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Weckruf - Wegruf

Mit dem Propheten Amos auf dem Weg

Tagebuch des Amos-Prozesses

Weiter-Button Zurück-Button Wegruf – 08. November 2009

8. November 2009 - 13:25 Uhr

Es ist in letzter Zeit so vieles gewesen, dass ich das Gefühl habe, aus dem Weckruf, ist tatsächlich ein Wegruf geworden! Es ging los mit dem ökumenischen Jahresgottesdienst am 10.10. in der Lutherkirche! Was hatten wir im Vorfeld des 7-Wochen-Prozesses gekämpft, den Prozess ökumenisch anzulegen, was uns jedoch bis auf kleine Teile nicht gelang. Zum Glück war ja wenigstens der Mittwoch durch das Kunstprojekt und den ökumenischen Gottesdienst von diesem Geist geprägt und der Samstag mit der Bibeleinheit von Pfarrer Achim Schowalter. Daher kam dann für mich völlig überraschend der Wunsch meiner Vorstandskollegen in der ACG, wir mögen den Jahresgottesdienst doch unter das Thema stellen: "Sucht mich, dann werdet ihr leben!" (Am 5,4) – Prophetisches Handeln gestern und heute. Auch wenn es viel Kritik gab, da die Teilnahme zu gering war, der Gottesdienst zu lang war... Es war dennoch der Geist des Amos, der sprach und das war gut. Die Interviews waren ehrliche Statements zu Grundeinkommen, Armut, zu der Frage, welchen Auftrag wir haben, wenn wir auf der Sonnenseite stehen, die Lieder, die Gebete, es war viel von den Forderungen aktuell auf die heutige Zeit umgesetzt. Ihr findet den Gottesdienst unter auf meiner Homepage.

Der nächste Schritt war unser Mitmachfest, der eigentliche Beginn des Wegrufes am 3. November. Dort habe ich zu Anfang meine Gedanken skizziert, ich gebe sie hier noch mal wieder: "Der Weckruf ist abgeschlossen, der Wegruf beginnt heute. Viele haben gesagt, diese Form von Gottesdiensten wie wir sie beim Amos gefeiert haben, aber auch schon in den vorausgegangenen Glaubenskursen und mit der jungen Kirche, die dürfen nicht sterben, so fangen wir heute an, weiterzumachen. Viele schätzen diese Gottesdienste mit Anspiel oder Impuls, freiem Fürbittgebet, einer Band, einer Predigt, die länger ausfällt und zu einem bestimmten Thema einen Impuls gibt und mit Kommunion unter beiderlei Gestalten. Also setzen wir einen Wegpunkt und machen weiter. Was es dazu braucht? Gebet und Stärkung durch Gott, aber auch Propheten, die immer wieder aufrütteln. Ich habe in der vergangenen Woche einen Beitrag gelesen, der lautete, "Treten Sie nicht aus!" Er berichtet von einem Buch von Peter Bürger, Die fromme Revolte, Katholiken brechen auf (erschienen beim Publik Forum Verlag) und richtet sich an Katholikinnen und Katholiken, die reformorientiert sind und bittet sie, sich nicht zurückzuziehen. Es ist nicht von einem Kirchenmann geschrieben, sondern von einem, der die Kirche nicht denen da oben überlassen will. Er fordert die Gemeinden auf, dass die, die eben eine andere Form von Christentum und Kirche leben wollen, sich vernetzen sollen, statt zu resignieren. Aber am meisten zu denken gegeben, hat mir der letzte Satz des Artikels, der heißt, Wo am Ende die Amtsträger nur noch für die Sakramentsdienstleistung vorbeischauen, werden Alte und Junge selbst anfangen, von Gott zu sprechen und sich angesichts der Überlebensfragen unserer Zivilisation auf die Suche begeben. Ich weiß nicht, ob diese Einschätzung stimmt, ob wir wirklich soweit sind, dass wir das tragen können, aber ich weiß, der Amosprozess sollte dafür stärken, sollte dazu ermutigen. Noch können wir es probieren." Es waren keine Massen, die an diesem Abend strömten, aber es waren motivierte Menschen, die den Wegruf ins Jahr 2010 tragen wollen.

Gestern nun trafen wir uns zur Zukunftswerkstatt. Sie war das Ergebnis des Schulprojektes. Es war ein großes Bibbern, ob wir überhaupt den Tag durchführen, da wir gesagt hatten, mehr als 5 Schüler/innen sollten es sein! (Man wird ja schon bescheiden...). Um 10.15 Uhr waren es dann 6 Schülerinnen, eine Lehrerin, eine Elternvertreterin, ein Caritasvertreter, eine Lehramtsstudentin, eine Schulsozialarbeiterin, Jörg Sieger und ich, sowie der Schulleiter der Realschule als Moderator, die den Tag begannen. Nach O-Saft-Empfang, Begrüßung und Aufwärmspielen wurden mit einer SOFT-Analyse die Bedürfnisse der Schülerinnen (es waren nur weibliche) ermittelt, dann wurde gepunktet, welche Themen Priorität haben. Nach einer Pizzapause wurde dann am gewählten Thema weitergearbeitet. Es war das Thema Lernzirkel, also Weitergabe von Wissen durch bessere Schüler an schlechtere, bzw. von Schultypen wie beruflichen Gymnasien an Schülerinnen von Berufsförderklassen. Es wurden konkrete Arbeitsaufträge erteilt, die Schülerinnen vertraten ein breites Spektrum: allgemeinbildendes Gymnasium, berufliches Gymnasium und Realschule, dabei auch noch unterschiedliche Schulen, so dass wir an mehreren Schulen damit starten wollen. An einigen Schulen hat die SMV schon solche Schritte schulintern begonnen, an anderen soll sie neben Schulleitern und Schulsozialarbeitern ins Boot geholt werden. Einige wollen nachmittags in Klassenzimmern was anbieten, andere überlegen, ob ein pfarrlicher Raum nicht sinnvoller wäre. Am Ende meinte Jörg Sieger, am Anfang des Schulprojektes wäre genau der Gedanke der Solidarität von leistungsstärkeren Schülern mit schwächeren mal sein Ausgangspunkt gewesen, nun erfüllt sich der Wunsch, da was zu machen, auf dem Umweg eines arbeitsintensiven Projekts. Mal sehen, was im Januar tatsächlich in Gang gekommen ist. Es war ein guter Tag, schade nur, dass nur so wenige ihn nutzen.

(Marieluise)

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