mehr staatliche und gesellschaftliche Macht als wir, hatte Jesus damals auch nicht und wurde dennoch nicht sprachlos und handlungsunfähig.

    Liebe Grüße Uschi


    Vom Sturz aller Täter und vom Aufstand aller Opfer

    10. Juli 2009 - 18:02 Uhr

    Eine Kleingruppe hat am 4. Amos-Abend das Gedicht „Advent“ von Lisianne Enderli betrachtet. Dort ist davon die Rede, dass jede von uns Prophetin ist, ausgespannt zwischen Himmel und Erde, in den Händen Licht und Wahrheit haltend.

    Diese hoffnungsvolle Prophetinnenperspektive wird vor einer dunkleren Folie ausgebreitet. Prophetinnen sind Menschen, die den Traum vom Sturz aller Täter und vom Aufstand aller Opfer zu Freundschaft und Lebenslust singen. Sie erzählen von Unrecht und Schmerz und sie künden vom kommenden Leben, das

    „leise

    unaufhaltsam

    unter uns Gestalt annimmt“.

    Zuerst wandte das Gespräch sich den hoffnungsvollen Bildern zu, die Menschen ermächtigen, den Traum von Licht und Wahrheit zu singen und zu erzählen. Schwerer fiel es uns, uns dem Inhalt der Prophetinnenbotschaft zuzuwenden. Täter müssen zuallererst gestürzt werden. Zuallererst ist von Unrecht und Schmerz zu sprechen. Der Wunsch, dass Täter Vergebung finden mögen, gewann zunächst im Gespräch die Oberhand. Auch der Hinweis fehlte nicht, dass Täter nicht selten zuvor Opfer waren.

    Erst langsam konnten wir wahrnehmen, dass unsere Beschäftigung mit der Erlösung der Täter unserem Harmoniebedürfnis entspringt und dass wir Gefahr laufen, über der Beschäftigung mit den Tätern die Frage nach dem Leid der Opfer vergessen zu machen. Wer – wie Amos – Unrecht beim Namen nennt, riskiert noch immer, das Harmoniebedürfnis zu stören und sich unbeliebt zu machen.

    Die Frage, ob wir uns und anderen Menschen erlauben, von erlittenem Unrecht und von Schmerz zu erzählen, blieb offen. Benannt wurde die permanente Versuchung, Unrechts- und Leiderfahrungen mit Rat-„Schlägen“ begegnen zu wollen – wo Menschen doch so oft nur mit einem offenen Ohr zu helfen ist, damit sie ihre Wahrheit einem anderen Menschen sagen können.

    Zuletzt wandten wir den Blick dem Titel des Gedichtes zu: „Advent“ – Ankunft. Noch müssen wir auf die Gerechtigkeit warten – aber wir müssen es nicht tatenlos tun. Wir können an unserem Ort mithelfen, dass Unrecht benannt und Schmerz erzählt werden darf.

    (Erika)


    4. Amosabend

    10. Juli 2009 - 11:14 Uhr

    “Prophetische Worte in der Dichtung” so war unsere Gruppe überschrieben. Wir hatten 11 Gedichte ausgewählt, die für uns damit zu tun hatten, wobei dies sicher nicht bei allen auf den ersten Blick ersichtlich war. Dies galt es als erstes herauszuarbeiten. Dann wollten wir darüber sprechen, welches Gedicht die Teilnehmenden am meisten anspricht oder auch zu Widerspruch anregt. Danach hatten wir die Biographien der Dichterinnen und Dichter vorbereitet und wollten dann ans kreative Schreiben gehen. Aber um 20.50 Uhr waren wir noch in der Kirche! Bis dann alle saßen und (was mich in vielen Gruppen wundert) wie schwierig es ist, 11 Blätter durchzugeben, bis jede und jeder alle hat, danach war nicht mehr viel Zeit.

    Es waren folgende Gedichte ausgewählt worden:

    Wir kamen kurz ins Gespräch über den Rat an den Prediger, Rose Ausländers Wort, das eine Welt erschafft (natürlich auch in Bezug zu Joh 1 Im Anfang war das Wort), die ausgeschnittenen Bilder, die im Buch liegen und mich nicht mehr berühren, über die Lebenswenden und die Wende 1989. Nelly Sachs Propheten hätten uns Gesprächsstoff für einen ganzen Abend gegeben. Bei den Kindern reicher Leute haben wir einen Bezug zum Anspiel von Pia und Lisa-Marie von den Minis St. Peter hergestellt und darüber geredet, wie achtlos die, denen es gutgeht doch über das Elend der Armen hinweggehen, schon als Jugendliche.

    Die Entscheidung, dieses Thema am Donnerstagabend zu wählen, traf ich, als ich die Verteilung der Lesungstexte vor mir hatte. Text des Tages war ja die Ausweisung des Propheten. Dabei kommt die ganze Frage nach Berufung und Auftrag des Propheten zur Sprache. Wenn Amos sich nicht als Berufsprophet bezeichnet, was bedeutet das für uns? Er erzählt von seinen Visionen, gibt es heute Menschen, die so etwas erleben? Sind Gedichte nicht auch oft Weckrufe, die mich aufrütteln? Haben die Autorinnen und Autoren nicht auch Visionen?

    Auch in der Predigt ging es um die Aufgabe des Propheten Amos. Die deutlichen Worte zu Mißständen in der Politik kamen hinzu. So waren diese Aussagen natürlich auch prägend für das Gespräch in unserer Gruppe und die Auswahl der Gedichte für die Teilnehmenden. Zu Hause bei meiner Auswahl sprachen die Texte mich ganz anders an, als am Abend nach dem Gottesdienst, da war der, der zu Hause stark war, plötzlich eher im Hintergrund und umgekehrt. Aus dem Thema könnten wir gut und gerne noch einen ganzen Abend machen. Für eine 1/2 Stunde hatten wir uns effektiv zu viel vorgenommen.

    (Marieluise)


    „Tu weg das Geplärr“ – „Recht, Gerechtigkeit, Wahrheit“

    7. Juli 2009 - 21:20 Uhr

    Ich hasse eure Feste, ich verabscheue sie und kann eure Feiern nicht riechen. Wenn ihr mir Brandopfer darbringt, ich habe kein Gefallen an euren Gaben und eure fetten Heilsopfer will ich nicht sehen. Weg mit dem Lärm deiner Lieder! Dein Harfenspiel will ich nicht hören, sondern das Recht ströme wie Wasser, die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach. Amos 5, 21-24

    Am 1. und 2 Juli trafen sich vier Frauen und ein Mann zum ökumenischen Amos-Kunstprojekt.

    Angeboten vom Förderkreis für Kunst und Kirche e.V.: „farbe und bekennen“, machten wir uns daran, den sehr drastischen Text darstellerisch umzusetzen.

    Am ersten Tag bauten wir aus Drahtgeflecht einen Berg, der mit allerlei Wohlstandsmüll und Blättern gefüllt wurde, auf denen wir zahlreiche Missstände unserer Zeit aufgeschrieben hatten. Diesen so entstandenen Müllberg umklebten wir mit Blättern ausrangierter Gesangbuchblätter, um dem Lärm der Lieder, den Amos anprangert, einen Ausdruck zu geben.

    Die Aufschrift “Tu weg das Geplärr”, die Worte Amos aus der Lutherübersetzung vervollständigt die Mahnung.

    Aus dem Müllberg der fetten Dankopfer unseres Alltags sollte nun am zweiten Tag ein Zeichen fließender Gerechtigkeit werden. Mit Aktionpainting, dem Anbringen verschiedener Materialien und die plakative Beschriftung der Worte „Gerechtigkeit, Recht und Wahrheit“ schlossen wir unser Werk ab.

    Im Laufe des Schaffensprozesses kam uns die Idee, einen Heiligenschein auf dem Ganzen anzubringen.

    Tja, ist es ein Heiligenschein geworden, oder doch eher ein Schein-Heiligen-Schein, eine Dornenkrone oder vielleicht eine Krone der selbsternannten neuen Götzen? Schauen Sie selbst und lassen Sie sich inspirieren.

    Am Samstag, 25. Juli soll ein Rückbau der Skulptur stattfinden. Alle Teilnehmer des Abschlusstages sind eingeladen, das Kunstwerk „aufzubrechen“ und den Müllberg zu ent-müllen. Symbolisch soll damit Platz geschaffen werden, damit Gott den neu gewonnen Raum mit seinem Geist füllen kann.

    Ich bedanke mich noch einmal für die tolle Zusammenarbeit. Meinem Mann und mir hat es sehr viel Spaß gemacht! Frisch inspiriert – mit vielen neuen Ideen, bin ich nach Hause zurückgefahren und werde aus der Ferne weiter am Amosprojekt teilnehmen.

    Herzliche Grüße

    Uschi Schedlik

    “Gerechtigkeit, Recht, Wahrheit”


    Gottesdienst ist Menschendienst

    6. Juli 2009 - 08:09 Uhr

    Wir haben uns zu zweit unterhalten, wie es denn in unserem Leben mit dem Menschendienst aussieht.

    Dabei sind wir zu dem Schluss gekommen, dass wir einerseits die Menschen aufsuchen müssen, die meine Hilfe brauchen. Will heißen: Ich muss, je nachdem in welchem Umfeld ich sozialisiert bin, aktiv werden um der Not der Menschen zu begegnen. Nur weil ich sie in meiner Familie und in meinem Verwandten- und Freundeskreis nicht antreffe, heißt es ja noch lange nicht, dass sie bei uns nicht existiert!

    Und zum anderen haben wir festgestellt, dass auch in sogenannten „gehobeneren“ Kreisen oftmals eine seelische Not in Form von innerer Leere besteht. Gerade hier ist angesagt, durch meine Person, durch mein vom Glauben getragenes Leben Zeugnis zu geben. Oftmals „nutzen“ dann Menschen die Gunst der Stunde in einem Zweiergespräch um uns über unseren Glauben an- und auszufragen. Leute, von denen wir es eigentlich nieeeee erwartet hätten.

    Herzlicher Gruß

    Maria Hable


    1.7.2009

    2. Juli 2009 - 23:24 Uhr

    Der Gottesdienst und vor allem die Dialogpredigt hat mich sehr beeindruckt. In der Meditationsgruppe wurde über den Inhalt nicht mehr gesprochen. Jeder gab sich seinen eigenen Gefühlen und Gedanken hin. Ein Austausch fand eher danach statt oder auch heute in verschiedenen Begegnungen. Zwei Dinge haben mich dabei besonders beschäftigt. Das Eine ist unmittelbar mit dem Anderen verbunden. Ich hatte plötzlich das Gefühl, als hätten die Gedanken um unsere Gottesdienste auf einmal eine Ausrede gefunden. Plötzlich war die nicht funktionierende Ökumene in den Blickpunkt gerückt. Auch in den Gesprächen heute war das Verhältnis evangelisch – katholisch das wichtige Thema. Dabei war es doch in der Predigt ganz klar: „Wir sollten uns an den Juden ein Beispiel nehmen, die trotz vieler verschiedener Glaubensformen eine Einheit im Glauben sind.“

    Wenn wir uns daran fest machen, dass Gottesdienst – Menschendienst ist, dann schließt das die Ökumene automatisch mit ein. Dann spielt es keine Rolle mehr, mit wem ich mein Brot breche. Dann ist es der Mensch, den ich im Blick habe, der Mensch, den ich mit den Augen Jesu zu sehen versuche. Dann spüre ich auch, dass wir uns über das Thema Ökumene ganz schnell um das Problem herum gemogelt haben, dass wir immer noch ein Schichtendenken haben und dass Ausgegrenzte es mit unseren Spenden vorlieb nehmen müssen. Aber das war für mich das eigentlich zentrale Thema dieses Gottesdienstes. Das Brotbrechen hat mich gefreut. Es war ein Schritt miteinander auf einem gemeinsam eingeschlagenen Weg. Kein unwichtiger Schritt. Sich in der Konfession gegenseitig nicht zu akzeptieren, ist eine Art der Ausgrenzung. Aber wie erreichen wir durch Armut, Arbeitslosigkeit, Hautfarbe, andere Religioen, etc. ausgegrenzte Menschen und wie können wir sie bei uns beheimaten? Wann und wo lassen wir unseren Weckrufen Taten folgen? Im ganz Kleinen und vielleicht auch im Großen?

    Ich wünsche mir, dass das alles nicht nur ein Traum bleibt.

    Erika Gerken


    3. Amosabend

    2. Juli 2009 - 09:01 Uhr

    Ich sehe, auch andere haben die Nacht wenig geschlafen… Wir sind erst kurz vor Mitternacht im Bernhardussaal auseinandergegangen und dann war ich noch zu aufgedreht, um gleich ins Bett zu gehen.

    Die Kirche war gestern noch voller, als bei den beiden Abenden zuvor. Ich habe mich sehr gefreut, dass wir einen ökumenischen Gottesdienst gefeiert haben. Der Gottesdienst hat mir sehr gut gefallen. Die Dialogpredigt war toll, stark, wie die Sätze zueinander passten, obwohl nichts abgesprochen war. Das Ende hat mich eher traurig gestimmt, ich fand es wichtig, Brot durch die Reihen zu reichen, denn zu Gottesdienst gehört auch Abendmahl und wenn uns dies verweigert ist, dann kann Brot als Zeichen dienen. Aber dieses Symbol hat mir die Trennung wieder so deutlich vor Augen geführt, hat mir gezeigt, wie weh es tut, dass wir Christen getrennt sind.

    Um das Thema Ökumene ging es auch in meiner Gesprächsrunde sehr stark. Als Einstieg hatte ich einen kurzen Impuls von Hans Küng gewählt, der mir in der Oper (!) in die Hände fiel, als ich in Karlsruhe im Badischen Staatstheater im Don Carlos im Programmheft blätterte und bei der Überschrift “Kein Gottesdienst ohne Menschendienst” hängen blieb, die ja auch Thema meiner Kleingruppe war. Küng erinnert an die alttestamentlichen Propheten und ihre Forderungen nach Gerechtigkeit, die als Forderungen Gottes vorgetragen werden. Damit stiegen wir ins Thema ein. Es wurde auch noch mal an die Predigt angeknüpft, in der es hieß, Gottesdienst ist Dienst Gottes an uns.

    Danach gingen einige Gesprächsteilnehmer auf das Anspiel ein, in dem viele verschiedene Gottesdienstformen und die Frage nach zeitgemäßen Gottesdiensten angesprochen wurden. Ein Teil wünscht sich solche themen- und zielgruppenorientierten Gottesdienste, ein Teil betonte, wie gut es sei, dass sich sonntags die ganze Gemeine zur Feier versammelt und vom plappernden Kleinkind über die Verliebten bis zur trauernden Witwe alle ihren Platz haben und wir als Gemeinschaft gefordert sind, uns auch allen zuzuwenden und nichts auszuklammern, weil es uns unangenehm ist.

    Natürlich kam auch die Frage nach Priesteramt der Frau, Verbot von Laienpredigt in Eucharistiefeiern und eben die Frage nach gemeinsamem Abendmahl und den schwierigen Wegen der Ökumene zur Sprache. Wie schwierig waren und sind die Wege für konfessionsverschiedene Paare, wie wenig Verständnis hat Weltkirche für diesen sehr deutschen Konflikt. Es ist in all den genannten Punkten so, dass nach dem 2. Vatikanischen Konzil keine weiteren Fortschritte mehr erzielt wurden, das Konzil war bahnbrechend, danach Stillstand oder Rückwärtsbewegung und so viele warten auf Schritte nach vorne.

    Deutlich wurde auch, wenn wir Amos folgen, dann darf am Ende der 7 Wochen nicht stehen, gut, dass wir drüber geredet haben. Wo folgen konkrete Taten.

    Wie haben wir zum Abschluss so passend gesungen? Wenn einer alleine träumt, ist es nur ein Traum, wenn viele gemeinsam träumen, so ist das der Beginn einer neuen Wirklichkeit – träumt unsern Traum!

    (Marieluise)


    Theresa von Avila

    2. Juli 2009 - 01:26 Uhr

    1.7.2009

    Der 3. Amos-Abend stand unter dem Thema: „Gottesdienst ist Menschendienst“. Eine Kleingruppe beschäftigte sich mit einem Gebet von Theresa von Avila. Diese Frau sagte von sich selbst, sie sei ein Weib „und obendrein kein gutes“ – eine Mut machende Selbstbeschreibung J. In diesem Gebet klagt sie – im 16. Jahrhundert! – die Geringschätzung der Frauen in ihrer damaligen Gesellschaft und ihrer damaligen Kirche an und wendet sich klagend an Jesus, bei dem sie einen wertschätzenden Umgang mit Frauen wahrnimmt.

    Wir stellten in der Gruppe fest, dass sich für Frauen seither in der Gesellschaft bereits viel geändert hat – auch wenn noch immer nicht von einer Gleichberechtigung gesprochen werden kann.

    In den Leitungsebenen der (kath.) Kirche jedoch sieht es so aus, als wären wir im 16. Jahrhundert stehen geblieben. Dort sind Frauen bis heute einseitig auf vorgegebene Rollen festgelegt, die längst nicht mehr der Wirklichkeit unterschiedlicher Frauenleben und verschiedenster weiblicher Existenzentwürfe entsprechen. Gottesbilder sind in der Kirchensprache noch immer zu oft männliche Bilder. Weil Frauen von wichtigen meinungsbildenden Ebenen in der katholischen Kirche ausgegrenzt werden, wird ihr Recht auf Anerkennung ihrer Würde missachtet und die Missachtung – mangels Kontakt mit realen Frauen – noch nicht einmal als Widerspruch zu jesuanischem Leben wahrgenommen.

    Theresa von Avila zeigt uns zwei Wege, wie wir heute – als weibliche, aber auch als männliche Laien – der Falle entkommen können, in die uns zu viel Bescheidenheit führen könnte; der Falle, die uns zugeschriebene minder-wertige Rolle auch zu übernehmen. Theresa von Avila wendet sich an Jesus selbst, um ihm das ihr und anderen Frauen angetane Unrecht zu klagen und mit ihm an ihrer Seite die notwendige Wertschätzung unverdrossen von Gesellschaft UND Kirche einzuklagen, solange bis sie denn endlich verwirklicht wird. Und sie dringt darauf, dass Frauen sich Bildung aneignen. Dies gilt auch für theologische Bildung, wie wir im Gespräch feststellten. Wir wollen uns nicht abfinden mit den vermeintlich unverrückbaren Traditionen zu Ungunsten von Frauen; Traditionen, die sich nicht selten beim genaueren Hinschauen als weder historisch noch theologisch durch die Berufung auf Jesus von Nazareth legitimieren lassen.

    Sichtbar wurde im Gespräch, dass wir einander brauchen, um uns gegenseitig Mut zu machen, wenn wir längst vor Ort Wege gehen, die unserer Würde als (weibliche) Kinder Gottes angemessen sind. Sichtbar wurde auch unsere Trauer über jene Frauen und Freundinnen, die der Kirche längst den Rücken kehrten, weil sie dort nicht fanden, was sie für ihr Leben brauchten.

    Und sichtbar wurde auch im Erzählen einer alten Frau, wie viel Kraft sie brauchte und (!) hatte, um gegen die einengenden Vorschriften speziell für Frauen ein langes Leben lang zu kämpfen. Der Kampf um unsere Würde ist innerkirchlich noch lange nicht am Ende – und wir brauchen solche Vorbilder – eine Theresa von Avila aus dem 16. Jahrhundert; einen Amos um 760 v.Chr., der die Gerechtigkeit „wie einen nie versiegenden Bach“ anmahnt; einen Jesus von Nazareth, dessen Gott einer Frau die Botschaft der Auferstehung Jesu anvertraute – und nicht zuletzt jene Frauen und Männer, die uns vorangegangen sind und von ihren Kämpfen, Niederlagen und Siegen erzählen.

    Die Amos-Worte vom Gottesdienst, der Menschendienst sein muss, sind speziell für Frauen und insgesamt für Laien bis heute uneingelöst.

    Erika Kerstner


    Und immer noch bewegt Amos…

    28. Juni 2009 - 14:58 Uhr

    Die Türkei wirkt noch nach… Wen wundert’s?! :-) Noch ein paar Gedanken dazu. Im Vorfeld hatten wir verschiedene Hotelbewertungen über “HolidayCheck” zu allen möglichen Hotelanlagen durchgestöbert und auf Bitte des Hotels auch selbst eine Bewertung abgegeben. Immer wieder klicke ich mich zu dem Hotel durch und werde dabei immer nachdenklicher… Die Bewertungen unseres Hotels sind zu etwa 90 % positiv. Man kann sehen, wie oft die einzelnen Bewertungen gelesen werden. Was mir dabei auffällt ist, dass die negativen Bewertungen um ein Vielfaches öfter gelesen werden, als die anderen! Ich frage mich, ob ich mir nicht ein Stück Lebensfreude, Spontanität, Unbefangenheit nehmen lasse, wenn mich die Meinung anderer zu sehr beeinflusst. Was für einen anderen das “Letzte” ist, kann doch für mich sehr wohl sogar himmlisch sein… Macht mir also ein solches Bewertungssystem meine Wahl nicht eher noch schwerer? Eine Garantie, ob es mir dann gefällt oder nicht, gibt mir das letztendlich alles nicht. Hat das nicht eher etwas mit meiner Offenheit für alles Schöne, für die kleinen Dinge im Leben und mit meiner Lebensfreude zu tun?

    In diesem Sinne: schönen Urlaub!

    Mit herzlichen Grüßen aus Riedlingen von

    Sybille


    3. Amoschat – ein Rückblick

    25. Juni 2009 - 09:13 Uhr

    Hallo Zusammen,

    Eine Zusammenfassung zu formulieren wird schwer. Wir haben gestern sehr kontrovers diskutiert. Wer sich nicht ausreichend vertreten fühlt, möge doch bitte kommentieren. Am Anfang des Gespräches kam die Frage auf:

    Was statt des Geldes könnte die Welt regieren?

    Statt des Geldes könnte die Liebe, der Glaube – Gott regieren. Alle Menschen teilhaben lassen am Reichtum der Welt – das könnte uns dem biblischen Ideal, alle versorgt zu wissen, näher bringen.

    Das Problem dabei ist, dass sich nicht alle Menschen Gott verpflichtet fühlen und selbst die gläubigen Menschen, die biblischen Forderungen, wie z.B. das Teilen, nicht ausreichend praktizieren.

    Ein Gesprächsteilnehmer (ich wars – deshalb fällt es mir ein wenig schwer hier einigermaßen objektiv zu berichten) stellte die provozierende These in den Raum, dass nur die Politik die praktische Umsetzung einer gerechten Welt umsetzen kann.

    Die Forderung – „Wenn jeder so lebt, wie Jesus es fordert – dann würde die Welt besser“ – stimmt. Einzelne, sicherlich viele Einzelnen setzen diesen ‚Frommen Wunsch“ in die Tat um, aber im Großen, im Globalen kommt er leider nicht an.

    Es müsste meines Erachtens eine ‚Stelle’ geschaffen werden, die alle Menschen, v.a. alle Staaten verpflichtet. Das könnte eine Weltregierung sein, die mit ihren Gesetzen Mindeststandards und Regeln schafft und die Rechte und Versorgung aller Menschen einfordert und regelt, sowie die Demokratisierung aller Staaten vorantreibt.

    Mit meiner These stand dann auf einmal die Politik gegen die Kirche. Eine sehr kontroverse Diskussion begann.

    Schaut man sich aber z.B. die Grundrechte unseres Grundgesetzes genauer an, wird man feststellen, dass darin die biblischen Forderungen ihren Platz gefunden haben. Unsere Grundrechte sind inspiriert von den Zehn Geboten. Die christliche Botschaft hat hier in Deutschland und vielen Ländern der EU Einfluss genommen und die Grundordnungen modernen Staaten geprägt!

    Das ist dann kein Gegeneinander mehr, sondern eine gelungene Symbiose von christlichen Forderung und politischer Umsetzung. Hier in Europa war das möglich, warum sollte es nicht weltweit möglich sein. Es gibt Bestrebungen, der UNO ein Parlament zu geben. Das könnte ein Anfang sein. Wen es interessiert hier der Link: http://de.unpacampaign.org/index.php

    Allerdings müssen wir in der demokratischen Welt aufpassen, dass nicht immer mehr von unseren Errungenschaft abgeschafft werden, zugunsten des Profites. Wir haben eine Menge zu verlieren. Und was wir verloren haben, können wir schlecht weitergeben. In der Politik und beim Glauben auch.

    Noch mal zurück zum gestrigen Abend.

    Ein kleines Resümee:

    Die Einstellung und das Handeln des Einzelnen ist wichtig, dazu eine Politik, die alle Menschen im Blick hat.

    Liebe Grüße Uschi


    Die Option für die Armen

    24. Juni 2009 - 17:01 Uhr

    Der 2. Amos-Abend stand unter dem Thema „Geld regiert die Welt“. Eine Kleingruppe beschäftigte sich mit der „Option“ für die Armen“, wie der Prophet Amos sie einklagt. Auch wenn in Deutschland niemand hungern oder verhungern muss, ist die Besitz- und Vermögensverteilung ungerecht Denn 40% der Menschen hierzulande besitzen 91 % des Reichtums und die „restlichen 60% teilen sich die übrig gebliebenen 9%.

    Unser Augenmerk galt zunächst vor allem den Gründen, warum Frauen weltweit zwar mehr Arbeitsstunden als Männer leisten, aber dennoch ärmer als Männer sind.

    Frauen mit mehreren Kindern berichteten von ihrer früheren Armut und vom Verzicht auf Vieles, was für andere selbstverständlich war. Sie wiesen darauf hin, dass der Familienzusammenhalt durch den Mangel an finanziellen Mitteln nicht gefährdet war. Und sie stellten die Vermutung an, dass die Solidarität der Familienmitglieder miteinander durch die sehr begrenzten finanziellen Mittel eher noch gefördert wurde. Fast war von einem Reichtum die Rede, der sich nicht in Geldwerten bemessen lässt. Es zeigte sich im Gespräch auch, dass es in einer Gesellschaft, die nicht so tief gespalten war wie es unsere heutige ist, vielleicht ein wenig leichter war, finanziell ärmer zu sein als andere.

    Das Gespräch kam auch – und musste kommen – auf politische und wirtschaftliche Strukturen, die die Armut der Einen herstellen oder begünstigen und den Reichtum der anderen ermöglichen. Das Gefühl an Ohnmacht angesichts mächtiger Strukturen tauchte auf und führte zu einer gewissen Ratlosigkeit. Es gelang, Ohnmacht und Ratlosigkeit auszuhalten und nicht der Versuchung zu erliegen, beides abzuwehren – und damit dann auch die Arm-Gemachten aus dem Blick zu verlieren.

    Im letzten Teil des Gespräches konnten wir den Blick auf die kleinen Fort-Schritte lenken; auf erfolgreiche Frauenförderung; die Beteiligung von Frauen am Aufbau einer Friedensordnung nach Kriegen und Bürgerkriegen; auf die mühsame und langsame Arbeit der Nicht-Regierungsorganisationen für Gerechtigkeit und Frieden.

    Ein Gesprächsteilnehmer formulierte, was zu tun ist: Die Augen für die Menschen bei uns und weltweit offen zu halten, die Hoffnung nicht zu verlieren und mit dem „Stachel im Fleisch“ zu leben, dass wir weit entfernt sind von einer Welt, in der den Armen Gerechtigkeit geschieht. Und im Übrigen die kleinen Schritte zu gehen, die uns möglich sind.

    (Erika Kerstner)


    2. Amosabend

    24. Juni 2009 - 12:11 Uhr

    Gestern Abend ging ich mit deutlich mehr Gelassenheit in den Abend. Und mein Gefühl, dass der Dienstag noch besser besucht wird, hat sich nicht getäuscht. Dienstags treffen sich klassisch Frauengemeinschaft St. Paul, Kolping etc, so dass viele daher gemeinsam kamen. Die große Kirche in St. Paul war gut gefüllt. Das Anspiel der Koralle war sehr gelungen, die Predigt wie immer sehr nachdenkenswert, die Lieder inhaltlich gut abgestimmt, die Atmosphäre dicht und aufmerksam. Viele Minis von St. Paul und St. Anton waren da, auch das sehr erfreulich.

    Danach gab es insgesamt 7 Angebote, die Gesprächsgruppen waren nicht so frequentiert, da Lena Köhlers (Oberministrantin St. Anton) Bericht über ihr Jahr in Bolvien, das am 7. Juni zu Ende ging, allen anderen Gruppen den Rang ablief. Über 40 Leute waren gekommen, um von ihren Erlebnissen zu hören und zu sehen.

    In meiner Gruppe ging es stark um die Predigt. Als Impuls hatte ich einen Artikel über Biogas aus Brot http://blog.nn-online.de/muenchen/2009/03/11/der-munchner-brotkreislauf-ein-luxusproblem/ vorgelesen. Danach haben wir über uns als Reiche gesprochen. Mir war es wichtig, nicht über Managergehälter zu schimpfen etc, sondern zu fragen, wo wir uns selbst mit unserem bescheidenen Wohlstand durch unser Verhalten schuldig machen. Da kamen auch ähnliche Überlegungen auf, wie Sybille sie über ihren Türkeiurlaub äußerte. Es geht um die Dankbarkeit – oder wie es in der Predigt hieß “Wer alles hat, der ist gewohnt, auch alles zu bekommen. Nicht als Geschenk, nicht als Wohltat, sondern einfach, weil er es kaufen kann…” Treten wir nicht auch allzu oft fordernd auf? Wollen wir nicht auch manchmal um 17 Uhr noch das Brot, das wir am liebsten mögen? Rewe hat jetzt bis Mitternacht geöffnet!!! Brauchen wir immer alles dann, wenn uns der Gedanke kommt?

    Ein zweiter Aspekt in unserer Gruppe war noch die Haltung des Sabbats bzw. Sonntags, den Gedanken brachte Annemarie Lebert mit, die in ihrer Gruppe darüber sprechen wollte, die dann ja nicht zustande kam. Da waren wir uns in der Gruppe jedoch einig, dass wir sonntags nicht einkaufen müssen etc. Aber treten wir auch unsinnigen Angeboten am Sonntag entgegen? Ich sprach vom Beispiel der Tanzschule, die einen Elternvormittag parallel zur Hauptgottesdienstzeit machte. Wir konnten alle nicht hin, weil der Kurs mit lauter Ministranten besetzt war. Aber wir haben dies nicht deutlich gemacht, wir haben nicht protestiert. Treten wir für eine Sonntagskultur ein, bevor er ganz kaputt ist!

    Am Ende gab es eine Stille, einen sehr bedenkenswerten Text von Elisabeth Rieger, ein Taizelied und der Abend endete mit dem Segen.

    (Marieluise)


    Schulprojekt

    24. Juni 2009 - 11:54 Uhr

    Liebe Leute,

    ich komme gar nicht mehr nach mit meinen Berichten! Eigentlich wollte ich gestern schon über das Schulprojekt schreiben und heute über den gestrigen Abend, aber da gestern noch einiges vorzubereiten war und außerdem meine Tochter 16 wurde, war die Zeit nicht da. War aber vielleicht auch ganz gut, wir haben gestern Abend ausgiebig beide Veranstaltungen reflektiert, so fließt das ein.

    Als die ersten am Montag in St. Paul reinkamen, waren sie erstaunt, dass nur so wenige Stühle standen, weil wir alle Lehrer, alle Elternbeiräte und soziale Organisationen eingeladen hatten, also über 1000 Leute, 55 kamen. Zu Beginn wurde das Schulprojekt noch mal vorgestellt. Dann ging Jörg Sieger auf die Frage ein, warum das Ganze, was hat es mit unserem Amos zu tun und warum machen wir als Pfarrei so was. Danach wurden die Ergebnisse vorgestellt, dann wurden alle Hilfsangebote die es für Schülerinnen und Schüler sowie Eltern gibt, skizziert. Danach war eine kurze Pause, dann eine Podiumsdiskussion. Auf dem Podium saßen Bürgermeister Hockenberger, die Schulleiterin der Konrad-Adenauer-Schule, Frau Schlechter, als Vertreterin des Elternbeirates Frau Mertens (in dem Fall für die Grundschule Büchenau, die aber auch von Erfahrungen im JKG berichtete), Bernd Gärtner für den Caritasverband, Erika Kerstner, Lisa-Marie Pastuovic (Oberministrantin St. Peter, also auch mit verantwortlich für das Erstellen der Fragebögen sowie Gymnasiastin an der Käthe-Kollwitz-Schule) und unser Pfarrer. Auch wenn sich 92 % der Bruchsaler Jugendlichen zufrieden über ihr Leben äußerten, zeigte alleine die hohe Beteiligung von Elternvertreterinnen, dass an unserem Schulsystem vieles im Argen liegt. Außerdem ist die Frage, wie kommen diejenigen, die nicht zufrieden sind = 8 % oder die, die Erfahrung mit Gewalt, Mißbrauch und/oder Drogen haben (je nach Sicht 9-13 %, denn 9 Prozent gaben die Frage mit Ja an, 4 % beantworteten sie nicht, was nicht unbedingt nein bedeutet) an Infos über Hilfsangebote? (auch wenn ein Teilnehmer meinte, wir kennen uns doch alle, in Bruchsal weiß doch jeder, wo er Hilfe bekommt und an wen er sich wenden muss) Von Mittagstisch, G8, zu vollen Klassen, mangelndem Respekt, mangelndem Engagement schon durch das Elternhaus bis hin zu Migrationsproblematik reichten die Beiträge. Am Ende wurde beschlossen, eine Zukunftswerkstatt anzubieten, irgendwann im Herbst, in unseren Räumen. Mal sehen, ob wir dann was für die Bruchsaler Jugendlichen erreichen können. Außerdem wollen wir die Jugendlichen, die mitgemacht haben, in irgendeiner Form erreichen und ihnen berichten, was wir für Erkenntnisse haben, damit sie merken, ihre Beiträge waren uns wichtig und wertvoll.

    (Marieluise)


    Ankündigung: 3. Amoschat, Mittwoch, 24.6.09 um 21.00 Uhr

    23. Juni 2009 - 21:33 Uhr

    Hallo Zusammen,

    auch diese Woche treffen wir uns wieder zum Amoschat: http://www.joerg-sieger.de/chat.htm

    Unser Thema wird dieses Mal sein: “Geld regiert die Welt”

    Wer Zeit hat und die Predigt am Vortag nicht gehört hat, kann sie hier: http://www.joerg-sieger.de/pfarrei/akt_pre.htm nachlesen. Bis dann.

    Liebe Grüße Uschi


    Amos bewegt… oder Gottes Geist… oder Beide?

    19. Juni 2009 - 15:49 Uhr

    Wie auch immer, möchte ich einfach in den Amosprozess hinein meine Gedanken weitergeben… Es sind Gedanken zu unserem diesjährigen Urlaub um Pfingsten in der Türkei. Es war unsere 1. Reise in die Türkei, zum 1. Mal Hotel all inclusive. Ich brauche wohl nicht zu sagen, dass das toll ist! Nicht überlegen zu müssen, was man denn kochen soll und es dann auch noch zu kochen! Es war wie im Schlaraffenland! Morgens, mittags, abends am Büfett vorbeigehen und das auszuwählen, was einen gerade anmacht… Warum ich das erzähle? Es gibt Menschen, die damit immer noch nicht zufrieden sind. Das Essen ist zu kalt, zu wenig, zu fad… Das Zimmer zu klein, zu groß, zu warm… Die Menschen, die uns umsorgt haben, waren allesamt mehr als freundlich! Hier beginnt der Gewissenskonflikt. Die Arbeitsbedingungen, die diese Menschen haben, sind nicht wie bei uns. Sie bekommen einen Hungerlohn, leben nicht gerade in feudalen Behausungen… Ich habe mich gefragt, was ich tun kann. Wegbleiben? Wohl auch nicht. Dann haben sie im nächsten Jahr womöglich keine Arbeit. Verdienen nicht mal im Sommer ein bisschen Geld. So habe ich versucht, diesen Menschen wenigstens freundlich und auf Augenhöhe zu begegnen… Ob das reicht? Wohl kaum!

    Dann fällt mir noch der Markt ein, den man ja unbedingt besuchen muss. Im Vorfeld hat uns der Reiseleiter geraten, unbedingt zu handeln. Ok… Manchmal befiehl mich dabei aber ein seltsames Gefühl. Dachte, dass das der Lebensunterhalt dieser Menschen ist, saisonbedingt und ich “arme” Deutsche handle auf Teufel komm raus?!…

    Der Abschluss war die Animation! Das Team hat sich große Mühe gegeben. Ist ja nicht einfach, Urlauber zufrieden zu stellen. :-) Sie waren klasse! An einem Abend haben sie Männer aus verschiedenen Ländern nachgeahmt. Der deutsche Mann war betrunken, hatte eine Bierflasche in der Hand und einen dicken Bauch… Das war natürlich sehr übertrieben dargestellt und doch glaube ich, dass wir im Ausland einen solchen Ruf haben. Man denke nur an den Ballermann. Ich fand’s schrecklich. War geschockt! Was hinterlasse ich für ein Bild?

    Mit herzlichen Grüßen aus Riedlingen

    Sybille


    Es freut mich riesig…

    19. Juni 2009 - 10:55 Uhr

    dass das Amostagebuch jetzt so gut angenommen wird. Ich finde es gut, die Erfahrungen der anderen Gruppen auch nachlesen zu können. Was ich auch irre finde, wie sich die Gedanken manchmal in ähnliche Richtungen bewegen. Ich habe zu Jörg dieser Tage gesagt, wir bräuchten für Dienstag noch ein Evangelium und ich hätte mir überlegt, zu den Baschanskühen passte doch die Stelle mit dem Reichen und dem Nadelöhr. Daraufhin sagte er, da würde sich seine Gruppe vom letzten Montag freuen, da hatten wir es schon davon.

    Ebenso fand ich es interessant, sowohl im Bericht vom Chat als auch in der Gruppe von Maria Hable die Frage nach Einkauf von fairen Produkten zu finden. Ich denke, viele von uns bewegen ähnliche Fragen und es tut gut, sich darüber mal austauschen zu können.

    Ich finde es auch toll, wie das Amosprojekt Kreise zieht. Spannend, sich mit Menschen, die nicht hier vor Ort sind über die Abende auszutauschen. Am Montag sind wir ja gespannt auf den Schulprojektabend. Das war ja so was, was nicht am Anfang im Blick war. Nun macht die KJG auch einen Solitaritätsmarsch zugunsten unserer Partnergemeinden in Peru am 4. Juli, was auch ein Nebeneffekt des Amosprozesses ist. Ich freue mich über das Wehen des Geistes an allen Orten.

    (Marieluise)


    Fragen und weiterführende Informationen bei Jörg Sieger

    18. Juni 2009 - 19:49 Uhr

    In der Gesprächsgruppe bei Jörg Sieger ergab sich am Montag unter anderem die Frage (vielleicht schon im Vorgriff auf die nächste Woche?), weshalb es für einen Reichen so schwierig sei in das Reich Gottes zu kommen. Es heißt ja

    “eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.” (Mk 10,25)

    Liegt es am Reichtum selbst oder an der Haltung des Reichen?

    Gedeutet wird das “Nadelöhr” ja manchmal als das kleine Tor am Ende einer engen Gasse in Jerusalem, weil es im Volksmund angeblich so genannt wurde. Was müsste das Kamel also tun? Sich klein machen und bücken! Fast undenkbar für einen Reichen…

    Wir – die Wohlhabenden – versuchen mit Spenden u.ä. unser Gewissen zu beruhigen. Aber “verdienen” wir uns damit auch ein Platz im Himmel?

    Passend dazu haben wir uns ganz spontan einen sehr eindrucksvollen Kurzfilm (mit unserem “Amos-Sprecher” Manfred Rieger als Schauspieler!) angesehen.

    Er steht auch online zur Verfügung (Teil 1 , Teil 2 und weitere Infos zu dem Filmprojekt). Anschauen lohnt sich!

    Roland


    Kleingruppe “Menschenrechtsverletzungen heute”

    18. Juni 2009 - 14:48 Uhr

    In der Kleingruppe „Menschenrechtsverletzungen heute“ informierten sich die GesprächsteilnehmerInnen zunächst exemplarisch über Menschenrechtsverletzungen in Deutschland und weltweit. Im Gespräch war dann zunächst einmal wichtig, zu sehen, wie sehr wir in Deutschland doch durch Recht und Demokratie ein Stück weit vor Menschenrechtsverletzungen geschützt sind und dass wir Institutionen haben, in denen Menschen Hilfe finden, deren Menschenrechte verletzt wurden. Erwähnt wurde auch, dass wir zum Glück nicht in einem Land leben müssen, in dem – oft politisch gewollt und zu Gunsten einiger Profiteure weltwirtschaftlich auch durchgesetzt – Hunger grassiert oder Krieg wütet. Es sah im Gespräch zunächst so aus, dass hierzulande kein Handlungsbedarf besteht, weil alles bestens geregelt scheint und es keinen Notfall geben könne, der nicht durch eine auf diesen Notfall spezialisierte Institution aufgefangen werden könnte.

    Im weiteren Nachdenken wurde dann aber auch schnell klar, dass viele Notsituationen und Verstöße gegen die Menschenwürde eben nicht institutionell verhindert oder abgefangen werden können. Da braucht es das couragierte Eingreifen von Passanten, Nachbarn und „Nächsten“.

    Drei Gesprächsteilnehmerinnen erzählten von dem, was sie erlebt hatten. Es waren zwei „Geschichten vom Wegschauen“ und wie es Menschen ergeht, die um Hilfe bitten oder deren Notlage unübersehbar ist und die dennoch abgewiesen werden.

    Und es war eine „Geschichte vom Hinschauen“. Diese letzte Geschichte machte auch deutlich, wie schwer es oft ist, wirklich hinzuschauen, sich nicht die Sicht vernebeln zu lassen und auch dann zum Schutz eines Menschen, eines Kindes, einzugreifen, wenn die eigentlich Verantwortlichen ihrer Verantwortung nicht gerecht werden, das Kind vernachlässigen und misshandeln und jedes Eingreifen ablehnen.

    Da fiel uns der barmherzige Samariter ein, der hingeschaut hat – genau wie Amos um 760 v.Chr. dorthin schaute, wo jene Menschen waren, die unter die damaligen Räuber gefallen waren.

    Erika


    Resumée 1. Themenabend, Montag 15. Juni 2009

    18. Juni 2009 - 12:43 Uhr

    In einer von Vertrauen und Offenheit geprägten Gruppe sind uns folgende Gedanken zu dem kurz zuvor erlebten Gottesdienst mit seinen Worten und Weckrufen gekommen:

    Gerne bin ich bereit, solch eine Liste zu erstellen. Mailen oder schreiben Sie mir ein Logo, ein Zertifikat, Geschäfte oder Sonstiges in der Art, die gewährleisten, dass die Herstellung nicht durch Kinderhände erfolgt ist oder bei dem die Erzeuger einen fairen Preis für ihre Ware erhalten.

    Hier meine Emailadresse: hablem@gmx.de Schriftliches können Sie gerne im Pfarrbüro abgeben oder einwerfen.

    Herzlicher Gruß, Maria Hable


    Zweiter Amoschat Rückblick

    17. Juni 2009 - 10:14 Uhr

    Hallo Zusammen!

    Mit fünf Leuten sprachen wir gestern über das Thema des ersten Amosabend, nachdem uns Gertrud eine kurze Zusammenfassung über den Wortgottesdienst gab.

    Die Predigt hatte leider noch keiner gelesen. Wir hatten sie erst entdeckt, als wir schon im Gespräch waren und hatten uns entschieden, sie später zu lesen. Ob unser Gespräch dann anders verlaufen wäre – vielleicht.

    Ein komplexes Thema! Vermutlich zu komplex, um es überhaupt in allen Facetten erfassen zu können.

    Da leben wir hier in einem reichen Land – sehen die Missstände um uns herum auf der Welt – und können kaum was tun.

    Hängen geblieben sind wir u.a. an unserem Kaufverhalten. Kleidung kaufen. Gibt es überhaupt noch Kleidung, die nicht unter ausbeuterischen Verhältnissen hergestellt wird?

    Ein weiterer Schwerpunkt waren die Art Arbeitsbedingungen, wie es sie seit einigen Jahren in Deutschland gibt. Ein-Euro-Jobs und Leiharbeit z.B.. Unsere Meinung: Es darf nicht sein, dass ein Mensch arbeitet und sich nicht davon ernähren kann. Ein weiteres Thema war die sogenannten soziale Manieren, die in unserer Gesellschaft immer mehr verloren gehen.

    Hier drei Zitate, die einen Eindruck davon geben, womit wir aus der Diskussion gegangen sind:

    Mein persönlicher Eindruck:

    Wir sehen die Missstände, in den Ländern der dritten Welt und wir sehen die Missstände in unserem eigenen Land.

    Eigentlich müssten wir auf die Straße gehen und dürften gar nicht mehr aufhören zu demonstrieren, um lautstark einzuklagen, was gerecht wäre. Aber wir sind wie erstarrt. Ich glaube wir sind heillos überfordert mit der Situation.

    Wenn ich ehrlich bin – ja da muss ich sagen – mir geht auch deshalb so gut, weil es Menschen in anderen Ländern schlechter geht. Wenn ich nach billigen Waren und Dienstleistungen verlange und sei es auch, weil ich sie benötige – bekomme ich die meist auch.

    Wie würde sich mein Lebensstandart entwickeln, wenn die Ressourcen auf der Welt gerecht verteilt wären. Hätte ich dann noch eine Dusche? Ein Auto hätte ich wohl kaum. Könnten meine Kinder überhaupt zur Schule gehen? Ein Arztbesuch – ginge das? …

    Die Krux dabei. Wir sehen wie uns selbst die Fälle wegschwimmen, schlimmer noch: manchen wird selbst hier in einem so reichen Land die Existenzgrundlage entzogen. Das alles gepaart mit dem mehr als unguten Gefühl, dass wir nicht ganz schuldlos sind an den Zuständen auf dieser Erde.

    Ein böser Gewissens- und Interessenkonflikt.

    Mehr als wir ahnen sind wir wohl auf die Barmherzigkeit Gottes angewiesen.

    Liebe Grüße Uschi


    6 Reaktionen zu “Zweiter Amoschat Rückblick”

    1. Gertrud am 17. Juni 2009 um 12:01 Uhr
      Dabei habe ich mich so bemüht die Predigt, die vier A4 Seiten hat, die ziemlich eng beschrieben sind, chatgerecht zusammenzufassen…
      Gertrud
    2. ise am 17. Juni 2009 um 12:38 Uhr
      Ihr konntet die Predigt vorher auch gar nicht finden, ich habe sie auch gesucht, weil Jörg sagte, er habe sie gestern morgen schon eingestellt, ihm fiel dann am Abend erst auf, dass er sie zwar unter seinen Predigten hatte, aber nicht unter “was ist neu”.
      Bei uns war auch eine Gruppe, in der es um ähnliche Diskussionen wie bei Euch ging, Textilien, die Ökostandard haben und ohne Kinderarbeit entstehen etc. Ich habe schon vorgeschlagen, dass die anderen Kleingruppen vielleicht auch im blog berichten, was besprochen wurde. (Ise)
    3. Uschi am 17. Juni 2009 um 12:54 Uhr
      Liebe Gertrud,
      das hast du auch sehr gut gemacht. Dank dir noch mal dafür. Wenn man die Predigt dann ‘am Stück’ hört kommt es halt noch intensiver rüber. Es liegt in der Natur einer Zusammenfassung, dass sie nicht alles mitschwingen lassen kann. Das hat mit ihrer Qualität nichts zu tun. :-)
      Liebe Grüße Uschi
    4. Uschi am 17. Juni 2009 um 15:05 Uhr
      dann wissen wir ja fürs nächste Mal Bescheid. Wer suchet, der findet. ;-)
      Sehr gute Idee, die anderen Gruppen um einen Kurzbericht für den Blog zu bitten.
      LG Uschi
    5. roland am 17. Juni 2009 um 15:37 Uhr
      Warum konnten sie die Predigt auch gar nicht finden? Hätten doch nur ein bisschen suchen müssen ;-)
    6. Sybille am 18. Juni 2009 um 15:07 Uhr
      Ja, ja Roland… Wir sind eben seeeehr verwöhnt… Obwohl wir doch alle suchen sollen. Ab sofort wird gesucht! :-)

    und die Moral

    16. Juni 2009 - 16:53 Uhr

    Ich wollte heute gerne noch was über die Inhalte berichten, nicht nur über den Ablauf. Jörg Sieger stellte gestern Abend fest, dass wir ganz klassisch nach Katechismus vorgehen. Unsere 7 Wochen für den Glauben waren Band 1, eben die Glaubensunterweisung, die im sich im Katechismus klassisch am Glaubensbekenntnis orientiert, Band 2 ist die Moraltheologie, die sich an den 10 Geboten orientiert.

    Unsere Überlegungen über die Moral lassen wir von den Propheten inspirieren.

    Wir haben gestern über viele heiße Eisen diskutiert. Da es ja schwerpuntkmäßig um Frauen ging, kamen natürlich Fragen wie: warum werden in Brasilien ein junges Mädchen, die Mutter und Ärzte exkommuniziert, weil sie sich der Tötung schuldig machten (Artikel: Katholische Kirche exkommuniziert Mutter von vergewaltigter Neunjähriger) Was ist eigentlich mit dem Stiefvater? Der sitzt zwar in Haft, aber welche ungeheure moralische Verfehlung hat er begangen, die von Kirche nicht mit einer Strafe belegt wird? In Afrika wettert der Papst gegen Kondome – wer wettert gegen die Männer, die dort massenweise Frauen und Mädchen vergewaltigen und dabei noch mit dem HIV-Virus anstecken? Es ist ja dort nicht umbedingt die Folge einer gelockerten Moralauffassung sondern leider ganz oft die Folge von Vergewaltigung. Die Frauen sind die Opfer und darüber muss geredet werden. (siehe Amos: Vater und Sohn gehen zum selben Mädchen…) Wer hilft bei uns jetzt Frauen in Not, nachdem Kirche sich aus der wichtigen Aufgabe der Schwangerschaftsberatung zurückgezogen hat und ihre Verantwortung an Donum Vitae abgab, das sie auch noch teilweise bekämpft?!

    50 % der Kinder in unseren Kindergärten haben Migrationshintergrund, da wir keine kommunalen Kindergärten haben und alle zu uns kommen. Die Eltern können kein Deutsch und haben Angst, ihre Kinder zu religiösen Angeboten gehen zu lassen. Wer vermittelt den Eltern, was dort gemacht wird, wenn wir keine muslimische Erzieherin, die deutsch und die Sprache der Eltern versteht, einstellen dürfen, die eine Brücke bauen würde???

    Wo tauchen Hartz IV Empfängerinnen, die z.T. schon seit Generationen aus der Gesellschaft rausgefallen sind, bei uns auf? Die erwarten schon gar nichts mehr von Kirche!

    Es herrscht große Betroffenheit, aber auch Ratlosigkeit.

    (Marieluise)

    Das war ein Ausschnitt unserer Gedanken in der Gesprächsgruppe.


    Eine Reaktion zu “und die Moral”

    1. Uschi am 16. Juni 2009 um 20:31 Uhr
      Hallo Marieluise,
      vielen Dank für die Einblicke vom gestrigen Abends.
      So kriegt man dann als Onlineteilnehmer ein bisschen mit, wie vor Ort inhaltlich mit den Texten gearbeitet wird.
      Liebe Grüße Uschi

    Erster Abend

    16. Juni 2009 - 08:20 Uhr

    Ich bin müde… So beginnt nicht das erste Mal einer meiner Einträge! Ich war gestern nach unserem Abend noch so aufgekratzt, dass ich nicht schlafen gehen konnte, ich hatte wohl einen Adrenalinschub, so dass ich erst um 3 Uhr im Bett war und heute um 6.30 Uhr – ich hatte mir 20 Minuten mehr Zeit als sonst gegönnt – nicht wußte, was los ist!

    Aber nun von Anfang an, da montags normalerweise kein Gottesdienst ist, war auch keine Klientel da, die ohnehin kommt, entsprechend schwer war es, einzuschätzen, ob Leute kommen. Ab 18 Uhr haben wir Räume vorbereitet, auch da gab es im Vorfeld viel zu organisieren, der Kindergarten war einbezogen, eigentlich sollte ein Raum im Pfarrheim noch durch Kommuniongewänder blockiert sein etc. Um 19 Uhr waren die ersten in der Kirche, weil sie nichts von der Verschiebung auf 19.30 Uhr mitbekommen hatten. Um 19.30 Uhr war es gut gefüllt. Es wurde geschätzt zwischen 130 und 150 Gottesdienstbesucherinnen und -besucher. Es war ein Wortgottesdienst, vermutlich der erste mit großem Einzug, denn erfreulicherweise waren 20 Ministranten da. Im Gottesdienst herrschte eine hohe Aufmerksamkeit, tiefe Stille und dichte Atmosphäre.

    Zu den Angeboten kamen danach ca 80 Menschen, es gab gute Gespräche, wie die Reflexion zeigte. Klärungsbedarf gab es noch für den Schluss, einige hatten sich sehr beeilt, um um 21.30 Uhr in der Kirche zu sein und hatten dann 20 Minuten Stille, wobei wir es so gedacht hatten, dass die Gruppen zwischen 21.30 Uhr und 21.45 Uhr eintreffen, so wie sie fertig werden und in der Kirche Stille gehalten wird, damit die vielen Worte nachklingen können. Gegen 21.45 Uhr sollten dann Taizégesänge zum Abschluss gesungen werden, danach soll der Segen den Abschluss bilden. Gestern hat gegen 21.50 Uhr Jörg Sieger zum Glück die Initiative ergriffen und den Segen gespendet. Danach wurde aufgeräumt und die Gruppenbegleiterinnen und -begleiter setzten sich noch mal zusammen zum Rück- und Ausblick. Die Predigt wird heute eingestellt, Fotos zum Anschauen auch.

    (Marieluise)


    Ankündigung: zweiter Amoschat Dienstag, 16.06.09 – 21.00 Uhr

    14. Juni 2009 - 16:32 Uhr

    Hallo Zusammen,

    auch diesmal wählen wir das Thema für unseren Chat nah am Thema der Veranstaltung vom Vortag.

    ‘Wenn Menschen über Leichen gehen’

    Hier finden sie uns: http://www.joerg-sieger.de/chat.htm

    Bis dahin.

    Liebe Grüße Uschi :-)


    Hurra

    9. Juni 2009 - 18:16 Uhr

    2281 Fragebögen geschafft, vor 5 Minuten wurden wir fertig, wurde aber auch Zeit. Bis zum 22. Juni muss jetzt die Statistik erstellt werden, denn bisher sind sie ja nur erfasst, nicht ausgewertet. Heute war noch mal ein Marathon, zeitweise gaben 6 Leute gleichzeitig ein.

    Gestern haben sich Logistik- und Inhaltegruppe miteinander getroffen, um die letzten Feinheiten für kommenden Montag abzusprechen. Heute drucken wir den ersten Flyer, auch die anderen Tage sind weitgehend klar. Aber es gibt natürlich noch Unsicherheiten, vor allem – wie viele Leute werden kommen? 147 Anmeldungen haben wir!

    (Marieluise)


    Erster Amos-Chat

    8. Juni 2009 - 09:17 Uhr

    Hallo!

    Eine lebendige Diskussion zum Thema Propheten und Berufung war es gestern Abend im Chat – in einem überschaubaren, aber feinen Kreis. :-)

    Mein persönlicher Eindruck: Propheten müssen wohl laut auf Missstände und Tendenzen hinweisen und sich vom Leid der Schwachen und Unterdrückten antreiben lassen.

    Das Benennen heutiger Propheten scheint schwierig. Auf der einen Seite gibt es wohl ,objektive’ Erkennungsmerkmale, die Propheten auszeichnen. Wie bei den Propheten des Alten (Ersten) Testamentes. Sie haben einen Auftrag von Gott und sind sich dessen wohl auch bewusst. Auf der anderen Seite ist die Wahrnehmung heutiger Propheten eher ‚subjektiv. Was dem einen ein Prophet sein könnte, ist einem anderen alles andere als das. Wohl auch wie in vergangenen Zeiten…

    Einig waren wir uns darüber, dass es heute eher einen Mangel als einen Überfluss an aktuellen Propheten gibt.

    Spannend! Es macht Lust auf mehr…

    Liebe Grüße Uschi


    Es geht los!

    7. Juni 2009 - 18:45 Uhr

    Heute morgen wachte ich mit einem ähnlichen Gefühl auf, als wenn ich eine Prüfung schreiben würde! Diese Unsicherheit, wie es beginnen würde, machte mich angespannt, ich sagte zu einem der ersten Gottesdienstbesucher, ich fühle mich wie auf einem Sprungturm vor dem Sprung ins Ungewisse, ins kalte Wasser… Wer würde kommen? Würden die Leute bleiben?

    Nun, es war gut, die Pauluskirche war gut besetzt (gut, ein paar Leute mehr hätten es noch sein können, wenn man bedenkt, es gab keinen 9 Uhr Gottesdienst und die Kroaten waren dabei), aber es ist halt auch Ferienende! Über 60 Minis und Maxis waren da, um 9.30 Uhr wurden die Dienste eingeteilt und die Spannung stieg. Die Kirche füllte sich zunächst langsam. Am Anfang war der Gottesdienst normal, dann kam die Lesung aus dem Off, man spürte, dass die Leute verwundert waren und suchten, von wo die Stimme kam (Manfred Rieger, toll gesprochen). Der Antwortgesang vom NGL passte hervorragend, tolles Lied. Die Predigt von Jörg Sieger war sehr gut. Dann freie Fürbitten, die sehr gut angenommen wurden, Kommunion unter beiderlei Gestalt, für einen so besonderen Gottesdienst sehr stimmig! Zur Kommunion das Lied “El shadai”, das ich seit fast 13 Jahren nicht mehr hörte und sang, das berührte mich sehr. Nach dem Segen dann die Überraschung, das Streitgespräch der Theatergruppe Koralle. Danach stellten wir die einzelnen Tage vor, die meisten blieben tatsächlich sitzen. Die KJG, die auf einem Leiterwochenende war, kehrte früher zurück und präsentierte ihren in der 72-Stunden-Aktion erstellen Film. Danach gab es ein Kirchencafé, aufgrund des Wetters leider nicht draußen, sondern in der Werktagskirche der Pauluskirche.

    Es fanden gute Gespräche statt, der Caritasverband war vertreten, die Jugendlichen und ihr Amos der liturgischen Nacht, die Kinderkirche hatte auch über Amos geredet und ein Plakat erstellt, es war eine dichte Atmosphäre und irgendwann konnte ich den Gottesdienst und die anschließenden Gespräche auch genießen. Ich hoffe, Gottes Geist lenkt uns gut durch die 7 Wochen.

    (Marieluise)


    Ankündigung erster Amos-Chat Sonntag, 7.6.09

    7. Juni 2009 - 14:44 Uhr

    Hallo Zusammen,

    heute Abend um 21.00 Uhr treffen wir uns zum ersten Mal zum Amos-Chat.

    http://www.joerg-sieger.de/chat.htm

    Wir möchten kein starres Thema vorgeben – eher einen roten Faden an dem man sich orientieren kann.

    Inhalt unseres Gesprächs könnte sein:

    1. Berufung

    Gott beruft auch mich.

    Wozu?

    Wie merke ich, dass ich berufen bin?

    Was ist förderlich, die eigene Berufung zu erfahren? Was eher hinderlich?

    Muss ich es zwingend merken, dass ich berufen worden bin?

    Meine Talente, wozu benutze ich sie? usw.

    2. Was ist heute beklagenswert?

    Worüber kann Gott heute ‚brüllen’? Was mahnt er heute an?

    Greift Gott ein? Oder schaut er nur zu? Kennen wir auch heute

    Propheten? Hören wir ihnen zu? Was zeichnet Propheten aus? usw.

    Das sind alles Vorschläge. Sollte sich unser Gespräch in eine andere Richtung entwickeln, wäre es auch Recht.

    Bis dahin.

    Liebe Grüße Uschi Schedlik


    Hallole

    5. Juni 2009 - 20:49 Uhr

    Ich bin wieder im Land! Es ist spannend, zu sehen, was inzwischen geschah! Ich habe mitbekommen, sehr viele Leute haben in den fast 2 wochen Fragebögen eingegeben! So um die 120 Leute sind wohl angemeldet, es ist unheimlich spannend, was sich ab Sonntag wohl für eine Dynamik im Prozess ergeben wird. Es sind noch Ideen für Abende an uns herangetragen worden, einige konkretisiert worden. Ich bin gut erholt und kann nun wieder freudig den Prozess begleiten. Ich wünsche uns allen ein gutes Gelingen, Gottes Beistand und ein Wehen des Geistes.

    (Marieluise)


    Gebet

    2. Juni 2009 - 18:53 Uhr

    Erst kurz ein paar Worte zu meiner Person. Ich heiße Sybille und komme aus Riedlingen im Schwabenland. Schon einige Jahre bin ich geistig mit Bruchsal verbunden und verfolge das Amos-Projekt über das Internet. Wie sehr bedaure ich, nicht selbst direkt mittun zu können. Was ich so am Rande „sehen“ kann, ist einfach toll. Wenn Gott Menschen bewegt, kann man was erleben… Mein Anliegen ist es nun, mich im Gebet mit euch zu verbinden. Alleine für euch und dieses Projekt beten, tu ich schon lange. Aber Gott sagt: Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, bin ich mitten unter ihnen. Wenn ich mich recht entsinne, ist dabei der „Raum“ nicht festgelegt. Der göttliche Raum ist größer und freier. Warum also nicht zusammen beten? Gleiche Worte oder wie sie jedem gerade einfallen? Zur gleichen Zeit oder auch zu unterschiedlichen Zeiten? Das ist dabei alles nicht wichtig. Wichtig ist nur, dass wir beten, dass wir das ganze Projekt und die Menschen Gott ans Herz legen, immer und immer wieder. So sind alle die Mitwirken und alle, die sich auf den Weg machen auf einem Gebetsteppich, von Gott getragen….

    Und wer weiß, vielleicht begegnen wir uns ja irgendwann in Bruchsal…

    Mit herzlichen Grüßen aus Riedlingen

    Sybille

    Himmlischer Vater!

    Danke für die Menschen, die dieses Projekt ins Leben gerufen haben und für alle, die sie unterstützen. Halte deine schützende Hand über sie, gebe ihnen die nötige Kraft und den Freiraum und berühre die Menschen, die sich angemeldet haben und sich auf den Weg machen. Öffne ihre Herzen. Lass alle Beteiligten füreinander zu Boten deiner Freude und deiner Liebe werden.

    Vater unser im Himmel,
    Geheiligt werde dein Name.
    Dein Reich komme.
    Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.
    Unser tägliches Brot gib uns heute.
    Und vergib uns unsere Schuld,
    wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
    Und führe uns nicht in Versuchung,
    sondern erlöse uns von dem Bösen.
    Denn dein ist das Reich und die Kraft
    und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.


    Neue Woche

    25. Mai 2009 - 09:16 Uhr

    Also meine These mit der Hälfte der Fragebögen war wohl nichts… Am Mittwoch, am letzten Schultag sind von zig Schulen erfreulicherweise noch Fragebögen gekommen, so dass wir fast 2000 hier liegen haben und vielleicht 500 bearbeitet sind! Daher wird in den Ferien wohl fleißig geschafft werden müssen, mal sehen, ob wir überhaupt so viele Arbeitsplätze finden. Ich werde bis zum 5.6. nicht im Blog schreiben, denn ich habe Urlaub! Kaum zu glauben, aber nachdem, was schon hinter uns liegt, muss ich ein paar Tage abschalten, bevor der Amosprozess eigentlich losgeht. Ich habe gestern noch ein paar Fragebögen eingegeben, habe alles vorgeplant, der Kinderbibeltag steht wohl auch, so dass ich wohl eine Auszeit nehmen kann. Allen, die in den zwei Wochen noch feste rödeln wünsche ich frohes Schaffen.

    (Marieluise)


    Was war die Woche?

    20. Mai 2009 - 08:31 Uhr

    Gestern Abend haben sich gleichzeitig die Logistikgruppe und Vertreter/-innen der Jugendverbände im Pfarrheim St. Peter getroffen, war gar nicht schlecht so, da es einige Überschneidungen gab. Ich habe mit den Jugendlichen zunächst mal Revue passieren lassen, was bisher war, da ja nicht alle voneinandern wussten. Sie haben von der liturgischen Nacht, vom Jugendwochenende, von der 72-Stunden-Aktion und von Gruppenstunden zum Amos erzählt. Wir haben Ideen für Abende gesammelt: ein Hoffnungslauf für Peru, wo der Prozess ja parallel stattfindet, ist angedacht (gestern wurde das spanische Begleitheft übrigens fertig, es wird noch mal sprachlich überarbeitet und kommt dann auch ins Internet), ein Bericht über Bolivien, ein Spiel – das Land ist mein Land, Rollenspiele…

    Währenddessen wurden im Pfarrhaus fleißig Fragebögen der Schulen eingegeben, wir haben nun ca 300 bearbeitete, bei ca 600 die bisher abgegeben wurden, ist das die Hälfte! Es ist toll, was im Moment an Engagement da ist.

    Ach ja, und die Zahl der Anmeldungen erreicht auch die 90ger Gegend!

    (Marieluise)


    Online-Teilnehmer

    15. Mai 2009 - 16:49 Uhr

    Hallo,

    in den vergangenen Tagen habe ich ein bisschen Werbung in unserem Bekanntenkreis für den Siebenwochenprozess gemacht. Vier Wochen des Projektes fallen allerdings in die Sommerferien hier in NRW – aber ich denke, der ein oder andere wird online mitmachen, wenn auch nicht die vollen sieben Wochen.

    Liebe Grüße Uschi


    Fragebögen

    13. Mai 2009 - 09:04 Uhr

    Ich bin heute etwas müde, aber da geht es anderen wohl genau so… Gestern kamen die ersten Fragebögen zurück. Wir haben am Montag noch lange diskutiert, wie wir sie auswerten, da klar ist, nur ganz wenige vertrauenswürdige Menschen sollten Zugang zu den Daten haben und sie dürfen auch nur auf einem gesicherten PC liegen und nur im Intranet zugänglich sein, nicht über das Internet, wo man Spuren hinterlässt. Es gab wohl deswegen auch in den Schulen viele Diskussionen, da wir natürlich sehr sensible Bereiche erfragen. Zwei Bruchsaler Gymnasien haben aus Datenschutzgründen beschlossen, sich nicht an der Aktion zu beteiligen! Wir waren uns von Anfang an bewusst, dass die Aktion heikel ist und haben daher ja auch nicht einfach mal gemacht. Jörg Sieger war gemeinsam mit dem für Schulen zuständigen mit Bürgermeister in der Rektorenkonferenz und hat sein Anliegen im engen Schulterschluss mit der Stadt dort vorgetragen. Daher war für uns klar, dass die Aktion, wenn sie vom Schulträger genehmigt ist, auch durchgeführt werden kann, zumal auch geklärt war, dass nur ganz wenige Menschen die Fragebögen in die Hand bekommen, die Daten auf einem sicheren Server liegen und nach der Auswertung gelöscht werden, so dass nur noch die Statistiken bleiben!

    Kurzum gestern haben Roland und Andreas noch bis nach 0 Uhr die Maske des Fragebogens auf dem PC eingerichtet und ich habe zu Testzwecken die ersten zwei eingegeben. Ich bin überrascht, was die Schülerinnen und Schüler schreiben, wie offen sie sind, ich glaube, die Aktion hat sich von daher gelohnt.

    (Marieluise)


    Eine Reaktion zu “Fragebögen”

    1. Roland am 13. Mai 2009 um 11:34 Uhr
      Stimmt – etwas müde bin ich auch…

    72-Stunden-Projekt

    11. Mai 2009 - 10:39 Uhr

    Wie auf den Seiten zu lesen war und in den Bildern zu sehen, haben auch unsere Jugendliche pünktlich einen Monat vor Beginn des Projektes den Amos im Mittelpunkt gehabt. Ein großes Plakat weist nun alle Autofahren an der Kreuzung B 3/ B 35 auf unser Projekt hin, der Trailer für Kraichgau-TV wirbt ebenso dafür. Bis zum 15.5. haben wir die Möglichkeit für unser Stadtmagazin Willi noch einen Beitrag zu erstellen. Ich bin heute müde, aber froh, dass alles gut geklappt hat. Auf dem Markt haben die Jugendlichen Flyer verteilt und sind als Amos verkleidet aufgetreten. Jetzt hoffen wir, dass viele aufgrund der Werbung sich auch anmelden.

    Marieluise


    Chatgemeinde-Amos: Einladung und Termine

    29. April 2009 - 12:19 Uhr

    Guten Tag!

    Bevor ich meinen ersten Beitrag ins Tagebuch schreibe, möchte ich mich kurz vorstellen.

    Ich heiße Uschi Schedlik, wohne in Oer-Erkenschwick, einer Stadt im Ruhrgebiet, nahe dem Münsterland. In der Hauptsache bin ich künstlerisch und schriftstellerisch tätig. In meiner Heimatgemeinde Christus König /St. Peter und Paul arbeite ich beim Pfarrbrief mit und bin in einer ‚Multi-Kulti-Frauengruppe’, die sich mit den alltäglichen Fragen und Problemen einer gelungenen Integration beschäftigt.

    Mitglied im Chat der Bruchsaler Gemeinde bin ich seit 2003. Diese kleine, etwas andere Gemeinde, in der Menschen aus Bruchsal und anderen Teilen Deutschland sind, ist mir während dieser langen Zeit zu meiner zweiten Heimat geworden. Ein paar Mal war ich aber auch schon persönlich in Bruchsal. Einige kenne ich also schon und sie mich.

    Anlässlich des Siebenwochenprozesses kam in der Chatgemeinde der Wunsch nach einem Austausch mit den Mitgliedern der Bruchsaler Gemeinde vor Ort auf.

    Natürlich sind alle anderen Interessierten auch eingeladen.

    Einmal in der Woche, möchten wir, zusammen mit Ihnen ins Gespräch kommen. Uns austauschen über das Begleitheft und die Veranstaltungen, uns kennen lernen, das Gehörte und Erlebte noch einmal Revue passieren lassen, Fragen stellen usw. – alles was einen so bewegt…

    Um möglichst zeitnah an den Veranstaltungen vor Ort zu sein, finden die Treffen immer einen Tag nach den Themenabenden, Sonntags am gleichen Tag um 21.00 im Chat statt. Für eine gute Stunde treffen wir uns am:
    Sonntag, 7. Juni;
    Dienstag, 16. Juni;
    Mittwoch, 24. Juni;
    Donnerstag, 2. Juli;
    Freitag, 10. Juli;
    Samstag, 18. Juli,
    und abschließend am Sonntag, 26. Juli.
    Ansonsten kann man uns jeden Samstag um 21.00 treffen.

    Als Tagebuchautorin werde ich hier an dieser Stelle von unseren virtuellen Zusammenkünften erzählen.

    Sehr freue ich mich auf den 1. Juli – da bin ich nämlich bei der Veranstaltung zum Thema ‘Gottesdienst ist Menschendienst’ persönlich dabei.

    Man sieht sich im Gottesdienst… :-)

    Herzlich Grüße Uschi Schedlik


    Schulprojekt

    29. April 2009 - 10:48 Uhr

    Zur Zeit druckt die Maschine Tag und Nacht unablässig. Die rund 11000 Fragebogen für die Schülerbefragung sind fertig und werden heute Morgen von Frau Hable an alle Schulen ausgefahren, so lernt sie Bruchsal kennen… Gleichzeitig läuft die Werbung an, Dekanatssekrtärinnentreffen, Frühjahrskonferenz, ACG, überall werden Flyer und Plakate verteilt (Eigentlich muss ich auch noch mit den Heften für die Erstkommunion dazwischen, wann bloß)?

    (Marieluise)


    Neue Infos zum Prozess

    28. April 2009 - 09:40 Uhr

    Gestern traf sich die Inhaltegruppe. Wir haben nun konkretere Vorstellungen über den Ablauf der einzelnen Abende. Es wurde uns deutlich, dass wir einen Flyer mit den Angeboten jedes Termins erstellen werden und auch mit Angaben, wo sie zu finden sind. Sonst kochen wir wieder nur im eigenen Süppchen… Am 7. Juni wird der Gottesdienst in St. Paul in ein Improvisationstheater münden, es wird in der Kirche Stellwände und eine Präsentation geben. Danach begegnen wir uns draußen (Wetter muss schön sein, denn im Saal ist Wahllokal) zum Kirchenkaffee. Es macht Spaß, zu sehen, wie viele Menschen jetzt schon beteiligt sind.

    (Marieluise)


    25.04.

    25. April 2009 - 12:33 Uhr

    Nun sind 220 Exemplare des Begleithefts erstellt. Wir freuen uns nun auf Anmeldungen und warten gespannt. Am kommenden Wochenende sollen die Flyer auch in allen Gottesdiensten verteilt werden. Am Montag trifft sich die Inhalte-Gruppe für den 7-Wochen-Prozess zum 2. Mal! Gestern hatte ich ein Gespräch im Caritasverband, die werden an allen Abenden beteiligt sein, was mich sehr freut. Am Donnerstag letzter Woche war ich beim Familienkreis I und habe dort hoffentlich auch Lust auf eine Teilnahme am 7-Wochen-Prozess gemacht. Im Moment bin ich gespannter Erwartung.

    (Marieluise)


    Eine Reaktion zu “25.04.”

    1. Gertrud am 30. April 2009 um 22:41 Uhr
      Eigentlich sind die Hefte heute erstellt ;-) – nun auch gebunden. 228 an der Zahl. Da mal von 200 die Rede war, fielen die Worte “Betrug” und “untergejubelt”…

    Hallo

    23. April 2009 - 09:35 Uhr

    ich schreibe gerade das erste Mal in einem Blog, tolles Gefühl, ich kenne das nur von Profis. Unser Amosprojekt verdient es jedoch, professionell behandelt zu werden. Zur Zeit sind gerade die Flyer ausgearbeitet worden, dafür mussten wir die Themen und Bibelstellen für die Abende festlegen, am Montag werden die Inhalte der Abende besprochen. Der Drucker druckt Tag und Nacht das Begleitheft, die ersten 20 sind fertig. So langsam wird es ernst, es sind noch ca 6 Wochen bis zum Start und das spürt man auch.

    (Marieluise)

     
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